Programmarchiv August 2010

Kinostart 26.08.2010

Ich & Orson Welles

UK 2008, 114 min
Regie: Richard Linklater
mit: Christian McKay, Zac Efron, Eddie Marsan, Claire Danes, Ben Chaplin

Manhattan in den 1930er Jahren. Der Theatre District zwischen der 40sten und 54sten Straße erlebt seine Hochzeit. Einer der schillerndsten Stars dieser Zeit ist Orson Welles (Christian McKay) - Schauspieler, Regisseur, Visionär und Gründer des legendären Mercury Theatre. Auch der junge Richard (Zac Efron) träumt von einer Karriere am Broadway und ergattert durch einen glücklichen Zufall eine kleine Rolle in dem Stück "Julius Caesar" von William Shakespeare, dessen Premiere Welles gerade vorbereitet.

Doch die schillernde New Yorker Theaterwelt entpuppt sich als hartes Pflaster: Der geniale wie herrische Orson Welles führt ein hartes Regiment auf und hinter der Bühne und verfolgt seine künstlerischen Ziele gnadenlos. Neid, Missgunst und Konkurrenzkämpfe beherrschen den Probenalltag. Als sich Richard auch noch in die ehrgeizige Regieassistentin Sonja Jones (Claire Danes) verliebt, wird er unwissentlich zum Rivalen des genialen Multitalents. Ein ungleicher Kampf beginnt ...

ICH UND ORSON WELLES erzählt die unglaubliche Geschichte des jungen, theaterverrückten Richard, der durch einen glücklichen Zufall auf den legendären Orson Welles trifft. Tatsächlich legte Orson Welles 1937 mit seiner bahnbrechenden Inszenierung von "Julius Caesar" am Mercury Theatre den Grundstein für seinen späteren Erfolg. Christian McKay als Orson Welles wurde für seine Darstellung mit dem San Francisco Film Critics Award als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Me and Orson Welles

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Space Tourists (OmU)

Dokumentarfilm
Schweiz 2009, 98 min
Regie: Christian Frei

In seinem neuesten Werk wendet sich der Oscar-nominierte Schweizer Dokumentarfilmer Christian Frei einem alten Menschheitstraum zu. Dem Traum, dass wir als "ganz normale" Menschen unseren Planeten verlassen und ins Weltall reisen können.

Heute ist Weltraumtourismus nicht mehr naive Fantasie und Science-Fiction. Der alte Traum - ist Realität. Angeboten nicht etwa von der NASA, sondern von der Russischen Weltraumbehörde. Zwanzig Millionen Dollar kostet die zehntägige Reise ins All.

Der legendäre Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ist Ausgangspunkt für die "Reise ihres Lebens" der Amerikanerin Anousheh Ansari. SPACE TOURISTS beobachtet sie in der Vorbereitungszeit und begleitet sie hautnah bei ihrem Alltag im All, bis zur harten Landung in der Steppe.

Kontrastiert wird die grandiose Schönheit dieser Reise durch den irren Trip kasachischer Raketenschrottsammler auf der Jagd nach den begehrten "Rüben", Raketenstufen, die buchstäblich vom Himmel fallen und von den Männern mit ihren dinosauriergrossen Trucks am Ende der Welt erwartet werden. Szenen, die an MAD MAX erinnern.

SPACE TOURISTS überrascht mit Bildern und Situationen, die man kaum mit dem Zukunftsthema "Weltraumtourismus" assoziieren würde. Begegnungen mit Menschen, die wir nie erwartet hätten. Orte, noch seltsamer und unbekannter als das Weltall. Die Reise ins All.

