Programmarchiv 2008
Veranstaltungen

26. Mai 2008 19:30 Uhr
SPD Friedrichshain präsentiert:

Themenabend Migration und Flüchtlinge in Berlin

I broke my future - Paradies Europa

Dokumentarfilm, D 2006, Regie: Carla Gunnesch
Länge: 80 Min.

In Anwesenheit von Regisseurin Carla Gunnesch und Dr. Susanne Kitschun, MdA, Integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und anderen Vertretern der SPD Friedrichshain

Dokumentarfilm über vier Menschen ohne Papiere in Berlin, insbesondere in Friedrichshain, begleitet von der Filmemacherin.

Demokratie, soziale Versorgung, Wohlstand - was für uns Selbstverständlichkeiten sind, klingt für viele Menschen außerhalb der »Festung Europa« wie das leibhaftige Paradies. Hunderttausende versuchen jedes Jahr, als Asylbewerber oder Illegale die Grenzen zur EU zu überwinden. Die Dokumentation begleitet vier junge Afrikaner in Berlin, deren Träume längst zerbrochen sind. Ihr Alltag besteht aus Angst vor Kontrollen, Ausbeutung als illegale Arbeitskraft und der schwindenden Hoffnung auf eine Lebensperspektive.

Fela, Karim, Rachid und Daren gehören zu den wenigen afrikanischen Flüchtlingen, die es nach Europa geschafft haben. In Deutschland angekommen, glaubten sie, am Ziel ihrer Träume zu sein. Aber stattdessen sehen sie sich jetzt als Asylbewerber mit einer harten Realität konfrontiert. Am Rand der Gesellschaft leben und arbeiten sie illegal in Berlin, mit der ständigen Gefahr entdeckt und bestraft zu werden. Der Umgang mit den restriktiven Asylgesetzen ist für sie fast schon Normalität geworden. Doch für ihr Leben in Europa zahlen sie einen hohen Preis.

30. Mai 2008 22:00 Uhr
Herwig Kipping präsentiert:

Letzte DDR-Filmkunst

Ein Filmgespräch über „Das Land hinter dem Regenbogen“ mit dem Regisseur

Das Land hinter dem Regenbogen

BRD 1991, Regie: Herwig Kipping
Darsteller: Franciszek Pieczka, Winfried Glatzeder, Axel Werner, Thomas Ewert
Länge: 90 Min

Herwig Kipping gehörte zur letzten Generation der DEFA-Filmregisseure, konnte aufgrund seiner Unangepasstheit seinen Debütfilm „Das Land hinter dem Regenbogen“ erst nach der Wende mit 43 Jahren realisieren. Kurz nach dem Krieg geboren als Sohn eines Bauern geboren, ein Jahr vor der Gründung der DDR, wuchs er mit dieser auf, beginnt beim Fernsehen zu arbeiten, später an der HFF zu studieren. Er tritt in die SED ein, aus der er später wieder ausgeschlossen wird, da er darauf beharrt, bei seiner Arbeit als Autor und Regisseur von kleineren Filmen und Fernsehbeiträgen eigenständig zu denken. Er wird zur Persona non grata und kann sich erst nach dem Ende der DDR verwirklichen. 1993 dreht er seinen zweiten Spielfilm „Novalis – Das blaue Licht“, das war bisher sein letzter Kinofilm.

Herwig Kippings allegorischer Debütfilm gerät zur sarkastischen Abrechnung mit der DDR-Vergangenheit. 1953 in einem Ort namens Stalina träumt das Mädchen Marie vom Land hinter dem Regenbogen. Der Großvater spricht zur heiligen Stalin-Büste und will das Dorf zum Paradies machen. Heinrich wird als LPG-Vorsitzender abgesetzt, läuft Amok und löst am 17. Juni den Sturm auf die lokale Machtzentrale (ein Toilettenhäuschen) aus. Sowjetische Soldaten schreiten ein. Zuletzt wird der Großvater am schwarz-rot-goldenen Grenzpfahl gekreuzigt und sein Enkel, der "Regenbogenmacher", zieht mit Marie in die nahe gelegene Wüste.

05. Juni 2008 18:00 Uhr
Thomas Günther präsentiert:

Hommage an den Schriftsteller Wolfgang Hilbig zum 1. Todestag

Film „Morenga“ und Lesung mit Schauspieler Jürgen Holtz, mit Regisseur Egon Günther

Der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Wolfgang Hilbig, geboren 1941, starb im letzten Jahr am 02. Juni. Dieser Abend in den Tilsiter Lichtspielen ist ihm und seinem, stets ostdeutschen Themen verhaftet gebliebenen Werk gewidmet.

