Programmarchiv Dezember 2009

Filmreihe Lars von Trier

Lars von Trier Dancer in the Dark Golden Heart Trilogie III

Dancer in the Dark OmU

Dän/D/USA 2000, 140 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Musik: Björk
Darsteller: Björk, Catherine Deneuve

Eine junge Fabrikarbeiterin, die aufgrund einer Erbkrankheit ihr Augenlicht verliert, spart ihr Geld, um ihrem Sohn durch eine Augenoperation dasselbe Schicksal zu ersparen. Als bei einem Streit ein Freund sein Leben verliert, wird sie unter Mordanklage gestellt und zum Tode verurteilt, weil sie sich weigert, ein Schweigegelübde zu brechen und ihre Ersparnisse für den Anwalt eines Berufungsverfahrens auszugeben.

Eine lückenlos durchbuchstabierte Kombination aus Musical und Melodram, die sich beiden Genres als Hommage und Kritik zugleich verpflichtet fühlt. Dramaturgisch ausgefeilt, in der Hauptrolle herausragend gespielt, erzählt der Film sowohl von bedingungsloser Mutterliebe als auch von den sozialen und politischen Gegebenheiten in den USA zu Beginn der 60er-Jahre. Dabei bedient er sich virtuos unterschiedlicher kameratechnischer Mittel, um die Handlungsebenen voneinander abzugrenzen. (Int. Filmlexikon)

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Lars von Trier Dogville USA Trilogie I

Dogville OmU

Dän 2003, 177 min
Regie und Buch: Lars von Trier
Darsteller: Nicole Kidman, Harriet Andersson, Lauren Bacall, James Caan

Auf der Flucht vor Gangstern taucht eines Tages eine junge Frau in einer kleinen Gemeinde in den Rocky Mountains auf. Nur widerwillig gewährt man ihr Asyl, doch das ihr zugebilligte Leben am Rande der Gemeinschaft muss sie sich mit jeder erdenklichen Art von Verdinglichung erkaufen. Auch der in sie verliebte Mann hält auf Dauer dem sozialen Druck der Mitbewohner nicht stand. Das Auftauchen der Gangster wird für die Geknechtete zum Akt der Erlösung.

Dreistündige Theateraufführung, die durch eine faszinierende Kameraarbeit sowie die exzellente Montage die Grenzen des Kinos neu definiert. Erzählt wird eine Passionsgeschichte, die sich nicht nur als Tugendprobe bewährt, sondern zugleich hinter die Larve einer bis ins Mark verrotteten Gesellschaft blicken lässt. (Int. Filmlexikon)

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Lars von Trier Manderlay USA Trilogie II

Manderlay OmU

Dän/S/D/USA 2005, 139 min
Regie u. Buch: Lars von Trier
Darsteller: Bryce Dallas Howard, W. Dafoe

Der zweite Teil von Lars von Triers Amerika-Trilogie wendet in acht Kapiteln die Verheißungen der Moderne so lange dialektisch hin und her, bis sich der befreiende Anfangsimplus ins zynisch-provokative Gegenteil verkehrt. Nach ihrer Flucht aus Dogville übernehmen Grace und ihr Vater in den 1930er-Jahren eine Baumwollplantage in Alabama und bringen den Schwarzen die Grundregeln der Demokratie bei.

Form und Struktur des Films sind erneut dem epischen Theater entlehnt; die Darsteller agieren auf einer effektvoll drapierten Bühne. Das modellhafte Drama fesselt trotz der Wortlastigkeit und ist als Lehrstück über die blinden Flecken missionarischen Handenls nicht ohne Reiz. (Int. Filmlexikon)

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Kinofilme im Dezember

Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte OmU

Capitalism: A Love Story
Dokumentarfilm
USA 2009, 120 min
Regie u. Buch: Michael Moore

I refuse to live in a country like this, and I'm not leaving. - Michael Moore

Der neueste Streich des schlichten, wenngleich sehr bekannten Moralisten Moore ist wie stets ein unterhaltsamer Schwarz-Weiß-Film in Farbe, eine teils vergnügliche, teils traurige Polemik über die Misere unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, vor allem natürlich über die Zustände in seinem geliebten Heimatland.

I want what all filmmakers want: I want people to walk out and say to each other: ‚Wow, that was great way to spend two hours. That was exhilarating. I haven't seen anything like that in a while. - Michael Moore

George W. Bush riet ihm einst in der Öffentlichkeit "Get a job!", hier ist es ein Wall Street Man, der auf die Frage nach Vorschlägen antwortet: "Don't make any more movies!", was sich Moore dann wohl doch nicht zu Herzen nehmen wird. Unermüdlich arbeitet er sich auf die immer gleiche, betont naive Tour des dicken Im-Wege-Stehers an schwierigen Themenkomplexen ab, von Flint, Michigan bis Bagdad, Irak, immer im Einsatz, das angeschlagene Image der amerikanischen Demokratie zu retten. In Moore we trust!

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Die Anwälte

Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte

Dokumentarfilm
D 2009, 90 min
Regie u. Buch: Birgit Schulz

Sie waren Anwälte der APO und freundschaftlich miteinander verbunden: Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Ein Porträt der Lebenswege dreier linker politischer Aktivisten und Rechtsanwälte, die ganz unterschiedliche Karrieren einschlugen und dabei manch erstaunliche Pirouette drehten. Der eine RAF-Verteidiger, Gründungsgrüner und polternder SPD-Innenminister, der andere erst Links-, dann Rechtsaußen, nur der dritte im Bunde blieb statisch stabil. Mit interessanten Interviews und Archivmaterial zeigt der Film, warum das gar nicht so erstaunlich ist.

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Ganz nah bei dir

Ganz nah bei dir

D 2008, 88 min
Regie: Almut Getto
Darsteller: Bastian Trost, Katharina Schüttler

Der eigenbrötlerische Phillip, der mit seiner Schildkröte Paul zusammenlebt, trifft auf die blinde Cellistin Lina, die fortan sein geordnetes Leben durcheinanderbringt. Der zweite Film der Regisseurin von FICKENDE FISCHE ist ein modernes Märchen über die Macht der Liebe und der Fantasie, eine deutsche Romantic Comedy – also nicht in New York spielend – über zwei Außenseiter, die ihre unterschiedlichen Welten zu einer verschmelzen.

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Berlin Calling

Berlin Calling engl. UT

D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

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