Programmarchiv Juni 2009

Il Divo

Il Divo OmU

Italien 2008, 117 min
Regie/Drehbuch: Paolo Sorrentino
mit: Toni Servillo, Anna Bonaiuto

Im Januar diesen Jahres ist er 90 Jahre alt geworden – das große alte Schreckgespenst (das neuere wäre natürlich Silvio Berlusconi) der italienischen Politmafia: Giulio Andreotti. Unfassbar seine Karriere, unfassbar die Anzahl der ihm zugeschriebenen Leichen seiner Gegner - im übertragenen wie buchstäblichen Sinne, unfassbar auch seine äussere Erscheinung, eine Kreuzung aus Max Schreck als Nosferatu und Clown. Das soll Italiens Richelieu sein, der große Strippenzieher? Der Mafiafreund und Mitglied der berüchtigten P2-Loge (steht für Propaganda Due)? So widersprüchlich wie die eingebildetete oder tatsächliche Bedeutung des Alten hat der junge Filmemacher Sorrentino auch seinen Film gestaltet – eine furiose, teils surrealistische, exzellent besetzte (vor allem Servillo als Andreotti ist großartig) Groteske, in der Politiker schmierige Gangster und der Chef ein Untoter und das Regieren eine Farce ist.

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Eldorado

Eldorado OmU

Belgien/F 2008, 81 min
Regie/Drehbuch: Bouli Lanners
mit: Bouli Lanners, Philippe Nahon

„In sunshine and shadow,
from darkness till noon
Over mountains that reach from
the sky to the moon
A man with a dream
that will never let go
Keeps searching to find
El Dorado.“
– EL DORADO (1966)

Ein erfolgloser Amischlittendealer und ein mittelloser Junkie werden von Kommissar Zufall zu einer Fahrgemeinschaft gezwungen und ein absurd-lakonisches Roadmovie durch Wallonien nimmt seinen Lauf. Wunderbare kleine Filmperle, eine schräge Tragikkomödie, die einmal mehr zeigt, dass belgische Filmemacher nicht unbedingt Freunde unbeschwerter Heiterkeit sind.

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Material

Material DF mit engl. UT

Doku, D 2008, 166 min
Regie: Thomas Heise

Die Räumung besetzter Häuser in der Mainzer Straße. Die Massendemonstration auf dem Alexanderplatz im November 1989. Eine Sitzung der neu gewählten Volkskammer, Aufnahmen aus der Strafvollzugseinrichtung Brandenburg, der Angriff von Jugendlichen aus der autonomen Szene auf die Vorführung eines Films. Der Abriss des Palastes der Republik. Und noch viel mehr. Ein spannender Bilderhaufen deutscher Geschichte, kurz vor und noch lange nach der Wende, eine Materialsammlung, die nicht nach Kröpfchen und Töpfchen trennt, sondern von Heise in eine subjektive Ordnung gebracht wurde.

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Elektrokohle

Elektrokohle

Doku, D 2009, 90 min
Regie: Uli M. Schueppel
mit: Einstürzende Neubauten, Heiner Müller

„Kollaps / bis zum Kollaps
nicht viel Zeit
Kollaps / Unsre Irrfahrten
zerstören die Städte
und nächtliches Wandern
macht sie dem Erdboden gleich
Kollaps / alles was ich kriegen
kann / Alles in mich rein
Kollaps / süßer Kollaps
bitter und bitter und bitter“
– Einstürzende Neubauten (1981)

Am 21. Dezember 1989 findet im Wilhelm-Pieck-Saal des VEB Elektrokohle in Lichtenberg ein inzwischen legendäres Konzert statt: Die Einstürzenden Neubauten im tiefsten Osten – und das so kurz nach der Öffnung der Grenze. Heiner Müller u.a. ostdeutsche Kulturgrößen waren auch dabei. 20 Jahre später begleitet der Filmemacher und Neubauten-Freund erneut einige der damaligen Konzertbesucher auf dem Weg zum historisch gewordenen Kulturhaus.

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Achtung! Wir kommen.

Achtung! Wir kommen.
Und wir kriegen euch alle.

D 2008, 112 min
Regie: Carl G. Hardt
mit: Feeling B, Sandow, Die Skeptiker, Freygang, Inchtabokatables, Blind Passengers, Cultus Ferox

20 Jahre Flüstern und Schreien. Die wohl längste Musikdokumentation der Welt – 20 Jahre (ost)deutsche Musik- und Zeitgeschichte. Fans der DEFA-Dokumentation „flüstern & SCHREIEN“ erleben die geistreichen Sympathieträger des Films – Aljoscha, Paul und Flake, die Band FEELING B – wie sie in der Zeit nach der Stunde Null die „Eskalation der Möglichkeiten“ verkraftet haben.

Die Dreharbeiten begannen im Frühjahr 1990. Drei Jahre dokumentierten der DEFA-Kameramann Steffen Sebastian und der Regisseur Carl G. Hardt das Geschehen im Prenzlauer Berg und Berlin Mitte: Das Besetzen von Häusern wie die Schönhauser 5, den Eimer und Red Pub, das Tachles, das Auflösen und Entstehen von Bands, Konzerte in Thüringen und an der Ostsee, die Aktionen des Piratensenders "Radio P", die Rekonstruktion der Synagoge in der Oranienburgerstrasse.

Aljoscha "Alexander" Rompe – Frontmann der Band Feeling B – war einer der aktivsten Köpfe in dieser aufregenden Zeit und Protagonist während der filmischen Materialsammlung. 1993 entschieden der Aufnahmeleiter des DEFA-Kinofilms "flüstern & SCHREIEN" (1988) Stephan Roeder und der Producer des Filmes Carl G. Hardt – in ihrem Wahnsinn – einen neuen Musikfilm zu produzieren. Nunmehr, nach 20 Jahren aufwendiger Dreharbeiten liegt das Ergebnis vor.

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Die Legende von Paul und Paula

Die Legende von Paul und Paula

DDR 1972, 105 min
Regie: Heiner Carow
mit: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Fred Delmare

Paul liebt Paula und Paula liebt Paul. Doch was einfach klingt, ist mit Hindernissen verbunden... Der legendäre DEFA-Liebesfilm nach dem Buch von Ulrich Plenzdorf zum Sommerbeginn wieder nach langer Zeit in den Tilsiter Lichtspielen.

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Berlin Calling

Berlin Calling

D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

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