MorengA

BRD 1983-85, Regie: Egon Günther
Drehbuch: Egon Günther, Uwe Timm
mit: Jacques Breuer, Edwin Noël, Jürgen Holtz, Manfred Seipold, Tobias Hoesl

Jacob Morenga, 1885 als Sohn eines Nama-Vaters und einer Herero-Mutter geboren, gehört zu den großen historischen Persönlichkeiten der Geschichte Namibias. In Europa erzogen, arbeitet er nach seiner Rückkehr in den Goldminen. Er kennt das Denken der Europäer und mit diesem Wissen und einigem militärischen Geschick wird er bald zum Anführer des Hottentotten-Aufstands in „Deutsch Süd-West“. Er bildet kleine Einheiten Aufständischer, die nach Guerillataktik zuschlagen. 1905 fügt er den Kolonialtruppen eine gewaltige Niederlage zu, die auch andere Kolonialmächte verunsichert. Der Lebensweg Morengas ist geschickt mit der Figur des Oberveterinärs der deutschen Schutztruppen, Gottschalk verbunden. Er hatte sich freiwillig für Deutsch-Südwest gemeldet und schwört angesichts der ihm unerträglichen Willkür gegen Schwarze, nie auf einen Afrikaner zu schießen. Aber er wird diesen Schwur brechen.

„Morenga“ war die achte Filmarbeit Egon Günthers nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik und der zweite Roman des Autoren und Mitherausgebers der „Literarischen Hefte“, Uwe Timm. Beide, Timm und Günther, sammelten für ihre Werke dokumentarisches Material, das die Struktur des fiktionalen Stoffs maßgeblich beeinflusste. „Morenga“ lief 1985 im Wettbewerb der 35. Internationalen Berliner Filmfestspiele.

Lesung

Schauspieler Jürgen Holtz liest Texte von Wolfgang Hilbig

27. Juni 18:00 Uhr

Themenabend Gesundheitsreform 2004

Die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf
Dialysepatienten und Dialysebehandlung
Film "Kahlschlag" plus anschliessende Diskussion.

zugesagte Gäste:
BASG: Michael Prütz (Politologe)
Die Linke: Dr. Ilja Seifert, MdB., Ausschuß für Gesundheit und Behindertenverbände (unter Vorbehalt)
DKP: Rolf Meier (Krankenpfleger), Sozialausschuss der BVV Friedrichshain/Kreuzberg
angefragte Gäste:
Bündnis90/Grüne: Elisabeth Scharfenberg, Markus Kurth, Birgitt Bender
Die Frauen: Nicole Becker, Monika Christann
Die Grauen: Michaela Springer, Barbara Freudenreich, Carsten Schallock, Thorsten Chrasté
Die Linke: Martina Bunge, Marianne Linke
FDP: Konrad Schily
SPD: Margrit Spielmann, Hilde Mattheis, Karl Lauterbach
WASB: Frank Schreiber

Kahlschlag

Idee: Ralf Neubauer (Get Up Stand Up TV und selber Dialysepatient)
Drehbuch u. Regie: Flora E. Bernhagen, Ralf Neubauer
Kamera: Ralf Neubauer, Werner Rink
Moderation: Flora E. Bernhagen (Flora Medienwerkstatt Berlin und Autorin)
Länge: 93 Min

Zu Jahresbeginn 2004 trat die Gesundheitsreform in Kraft. Die Folgen der Gesundheitsreform bleiben von vielen Medien unbeachtet. Obgleich die starken Einschnitte in die Gesundheitsversorgung schon heute spürbar sind. Besonders chronisch kranke Menschen mit geringem Einkommen sind von dieser Reform erheblich ge-/betroffen worden. Die Auswirkungen dieser Gesundheitsreform werden in diesem Film anhand von Hintergrundinformationen sowie in Interviews mit DialysepatientInnen und Pflegepersonal einer Berliner Dialysepraxis dokumentiert.

22.+23. August 2008 22:00 Uhr

Soundimplant Live

Live werden Soundimplant einen experimentellen Soundtrack zu zwei bedeutenden Vertretern des klassisch-stummen Horrorfilms basteln. Mehr Informationen über Soundimplant auf www.soundimplant.com

KÖRKALEN - THE PHANTOM CARRIAGE (OmEnglUT)
Dt. Titel: Der Fuhrmann des Todes
Schweden 1921, 91 min, Regie: Victor Sjöström

VAMPYR - DER TRAUM DES ALLAN GREY (OmEnglUT)
D/F 1932, 72 min, Regie: Carl Theodor Dreyer

06. September 2008 14-22 Uhr

Strassenfest Richard-Sorge-Strasse

Tilsiter Lichtspiele - 100 Jahre Kino im Kiez

Das traditionsreiche, alljährlich stattfindende Straßenfest im Richard-Sorge-Kiez steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Hunderjahrfeier unseres Kinos. Von 14:00 bis 22:00 Uhr wird es diverse Veranstaltungen und Aktivitäten in der Richard-Sorge-Straße, vor allem vor und im Kino geben. Im Kino selbst und der dazugehörigen Kneipe endet das Programm natürlich nicht um zehn, sondern erst weit nach Mitternacht, wenn die letzten Gäste nach Hause getragen werden - ein selbstverständlicher Service des Hauses.

Programm auf der Straße und vor dem Kino (mit Bühne)

  • Kinderfest mit Spielwagen
  • Freiwillige Feuerwehr zum Anfassen
  • Konzerte mit Livebands
  • Straßengarten mit Essen und Trinken
  • und noch vieles mehr - lasst euch überraschen!

