Programmarchiv November 2009

Filmreihe Lars von Trier

Lars von Trier Antichrist

Antichrist OmU

D/Dän/S 2009, 108 min
Regie: Lars von Trier
Buch: Lars von Trier, Anders Thomas Jensen
Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe

Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte, "Eden", in den Wäldern zurück. Dort hoffen sie, ihre gebrochenen Herzen heilen und ihre kriselnde Ehe retten zu können. Aber die Natur verschafft sich ihr Recht, und die Situation kann nur schlimmer werden.

Der psychologische Thriller des dänischen Regisseurs Lars von Trier, mit Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg in den Hauptrollen, wurde an 40 Drehtagen komplett in Nordrhein-Westfalen gedreht. Die den Film beherrschende Frage "Was, wenn nicht Gott sondern der Teufel die Erde erschaffen hat?" wird von Lars von Trier mit Sicherheit wenig Freunde in den verschiedenen Religionsgemeinschaften machen.

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Lars von Trier Breaking the Waves Golden Heart Trilogie I

Breaking the Waves OmU

Dän 1996, 159 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Darsteller: Emily Watson, Stellan Skarsgård

In einem Dorf an der nordschottischen Küste in den 70er-Jahren: Kurz nach der Heirat mit einer unerfahrenen jungen Frau muss ein Mann für Monate auf eine Bohrinsel. Als er schwer verletzt zurückkommt, gibt sich die aus einer engen, naiv-gläubigen Gottesbeziehung lebende Frau die Schuld dafür. Sie lässt sich auf Drängen ihres gelähmten Mannes widerwillig auf Affären ein und wird von der streng protestantischen Gemeinde verstoßen.

Lars von Trier benutzt triviale Handlungsmuster für ein mitreißendes reines Gefühlskino, das seine Unmittelbarkeit sowohl den überragenden Schauspielern als auch dem reportagehaften Kamerastil verdankt. Außerdem reflektiert der Film theologisch differenziert die vielfältigen Aspekte der Trias Glaube, Liebe, Hoffnung: Eine Frau, die nur das Gute will, stößt in einer reglementierten Welt auf Mißtrauen und Ablehnung, so dass ihr Lebensweg zu einer modernen Passionsgeschichte wird. (Int. Filmlexikon)

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Lars von Trier Idioten Golden Heart Trilogie II

Idioten OmU

Dän 1998, 114 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Darsteller: Bodil Jørgensen, Jens Albinus, Anne Louise Hassing

Eine Gruppe junger Leute lehnt sich durch idiotisches Verhalten gegen ihre Umwelt auf, wobei ihre Radikalität sich letztlich gegen sie selbst richtet. Ein nach den Regeln der skandinavischen Gruppierung "Dogma 95" inszenierter Film, der nicht nur dem Zuschauer einiges abverlangt, sondern auch die Darsteller an Grenzen führt. Provozierendes Kino, das zwar nicht das letzte Wort über den europäischen Autorenfilm spricht, aber Zeichen setzt. (Int. Filmlexikon)

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Lars von Trier Dancer in the Dark Golden Heart Trilogie III

Dancer in the Dark OmU

Dän/D/USA 2000, 140 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Musik: Björk
Darsteller: Björk, Catherine Deneuve

Eine junge Fabrikarbeiterin, die aufgrund einer Erbkrankheit ihr Augenlicht verliert, spart ihr Geld, um ihrem Sohn durch eine Augenoperation dasselbe Schicksal zu ersparen. Als bei einem Streit ein Freund sein Leben verliert, wird sie unter Mordanklage gestellt und zum Tode verurteilt, weil sie sich weigert, ein Schweigegelübde zu brechen und ihre Ersparnisse für den Anwalt eines Berufungsverfahrens auszugeben.