Space Tourists

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Kinostart 19.08.2010

Distanz

D 2008, 84 min
Regie: Thomas Sieben
mit: Ken Duken, Franziska Weisz

Ken Duken ist Daniel, ein zurückgezogen in Berlin lebender Gärtner, der still und ruhig seiner Arbeit im Botanischen Garten nachgeht. Seine Verschlossenheit provoziert die Arbeitskollegen, doch dann lernt er Jana kennen, gespielt von Franziska Weisz. Trotz seiner abweisenden Haltung verliebt sie sich in Daniel und es gelingt ihr, sich ihm zu nähern. Langsam beginnt sich Daniel zu öffnen, doch hinter der ruhigen Fassage verbirgt er ein dunkles Geheimnis...

Thomas Siebens Regiedebüt erzählt die tragische Liebesgeschichte eines Außenseiters und seiner Freundin, das neben der genau beobachteten Charakterstudie über einen emotional gestörten Gewalttäter auch der Frage nachgeht, ob die Zuwendung eines nahestehenden Menschen die Barriere überwinden kann, die der Täter zwischen sich und der Gesellschaft errichtet hat.

Der eindringliche Film erklärt nichts, bietet keine psychologischen Hintergründe für den scheinbar sinnlos tötenden Täter, sondern zeigt nur einen Täter ohne Reue, eine Liebe ohne Zukunft. Damit gelingt ihm ein fesselndes Drama, präzise beobachtet und klar inszeniert, von internationalem Format.

Distanz

tagesspiegel.de
"Stiller Killer, schrille Liebe: In Thomas Siebens "Distanz" greift ein Gärtner zur Waffe. Der Soziopath weckt Interesse – wie überhaupt der mutige, ambitionierte und dem Independent-Kino verpflichtete Film. In Albert Camus "Der Fremde" kann man nachlesen, wie einer einen anderen tötet, nur weil ihn die Sonne zu sehr blendet. Doch wenn der Protagonist in Thomas Siebens Erstlingsfilm in den Park geht, um Jogger zu erschießen, weist dieser Akt willkürlichen Tötens über die Philosophie des Absurden hinaus: "Distanz" ist das Porträt eines Menschen mit Persönlichkeitsstörung." »

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Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

D 2008, 109 min
Regie u. Buch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
mit: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse.

Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

Berlin Calling

fr-online.de
"Berlin Calling" ist ein Film, bei dem man sich fragt, warum ihn nicht schon vor zehn Jahren jemand gedreht hat. Und dann ist man doch froh, dass es niemand tat. Denn besser wäre es wohl nicht geworden. »

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Kinostart 12.08.2010

Summer Wars (OmU)

Original version with German subtitles

Anime, Japan 2009, 114 min
Regie: Mamoru Hosoda

Am 12.08. startet der mit Preisen überhäufte Anime SUMMER WARS von Mamoru Hosoda, der für seinen Film DAS MÄDCHEN, DAS DURCH DIE ZEIT SPRANG ebenfalls viel Lob und Preis einheimste.

In SUMMER WARS - der auch auf der letzten Berlinale lief - sieht sich das uralte Netzwerk Familie mit dem globalen Netzwerk Internet konfrontiert und muss beweisen, dass Familienbande allen, egal wie hochentwickelten Social Networks überlegen sind.

Mit ihrer Mischung aus Tragödie und Komödie ist diese fantastische Animation realistischer und bewegender als viele aktuelle Realspielfilme und damit auch sehr den Leuten zu empfehlen, die sich sonst keine "Zeichentrickfilme" anschauen. Ein Film für die ganze Familie, sozusagen.

Summer Wars

FAZ
"… vor allem aber ist dies visuell eine Reise in eine neue Dimension: Hosoda entfaltet einen Wirbelsturm aus Zeichen, bietet bisher ungesehene Anime-Bilder und lässt den Zuschauer dabei begreifen, was die Existenz virtueller Parallelwelten wirklich bedeutet, vor allem wenn sich die eine Welt mit der anderen vermischt. In dieser Hinsicht ist Summer Wars der bessere Avatar und im Gegensatz zu James Camerons etwas banalem Welterfolg ontologisch tatsächlich auf der Höhe seines Themas."

