Programmarchiv Februar 2010

Das weisse Band - Filmplakat

Das weisse Band

D/Ö/F 2009, 145 min
Regie: Michael Haneke
Darsteller: Josef Bierbichler, Burghart Klaußner, Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Wolfgang Böck

Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern - ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?

Dieser Film ist das Ungeheuerlichste, Schönste und Größte, was dem deutschsprachigen Kino seit langem widerfahren ist: Er ist spannende Kriminalerzählung, analytisches Gesellschaftsbild und horrendes Psychogramm in einem. Er zeichnet das Porträt einer Gemeinschaft, die sich ausschließlich auf Autorität gründet und ihre Prinzipien durch das permanente Erzeugen von Schuldgefühlen, ständige Strafandrohung und tatsächliche Bestrafung durchsetzt. Strafe wird hier als Grundlage für Achtung angesehen und "Reinigung durch Züchtigung erlangt". Das wird in einem Ton höchster Vernunft vorgetragen, dem kaum zu widerstehen ist.

Anke Westphal / Berliner Zeitung

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Looking for Eric - Filmplakat

Looking for Eric (OmU)

UK/F/I 2009, 119 min
Regie: Ken Loach
Darsteller: Steve Evets, Eric Cantona, Stephanie Bishop, Gerard Kearns

Eric ist Briefträger in Manchester und hat sein Leben nicht mehr unter Kontrolle. Da erscheint eines Tages nach einer "Selbsthilfe"-Sitzung und ein paar Joints der Fußballstar Eric Cantona im Schlafzimmer, Erics größter Held, der vor Zeiten Manchester United von Sieg zu Sieg führte. Nun will der eine dem anderen Eric helfen, das Leben zu meistern.

Erzählt von einem, der weiß wie die harte Realität aussieht, ist Ken Loachs LOOKING FOR ERIC ein traumhaftes Alltagsmärchen, ein urkomisches Plädoyer für die Hoffnung und ein bewegendes Denkmal für einen schillernden Fußballhelden. Der Film wurde im Mai 2009 beim Filmfestival in Cannes uraufgeführt und mit Begeisterung aufgenommen.

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66/67 - Filmplakat

66/67 - Fairplay war gestern

D 2009, 118 min
Regie u. Buch: Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser
Darsteller: Fabian Hinrichs, Christoph Bach, Maxim Mehmet, Melika Foroutan, Christian Ahlers

Erwachsenwerden ist für manche Erwachsene nie einfach. Und für eine Clique Braunschweiger Fussballfans um die 30 schon mal gar nicht. Bis eben noch war der Verein das Wichtigste und Zentrum in ihrem Leben und nun stellen Sorgen um die Zukunft, die Liebe und andere Probleme die Freundschaften der vor dem weiteren Leben verängstigten harten Jungs auf die Probe. Ludwig & Glaser waren beteiligt am Episodenfilm "1. Mai – Helden bei der Arbeit" und legten mit "66/67" ihren ersten Kinofilm vor. Wie auch in ihrer Mai-Episode steht ganz klar physisch präsentes, kraftvolles Darstellerkino im Vordergrund, Figuren die einem nahe gehen, Schauspieler, die alles geben und einfach gut spielen. "66/67" ist kein genretypischer Fußballfilm, vielmehr ein Drama mit tragikomischen Zwischentönen über die Trostlosigkeit der westdeutschen Provinz, die im gängigen deutschen Kino sonst eher dem Osten des Landes zugeschrieben wird. Die düsteren Bildern der herausragenden Kameraarbeit und der treibende Soundtrack heben den Film deutlich aus der Vielzahl junger deutscher Produktionen heraus.

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Berlin Stettin - Filmplakat

Berlin - Stettin

Dokumentarfilm
D 2009, 110 min
Regie u. Buch: Volker Koepp
Kamera: Thomas Plenert

Eins zwei drei vier fünf sechs sieben, wo ist denn mein Schatz geblieben?
In Berlin, im Stettin,
wo die Rosen zweimal blühn.
Jungen schlafen in Rattenecken,
Mädchen schlafen in seidnen Bettchen.
Jungen tragen Rattenschwänze,
Mädchen tragen Lorbeerkränze,
Mädchen kommen auf den Ball,
Jungen in den Schweinestall.
( Kindervers)

Der Dokumentarfilmregisseur Volker Koepp wurde 1944 in Stettin geboren und wuchs in Berlin-Karlshorst auf. Zwischen diesen beiden Städten hat er immer wieder Menschen getroffen und Orte gefunden, die er zu Hauptdarstellern seiner Filme gemacht hat. In "Berlin – Stettin" zieht es ihn zurück in seine früheren Lebenslandschaften. Seine eigene Biografie überlagert sich mit der Biografie seiner wiedergefundenen Protagonisten, mit der Geschichte dieses Landstrichs. Und wieder findet er neue Menschen und Landschaften, neue Themen und einen neuen Ansatz, sie zu erzählen. Der Titel geht zurück auf ein Kinderspiel, dass Koepp aus seiner Kindheit kannte.

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13 Semester - Filmplakat

13 Semester

D 2009, 101 min
Regie: Frieder Wittich
Darsteller: Max Riemelt, Dieter Mann, Robert Gwisdek

Der erste Kinofilm von Frieder Wittich ist auch die erste deutsche Komödie über das Studentenleben mit all seinen Tiefen und Höhen, ein charmanter Film, der es schafft, lustig und authentisch zu sein. Zwei Freunde aus Brandenburg erhalten einen Studienplatz an der TU Darmstadt und die Wirtschaftsmathematik nimmt ihren Lauf. Der eine zieht sein Studium zackig durch, der andere macht sich selbst einen Strich durch die Rechnung und feiert lieber Party. Am Ende stellt sich für jeden die Frage, wie weiter und warum. Eine erfrischende Komödie, die auch die melancholischen Seiten nicht ausspart und in stilsicheren Bildern umgesetzt wurde.

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Soul Kitchen - Filmplakat

Soul Kitchen

D 2009, 100 min
Regie: Fatih Akin
Buch: Fatih Akın, Adam Bousdoukos
Darsteller: Adam Bousdoukos, Birol Ünel, Moritz Bleibtreu, Anna Bederke, Pheline Roggan, Udo Kier, Peter Lohmeyer, Monica Bleibtreu

Fatih Akins erste Komödie ist eine ausgelassene, rasante und energiegeladene Karussellrunde, in der gekonnt Klischees, Slapstick, Klamauk und Melancholisches zu einem bunten Mosaik verschwimmen, um daraus einen "schmutzigen Hamburger Heimatfilm" zu formen. Der glücklose Kneipenbesitzer Zinos mit Bandscheibenvorfall, den seine Freundin zeitweise wegen eines Jobs in Shanghai verlassen hat, engagiert den Spitzenkoch Shayn, um die letzten verbliebenen Stammgäste auch noch zu vergraulen. Und als sein kleinkrimineller Bruder vorbeikommt, will Zinos das Handtuch werfen und den Laden verkaufen. Doch da explodiert der Soul im Schuppen und die Szene stellt sich ein, um von Shayns Kreationen zu kosten... Der Film ist der im Mai 2009 verstorbenen Monica Bleibtreu gewidmet, die im Film ihren letzten großen Auftritt hatte. Und natürlich sei auf den fantastischen Soundtrack verwiesen, der von Hans Albers bis Jan Delay einen großen Bogen schlägt.

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Berlin Calling Poster

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

Deutschland 2008, 109 min
Regie u. Drehbuch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

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