Eine lückenlos durchbuchstabierte Kombination aus Musical und Melodram, die sich beiden Genres als Hommage und Kritik zugleich verpflichtet fühlt. Dramaturgisch ausgefeilt, in der Hauptrolle herausragend gespielt, erzählt der Film sowohl von bedingungsloser Mutterliebe als auch von den sozialen und politischen Gegebenheiten in den USA zu Beginn der 60er-Jahre. Dabei bedient er sich virtuos unterschiedlicher kameratechnischer Mittel, um die Handlungsebenen voneinander abzugrenzen. (Int. Filmlexikon)

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Lars von Trier Dogville USA Trilogie I

Dogville OmU

Dän 2003, 177 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Darsteller: Nicole Kidman, Harriet Andersson, Lauren Bacall, James Caan

Auf der Flucht vor Gangstern taucht eines Tages eine junge Frau in einer kleinen Gemeinde in den Rocky Mountains auf. Nur widerwillig gewährt man ihr Asyl, doch das ihr zugebilligte Leben am Rande der Gemeinschaft muss sie sich mit jeder erdenklichen Art von Verdinglichung erkaufen. Auch der in sie verliebte Mann hält auf Dauer dem sozialen Druck der Mitbewohner nicht stand. Das Auftauchen der Gangster wird für die Geknechtete zum Akt der Erlösung.

Dreistündige Theateraufführung, die durch eine faszinierende Kameraarbeit sowie die exzellente Montage die Grenzen des Kinos neu definiert. Erzählt wird eine Passionsgeschichte, die sich nicht nur als Tugendprobe bewährt, sondern zugleich hinter die Larve einer bis ins Mark verrotteten Gesellschaft blicken lässt. (Int. Filmlexikon)

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Kinofilme im November

Liebeswunden

Liebeswunden OmU

(Ai Qing De Ya Chi/Teeth of Love)
China 1996, 110 min
Regie: Zhuang Yuxin
Darstelller: Yan Bingyan, Li Hongtao

Eine junge Chinesin erlebt zwischen 1977 und 1987 drei schmerzhafte Liebesgeschichten in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche. Bewegender Debütfilm, an dem der Regisseur zehn Jahre arbeitete, ein elegant inszeniertes und hochpolitisches Melodram mit der faszinierenden Hauptdarstellerin Yan Bingyan, die die Kraft und zugleich Zerbrechlichkeit ihrer Figur glaubwürdig verkörpert.

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Der Dorflehrer

Memelland

Dokumentarfilm
D 2008, 88 min
Regie, Drehbuch: Volker Koepp

Volker Koepp bereist das litauische Ufer des großen östlichen Stroms, von den Menschen dort auch „Klein-Litauen“ genannt. Sie erzählen von ihrem Leben in dieser Grenzregion, vom Ende des Krieges und der Zeit, in der Litauen zur Sowjetunion gehörte, und von der Gegenwart. Und sie berichten von der einzigartigen Natur, die sie umgibt, am Strom und am Haff. Volker Koepp und seinen Kameramann Thomas Plenert zog es in den letzten anderthalb Jahrzehnten immer wieder in die früher zu Ostpreußen gehörenden Landschaften. KALTE HEIMAT (1995), DIE GILGE (1999) oder KURISCHE NEHRUNG (2000) etwa entstanden vor allem im Kaliningrader/Königsberger Gebiet, der russischen Exklave, die heute von Polen und Litauen umgeben ist. Die Grenze zwischen der Exklave und Litauen bildet in der Gegenwart über einhundert Kilometer der Oberlauf der Memel, die dann ein Delta bildet und in das Kurische Haff fließt. Die Niederungslandschaften beiderseits des Flusses nannte man früher auch „Preußisch-Litauen“. Dort lebten seit jeher Deutsche und Litauer.

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Die Architekten

Die Architekten

DDR 1990, 107 min
Regie: Peter Kahane
Darsteller: Kurt Naumann, Rita Feldmeier, Ute Lubosch, Jörg Schüttauf

This is the end, my friend... Ein beruflich und privat scheiternder Architekt dient als Sinnbild für die letzten Tage der DDR. Er ist 40 Jahre alt und ohne Hoffnung, doch auf einmal wird ein Traum wahr – die Mitarbeit an einem großen Projekt in einer Satellitenstadt bei Berlin. Aber er stößt mit seiner Arbeit an die Systemgrenzen und verschleißt sich und sein Kollektiv.

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Berlin Calling

Berlin Calling engl. UT

D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

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