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Du sollst nicht lieben (OmU)

Original version with German subtitles

OT: Einaym Pkuhot ("Mit offenen Augen")
Israel/D/F 2009, 90 min
Regie: Haim Tabakman
mit: Zohar Shtrauss, Ran Danker

Drama eines Mannes, der seinen Glauben mit seiner Leidenschaft zu vereinbaren sucht – und ein Tabuthema: Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum.

Aaron ist ein angesehener Fleischer in der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Lebens- und Glaubenskrise, als er sich in den 22-jährigen Ezri verliebt, ein junger Student, der in seiner Fleischerei aushilft.

Zunächst begreift er seine Gefühle als religiöse Herausforderung, doch als beide Männer schließlich ihrer Leidenschaft nachgeben, wächst der Druck der Gemeinde auf Aaron. Da er keinen Weg sieht, seine Gefühle mit den religiösen Regeln in Einklang zu bringen, fasst er einen radikalen Entschluss.

Du sollst nicht lieben

berliner-zeitung.de
"Wie die äußere und innere Blockade ineinander greifen, entfaltet Tabakman mit großer Ruhe und Sorgfalt, ohne die Welt der orthodoxen Juden zu diffamieren. Der Film "Du sollst nicht lieben" ist so wenig kategorisch wie die Liebe selbst. "Eyes wide open" lautete der internationale Titel dieses überwältigenden Debüts. Darin liegt die doppelte Bedeutung von sehen und gesehen werden, das sehende Auge des Liebenden, ebenso wie das Beobachtetwerden durch eine Welt, die auf alles, was in der Nachbarschaft vor sich geht, ein Auge hat." »

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Moon (OmU)

Original version with German subtitles

UK 2009, 97 min
Regie: Duncan Jones
mit: Sam Rockwell, Kevin Spacey

Seit fast drei Jahren befindet sich Sam Bell in Diensten des Konzerngiganten Lunar Industries Ltd. auf der Mondbasis Selene, um dort den maschinellen Abbau des Gases Helium-3, mit dessen Hilfe rund siebzig Prozent des Energiebedarfs der Erde gedeckt werden, zu überwachen.

Allein. Nun ist seine Dienstzeit bald zu Ende, nur noch zwei Wochen, bis er zur Erde zurückfliegen kann, wo Frau und Kind auf ihn warten.

Doch auf einmal häufen sich merkwürdige Vorkommnisse und dann passiert ein Unfall, der Sam an der Realität zweifeln lässt...

Gesellschaftskritischer, philosophischer Science-Fiction vom Sohn David Bowies, der es mit diesem Film mit Erfolg geschafft hat, aus dem Schatten seines berühmten Vaters herauszutreten. Schon arbeitet Duncan Jones an seinen nächsten beiden Filmen, Source Code und Mute, letzterer wird in Berlin gedreht werden.

Moon

tagesspiegel.de
"Moon" ist das beeindruckende Spielfilmdebüt von Duncan Jones, dem einzigen Sohn des großen Weltraum-Metaphysikers der Popmusik: David Bowie. In nur 33 Tagen und mit bescheidenem Budget abgedreht, nimmt das Werk die ehrwürdige, seit längerem verschüttete Tradition des ambitionierten Science-Fiction- Independentfilms wieder auf. »

planet-interview.de
Duncan Jones über seinen Film "Moon", die Suche nach Rohstoffen im All, Wandel im Science-Fiction-Genre und die Rebellion gegen seinen prominenten Vater. »

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The Man who fell to Earth (OmU)

Original version with German subtitles

UK 1975, 133 min
Regie: Nicolas Roeg
mit: David Bowie, Rip Torn

David Bowie ist Der Mann, der vom Himmel fiel, ein reptilienartiges Alien, das sich wie ein Chamäleon seiner menschlichen Umgebung anpasst. Das Wesen kommt von einem austrocknenden Planeten und ist auf der Suche nach Wasser.

