Programmarchiv Januar 2010

Brand upon the Brain - Filmplakat

Brand Upon the Brain! (OmU)

Kanada 2006, 95 min
Regie: Guy Maddin
Darsteller: Sullivan Brown, Maya Lawson, Katherine E. Scharhon

Zusammen mit einer Gruppe Waisenkinder wachsen Guy und seine Schwester auf der entlegenen Insel Black Notch auf. Während Guys tyrannische Mutter jede Bewegung der Kinder von der Spitze des Leuchtturms aus verfolgt, tüftelt sein Vater, ein Wissenschaftler und Erfinder, heimlich Tag und Nacht im Kellerlabor.

Als ein Elternpaar, das Kinder aus dem Waisenhaus adoptiert hat, rätselhafte Kopfverletzungen bei den Kleinen entdeckt, wird ein weiteres Geschwisterpaar auf die Insel geschickt: die Lightball Kids, zwei Detektive, die Licht in das Dunkel bringen sollen. Während die Schwestern und Brüder in den Gefühlsstrudel der ersten Liebe gerissen werden, kommt im Elternhaus Abgründiges zum Vorschein.

Guy Maddin aus Winnipeg, dem verschneitesten Ort Kanadas, hat mit BRAND UPON THE BRAIN! eine Sprache gefunden, die es schafft, eine eigene innere Welt aufzuzeichnen. Eine Filmsprache, die so persönlich ist, dass sie die Biografie ihres Autors neu schreibt, hat sie doch seine Identität angenommen. Wenn er im Epilog erfolglos versucht, dem Haus, in dem er aufwuchs, einen neuen Anstrich zu verleihen, dann ist es bereits zu spät: Das Allerintimste, der Familienfilm, ist zum Opernspektakel herangewachsen, im klassischen Maddinformat: als Stummfilm mit expressionistischem Pathos. Das neu gewählte Genre des Detektivfilms kündigt an, Struktur in die Tiefen der Maddinschen Seele zu bringen. Doch zu verheißungsvoll ist ihre Unergründlichkeit.

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Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte - Filmplakat

Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte

Dokumentarfilm
D 2009, 90 min
Regie u. Buch: Birgit Schulz

Ein Foto ist der Ausgangspunkt für diese Filmidee, ein Foto, das drei Männer in einem Berliner Gerichtssaal abbildet: Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler, Anfang der 70er Jahre. Damals sind alle drei Anwälte der linken außerparlamentarischen Opposition. In der abgebildeten Situation sitzt Mahler auf der Anklagebank und Schily und Ströbele sind seine Verteidiger. Den Staat BRD sehen sie als Unterdrücker politischer Freiheit und als Vasallen der USA.

Die drei Anwälte wollen eine andere Republik. Uneins sind sie sich über den Weg dorthin. Mahler hat einen Molotow-Cocktail geworfen und versucht, der RAF Waffen zu besorgen, die beiden anderen fechten mit Worten. Was diese drei Männer damals verbindet, ist der Kampf für ihre Vorstellungen von einer "linken Gerechtigkeit" und dass sie das Risiko eingehen, sich öffentlich mit Menschen zu solidarisieren, die als Staatsfeinde gelten. Ein Dreigestirn, das spektakuläre politische Prozesse führt: Sie legen sich mit Axel Springer an, mit Polizeipräsidenten, hohen Richtern und verbringen manches Wochenende miteinander.

Heute ist der eine SPD-Bundesinnenminister a.D., der andere ist das linke Gewissen der Grünen im Bundestag und der dritte einer der Anführer der rechten Szene. Sie decken das politische Spektrum der Bundesrepublik ab: Ströbele ist der unbeirrbare Linke, Schily der Bürgerliche in der konservativen Mitte, Mahler der Rechtsextreme. Heute, 38 Jahre später, wäre es nicht mehr möglich, das Trio für ein gemeinsames Foto zu gewinnen. Schily und Ströbele gehen sich aus dem Weg, Mahlers Nähe meiden sie beide.

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This is love - Filmplakat

This is Love

D 2009, 107 min
Regie: Matthias Glasner
Darsteller: Jürgen Vogel, Jens Albinus, Corinna Harfouch, Devid Striesow

Seit ihr Mann vor sechzehn Jahren spurlos aus ihrem Leben verschwunden ist, hat Maggie (Corinna Harfouch) den Glauben an die Liebe verloren. Die Jahre der Ungewissheit haben sie einsam gemacht. Als die Kommissarin eines Tages den verschlossenen Chris (Jens Albinus) verhört, dreht sich ihr Leben um.

