Programmarchiv Februar 2009

The Boss of it all

The Boss of it all OmU

DK/S 2006, 100 min
Regie: Lars von Trier
mit: Jens Albinus, Peter Gantzler, Jean-Marc Barr, Fridrik Thor Fridriksson

Schon 2006 stellte der dänische Ausnahmeregisseur seinen bisher letzten Kinofilm fertig. Und gab sich damit zufrieden, dass er lange Zeit nicht in den Kinos zu sehen war. Zu Unrecht: Der Film ist eine fiese Satire über einen vom Leiter einer IT-Firma engagierten Schauspieler, der auf überzeugende Weise einen amerikanischen Big Boss spielen soll, um den Verkauf der Firma reibungslos über die Bühne zu bringen. Denn der eigentliche Chef täuschte jahrelang seine Mitarbeiter mit dem fiktiven Vorgesetzten aus Übersee, um sich von der Last unangenehmer Entscheidungen zu befreien. Der potentielle Käufer wiederum ist ein verrückter Isländer, der die Dänen hasst – gespielt vom isländischen Regisseur Fridrik Thor Fridriksson. Von Trier wendet hier zum ersten Mal das von ihm entwickelte Verfahren Automavision an, welches die Bildausschnitte digital per Zufall auswählt und damit die Schauspieler mitunter buchstäblich im Abseits stehenläßt.

top

Novemberkind

Novemberkind

D 2008, 95 min
Regie: Christian Schwochow
mit: Anna Maria Mühe, Ulrich Matthes, Christine Schorn

Die junge Inga aus dem Nordosten Deutschland, deren Mutter in den 80er Jahren in der Ostsee ertrunken schien, lässt sich von einem nur scheinbar zufällig auf Besuch erscheinenden schwäbischen Literaturprofessor zu Recherchen über ihre Vergangenheit veranlassen, was zu unerwarteten und traurigen Erkenntnissen führt. Ein deutsch-deutsches Roadmovie über Vergangenes und Gegenwärtiges, ein gelungenes Regiedebüt - das Christian Schwochow zusammen mit seiner Mutti schrieb - und eine fantastische Doppelrolle für die Tochter von Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann, die ganz souverän sowohl Inga als auch ihre Mutter spielt.

top

Burn After Reading

Burn after Reading OmU

USA 2008, 96 min
Regie: Joel & Ethan Coen
mit: Brad Pitt, George Clooney, Tilda Swinton, John Malkovich

Wenn selbst der Ex-KGB FSB (Федеральная служба безопасности Российской Федерации) an vorgeblich brisantem Geheimmaterial aus amerikanischen Quellen desinteressiert ist und dessen Anbieter eher beschränkt sind, kann sich wohl nur der CIA darum kümmern, wer auch sonst? Und die Coen-Brüder natürlich, die mit ihrem jüngsten Film auf sehr amüsante Weise diverse Angebot-Nachfrage-Probleme behandeln und damit einen heiteren Kontrast zu ihrer düsteren Cormack McCarthy-Verfilmung NO COUNTRY FOR OLD MEN vorlegen. In Fortsetzung zu letzterem präsentiert Pit Brett analog zu Javier Bardem eine höchst unglaubliche Friseur und George Clooney schafft nun endlich die Vollendung seiner persönlichen Idioten-Trilogie mit den Coens (nach O Brother, Where Art Thou? und Intolerable Cruelty). Alles in allem kann sich der Zuschauer auf keinen Fall den Verstand verbrennen, das ganze Gericht ist schön vergnüglich und lässig angerichtet, ein Highlight im bewährten Eintopf der Hollywoodküche.

top

Berlin Calling

Berlin Calling

D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

top

Lets make money

Let's make money

Ö 2008, 110 min
Regie: Erwin Wagenhofer

Die Sendung mit der Maus für Erwachsene: heute mit einer Folge aus dem Reich der 1000-$-Krawatten. Spannende Lach- und Sachgeschichten über Cross-Border-Leasings und Private Equity Fonds, Global & Offshore Markets; Investmentbanker, Fondverwalter und Manager reden über das ganz große Geld, über die Kunst des Ausplünderns und Plattmachens zum Zwecke der Kapitalmaximierung. Nach WE FEED THE WORLD der neue kritische Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer über die Funktionsweise und Auswirkungen der Globalisierung und über die Gegensätze zwischen der Ersten und der Dritten Welt. Der Film spürt den internationalen Finanzströmen nach und findet gleichnishafte und einprägsame Bilder für seine anschauliche Kapitalismuskritik.

top