Programmarchiv Januar 2009

Veranstaltungen

Punkmusik & Spaßperformance – Alternative Kunst in der DDR

In der DDR wird Kultur als Mittel zur politischen Beeinflussung gesehen und genutzt - "Kunst ist Waffe im Klassenkampf!" Doch dieser Losung folgen längst nicht alle Künstler. Insbesondere in den 70er und 80er Jahren entwickelt sich im deutschen Osten eine alternative Kunstszene.

Deren Akteure setzen sich über staatliche Vorgaben hinweg oder nehmen sie gar nicht mehr zur Kenntnis. So entsteht eine eigene kleine Welt innerhalb des realsozialistischen Staates, die weit über das Kunstschaffen hinausgeht: Modenschauen auf Hinterhöfen, Ausstellungen in Kellern, Künstlerfeste, gemeinsame Ausflüge und Theatervorstellungen im Wohnzimmer – den Schriftstellern, Malern, Musikern, Schauspielern und Modemachern der Subkultur gelingt es, für und mit ihrer Kunst Freiräume zu schaffen.

Natürlich bleiben die Aktivitäten der alternativen Kunstszene auch der Staatssicherheit nicht verborgen. Mit einer unverhältnismäßig großen Zahl von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern, die häufig selbst Teil der Szene sind, werden Akteure und Aktionen genauestens beobachtet. Anhand persönlicher Portraits sehr unterschiedlicher Künstler erzählt der Film, wie sich die Subkultur über die Jahre hinweg entwickelt und welche erstaunliche Vielfalt dabei entsteht.

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek, der Maler Wasja Götze, Trötsch von der Punkband "Die Firma", Sabine von Oettingen von der Modegruppe "chic, charmant und dauerhaft", der spätere SPD-Politiker Thomas Krüger, der sich in den 80er Jahren als Performancekünstler versucht und die beiden Ensemble-Mitglieder des "theater zinnober" Uta Schulz und Günther Lindner erinnern sich an Schönes, Problematisches und Kurioses aus ihrem Künstleralltag in der DDR.

Doku, D 2008, 45 min, Regie: Karoline Kleinert
Eine Gemeinschaftsproduktion der Vidicon GmbH und des Rundfunks Berlin-Brandenburg; Gefördert mit Mitteln der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Peter Wawerzinek auf Scharlatan-Tour 1989 Die Jäger des verlorenen Verstandes Theater Zinnober am Alexanderplatz

top

Kinofilme im Januar

Im Winter ein Jahr

Im Winter ein Jahr

D/USA 2008, 128 min
Regie: Caroline Link
mit: Josef Bierbichler, Karoline Herfurth, Corinna Harfouch

Vor einem Jahr beging der junge Sohn einer reichen Münchner Familie Selbstmord. Diese ist mittlerweile nur noch ein Trümmerhaufen. Ein Maler soll für die Mutter ein Porträt ihres Sohnes anfertigen, das ihn zusammen mit seiner Schwester zeigt. Während der Sitzungen mit dem Maler beginnt die junge Frau langsam, sich dem ebenfalls mit Schmerz und Verlust vertrauten Künstler zu öffnen und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Der nach JENSEITS DER STILLE und NIRGENDWO IN AFRIKA neue Spielfilm von Regisseurin Caroline Link basiert auf einem Roman des Amerikaners Scott Campbell und verlegt dessen Handlung von Boston nach München. Ein hervorragendes Darstellerensemble macht aus einer fremden Welt ein nahegehendes, wenn auch nicht nahestehendes Gefühlskino, in dessen Mitte der diesmal für seine Verhältnisse sehr zurückhaltende Josef Bierbichler - der Maler - und die leise, aber dafür umso intensiver spielende Karoline Herfurth - die Schwester - stehen. Mut zum großen Melodram - den muss ein deutscher Regisseur resp. -in erst mal haben.

top

La Zona

La Zona OmU

Mexiko 2007, 95 min
Regie: Rodrigo Plá

Drei Jugendliche aus dem Armenviertel von Mexiko-City dringen in das von Mauern geschützte und privat überwachte Villenviertel „La Zona“ ein. Der spontane Einbruch in eines der Luxushäuser geht schief und die leichtsinnigen Eindringlinge werden geschnappt. Doch nicht etwa von der ohnehin korrupten Polizei, sondern vom aufgebrachten Mob werden die Jugendlichen gerichtet. Eine erbarmungslose Hetzjagd beginnt, in der sich die hysterischen Bewohner des Viertels gegenseitig verdächtigen und ihr kleines Reich zu ihrem eigenen Gefängnis werden lassen. LA ZONA ist eine vielprämierte und spannend inszenierte Thrillerparabel über düstere Zukunftsaussichten, die vielen schon heute Realität ist.

top

Berlin Calling

Berlin Calling

D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

top

Lets make money

Let's make money

Ö 2008, 110 min
Regie: Erwin Wagenhofer

Die Sendung mit der Maus für Erwachsene: heute mit einer Folge aus dem Reich der 1000-$-Krawatten. Spannende Lach- und Sachgeschichten über Cross-Border-Leasings und Private Equity Fonds, Global & Offshore Markets; Investmentbanker, Fondverwalter und Manager reden über das ganz große Geld, über die Kunst des Ausplünderns und Plattmachens zum Zwecke der Kapitalmaximierung. Nach WE FEED THE WORLD der neue kritische Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer über die Funktionsweise und Auswirkungen der Globalisierung und über die Gegensätze zwischen der Ersten und der Dritten Welt. Der Film spürt den internationalen Finanzströmen nach und findet gleichnishafte und einprägsame Bilder für seine anschauliche Kapitalismuskritik.

top