Bildgewaltig und auf mehreren Zeitebenen erzählt Glasner von Menschen, die von der Liebe beschädigt sind - sie vermeiden wollen, aber doch ohne sie nicht leben können. Der erste Kinofilm von Regisseur und Autor Matthias Glasner seit seinem Berlinale-Beitrag DER FREIE WILLE (Silberner Bär 2006).

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Ganz nah bei dir - Filmplakat

Ganz nah bei dir

D 2008, 88 min
Regie: Almut Getto
Darsteller: Bastian Trost, Katharina Schüttler

Der verschrobene Phillip lebt zurückgezogen in seiner eigenen kuriosen Welt. Tagsüber untersucht er im Keller der Zentralbank Geldscheine auf ihre Echtheit. Die Abende verbringt er an der Bar einer lokalen Kleinkunstbühne und sieht sich dort in seinem Werturteil bestätigt: Die Menschen sind völlig durch den Wind! Als die blinde Cellistin Lina gegen seinen Tisch und in sein Leben stolpert, gerät Phillips Welt jedoch ins Wanken.

Unerwartet findet er Gefallen an der jungen Musikerin, die sich ihm trotz ihres Handicaps furchtlos und aufgeweckt entgegenstellt. Angenehm irritiert kehrt er nach Hause zurück und wird dort endgültig aus seinem geordneten Alltag gerissen: Seine Wohnung wurde komplett ausgeräumt - exklusive seiner Bügelmaschine, aber inklusive seiner Schildkröte Paul. So kommt es, dass Phillip sich dem Leben nicht länger verweigern kann.

Die Singlekomödie ist der zweite Kinospielfilm der Regisseurin Almut Getto. Mit ihrem Erstling, dem poetischen Drama FICKENDE FISCHE, feierte sie Erfolge bei Publikum und Kritik.

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Suet - Milch - Filmplakat

Süt - Milch

Türkei/D/F 2009, 102 min
Regie: Semih Kaplanoğlu
Darsteller: Melih Selçuk, Başak Köklükaya, Riza Akin, Saadet Işil Aksoy

Der 20-jährige Yusuf lebt mit seiner Mutter Zehra am Rande einer anatolischen Kleinstadt. Mühsam ernähren sich die beiden vom Verkauf der selbst hergestellten Milchprodukte, doch die spärlichen Einkünfte reichen nicht. Yusuf muss sich entscheiden, was er mit seinem Leben anfangen will: Folgt er seinem Hang zur Literatur und Lyrik? Oder beschreitet er weiter den traditionellen Weg als Bauer und Familienoberhaupt?

Der Regisseur und Drehbuchautor Semih Kaplanoglu gehört zu den Hauptvertretern eines neuen türkischen Kinos, das die Befindlichkeit des türkischen Staates auf künstlerisch hohem Niveau reflektiert. SÜT ("Milch") ist der zweite Teil eines Zyklus, der mit YUMURTA ("Ei") begann und mit BAL ("Honig") abgeschlossen wird. Mehrfach ausgezeichneter türkischer Film.

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Das weisse Band - Filmplakat

Das weisse Band

D/Ö/F 2009, 145 min
Regie: Michael Haneke
Darsteller: Josef Bierbichler, Burghart Klaußner, Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Wolfgang Böck

Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern - ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?

Dieser Film ist das Ungeheuerlichste, Schönste und Größte, was dem deutschsprachigen Kino seit langem widerfahren ist: Er ist spannende Kriminalerzählung, analytisches Gesellschaftsbild und horrendes Psychogramm in einem. Er zeichnet das Porträt einer Gemeinschaft, die sich ausschließlich auf Autorität gründet und ihre Prinzipien durch das permanente Erzeugen von Schuldgefühlen, ständige Strafandrohung und tatsächliche Bestrafung durchsetzt. Strafe wird hier als Grundlage für Achtung angesehen und "Reinigung durch Züchtigung erlangt". Das wird in einem Ton höchster Vernunft vorgetragen, dem kaum zu widerstehen ist.

Anke Westphal / Berliner Zeitung

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Berlin Calling Poster

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

Deutschland 2008, 109 min
Regie u. Drehbuch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

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