Es nennt sich Thomas Jerome Newton und versetzt als erstes seinen Ring für schlappe 20 Dollar bei einem Pfandleiher. Dank der fortschrittlichen Technologien, die Newton zur Verfügung stehen, gründet er mit Hilfe des Patentsystems eine erfolgreiche Firma, um letztlich ein Raumschiff für seine Rückkehr bauen zu können. Der amerikanische Traum scheint auch für außerirdische Einwanderer in Erfüllung zu gehen... Doch sein Versuch, sich den Gegebenheiten und Machtverhältnissen auf der Erde anzupassen, scheitert, ebenso wie die Liebe zu einer Frau namens Mary Lou...

Melancholischer, allegorischer Science-Fiction mit einem großartigen Hauptdarsteller, gedreht vom Regisseur Nicolas Roeg, der sich einen Namen mit Filmen wie Performance (mit Mick Jagger) und Don't look now (Wenn die Gondeln Trauer tragen) gemacht hatte.

Der Film wurde vom Autoren Philip K. Dick in seinem ausufernden Hauptwerk Valis als eines von mehreren Hauptmotiven in die verwirrende Geschichte integriert, ebenso wie David Bowie - als Rockstar Eric Lampton aka "Mother Goose".

The Man who fell to Earth

filmrezension.de
Schreiende Symbolik von religiösen Motiven, Kapitalismus-Kritik, Appelle an Moral- und Wertüberdenkung und existentielle Fragen der Identität und ihres Verlustes in einer technologisierten und maskierten Welt tauchen plötzlich und klar in Worten, Gegenständen, Gemälden und Stimmungen auf - und verschwinden wieder im ästhetischen Rausch von Bildern und Musik. Mit der Auflösung der Identität des Protagonisten verschwimmt auch die Handlung mehr und mehr zugunsten eines Flickenteppichs traumhafter und zuweilen grotesker Szenen und Kulissen. »

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Der Tag des Spatzen

Dokumentarfilm
D 2010, 100 min
Regie: Philip Scheffner

Es gibt Filme, die das Leben verändern, den Lauf der Geschichte oder das Weltgeschehen beeinflussen. Um nichts weniger geht es in Der Tag des Spatzen – nur, dass der Film diese Geschichte andersherum aufrollt. Philip Scheffner, selbst leidenschaftlicher Hobby-Vogelbeobachter, widmet in seinem neuen Film einem ganz bestimmten Spatzen, der es in dieser entscheidenden Rolle zu Weltruhm gebracht hat, eine kühne Hommage.

Mit der Akribie eines Detektivs macht sich Philip Scheffner auf eine fantastische Spurensuche, die von der Ermordung des Spatzen durch einen niederländischen Medienkonzern zu einem fast vergessenen Ferienort an der Ostsee führt und schließlich an den Zäunen verbotener Zonen der west- und ostdeutschen Provinzen und Vorstädte endet. Eine bis zur Besessenheit präzise Kamera und eine überaufmerksame Tonspur leiten dieses filmische Ermittlungsverfahren, das sich zu einem zeitgenössischen Polit-Thriller wandelt.

Völlig verblüffend, außer vielleicht für gewisse Vogelbeobachter und Piloten, denen die Ähnlichkeiten zwischen lieblichen Mosellandschaften und afghanischen Schlachtfeldern schon lange aufgefallen ist. So war es wohl kein Zufall, dass sich der Heldentod des Spatzen am selben Tag begab, als der 18. deutsche Soldat in Afghanistan fiel.

Der Tag des Spatzen freitag.de
Der Film gibt nicht vor, Indizien zu präsentieren, sondern legt Spuren aus. Seine Bilder werden gedanklich aufgeladen, aber sie schreiben nichts fest. Die Kamera vertraut auf die Geduld und Aufmerksamkeit des Vogelkundlers. Ihr statischer, neutraler Blick entdeckt zusehends in den Landschaften eine Doppeldeutigkeit...
Die beschaulichen, arglosen Landschaften Deutschlands entpuppen sich als bedrohlich versehrte Idyllen. In ihnen herrscht Unfrieden. »

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