18:00 Uhr
Mr. Maloke and Rhino (Puppetmastaz)
Puppenshow mit Musik und Film.
Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Mr. Maloke wurde um 1650 auf dem Kilimandscharo geboren. Der Maulwurf mit dem langen Zylinder lebte eine Weile in New York und zog dann wie viele andere Künstler nach Berlin um, inspiriert durch Leonard Cohen‘s Song „First we take Manhattan“ (...then we take Berlin!). Hier traf er gleichgesinnte Puppen, mit denen er den „Congress of Puppetry“ gründete, dessen Losung die weltweite Herrschaft der Puppen über die Menschen ist, ein Ziel, für das auch die Band Puppetmastaz kämpft, deren Boss Mr. Maloke ist. Rhino, das Nashorn, ist einer der Mitstreiter Malokes in dieser Angelegenheit.

26. September 2008 21 Uhr

"Der schöne 27. September" ...zwischen 1968 & 2008

Florian Havemann liest zu Thomas Brasch

"Wenn wir anders werden, bleiben es doch wir, die sich ändern."


Thomas Brasch:
Der schöne 27. September


Ich habe keine Zeitung gelesen.
Ich habe keiner Frau nachgesehen.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
Ich habe keinem einen guten Tag gewünscht.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehen.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und mit keinem über neue Zeiten.
Ich habe nicht über mich nachgedacht.
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht.

In Anspielung auf die Veröffentlichung der Tagebuchnotiz der Schriftstellerin Christa Wolf 1974 mit dem Titel „Dienstag, der 27. September“

Florian Havemann liest aus seinem tausendseitigen Prosawerk "Havemann" Passagen, die von seiner innigen und hochkomplexen Beziehung zu Thomas Brasch erzählen.


Um 19:30 Uhr laufen die Filme:


Personenbeschreibung. Annäherung an Thomas Brasch


Zerstörte Landschaft. Ich gehe in ein anderes Blau


Eintritt: 5,- EUR; ermässigt für Studenten, Rentner & Rock'n'Roll People 3,- EUR.

Eine Galerie auf Zeit-Veranstaltung von Thomas Günther in Zusammenarbeit mit Tilsiter Lichtspiele.

30.10.2008 21:00 Uhr
Lesung

Schunkelmucke: Bert Papenfuss & Gäste

Bert Papenfuß präsentiert sein neues altes Buch Ation-Aganda (1983/1990) zusammen mit den musikalischen Mittätern Bernd Jestram (Ex-Aufruhr zur Liebe, Tarwater) und Ronald Lippok (Ex-Ornament & Verbrechen, Tarwater)

Bert Papenfuß bei Urs Engeler Editor
Presseartikel zu Bert Papenfuß

01.11.2008 20:00 Uhr
Lesung

Torpedo Plexus: Langeweile versengt

Kurzprosaische Tauchfahrten in die Untiefen des Alltags & Bob Lyder am Ozeanpiano. Die Tiefsinntaucher Frank Nußbücker, Oliver Bauer und Andreas B. Vornehm ankern mit ihrem Unterhaltungsboot und haben Kurzgeschichten an Bord.

www.storyatella.de | www.virtuartisten.de

04.12.08 21:00 Uhr

CINEMATIC CONCERT: SOUND IMPLANT LIVE

a slow fully acoustic cinematic experiment

marc fantini: drums
derek shirley: doublebass
balthazar shâ: tenor sax

Am Donnerstag, 04.12., sind drei Musiker von Sound Implant zu Gast in den dieses Jahr ihren hundertsten Geburtstag feiernden Tilsiter Lichtspielen, um ein ungewöhnliches Konzert zu geben. Zu dunkler, sehr langsamer Musik analog dem "Twin Peaks"-Soundtrack und Klängen von Bands wie "Bohren & der Club of Gore" spielen sie live und ohne jede Elektronik zu experimentellen Bildern aus 100 Jahren Filmgeschichte, mit dem Rücken zu den Zuschauern und werden so selbst zur Leinwand.

Sound Implant ist eine lose Formation verschiedener Musiker, die sich der experimentellen elektronischen und auch akustischen Musik verschrieben haben. Dabei entwickelten teilnehmende Musiker wie Antoine Chessex aus der Schweiz eine Vorliebe auch für die Livevertonung alter Stummfilmklassiker und experimenteller Filme.

In den Tilsiter Lichtspielen war Antoine Chessex schon im August zu Gast, um mit einem befreundeten Musiker von Sound Implant die beiden Filme "Der Fuhrmann des Todes" (1921) von Victor Sjöström - erklärtem Vorbild von Ingmar Bergman - und "Vampyr - Der Traum des Allan Grey" (1932) von Carl Theodor Dreyer mit elektronisch-industrieller Musik zu vertonen.

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Sound Implant is a LABOR for research & creation in the field of acoustic - electronic music, sound design and generative - interactive art in general.

It offers SONIC SOLUTIONS for every kind of expression that needs a musical complement like dance, sound installations, cinema, theatre or internet.

Sound Implant is also a web based RECORD LABEL & a place for anyone who wants to exchange informations and ideas about these topics.

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