Programmarchiv Oktober 2010

Rocker - Klaus Lemke

Rocker

D 1972, 85 min
Regie u. Drehbuch: Klaus Lemke
Darsteller: Gerd Kruskopf, Hans Jürgen Modschiedler, Paul Lyss

Alltag in einer Hamburger Rocker-Clique: Saufen, Huren, Frauen anmachen, Bürger erschrecken, Kleinkriminalität, wenn Zeit und Energien reichen. Als einer der Rocker von einem Zuhälter erschlagen wird und der jüngere Bruder des Klubvorsitzenden Rache einfordert, eskalieren die Ereignisse. Klaus Lemkes dritter Fernsehfilm bemüht sich um eine authentische Beschreibung des Rocker-Alltags und schrieb durch seinen rüden Jargon und die ungeschönte Beschreibung des Kiezes Fernsehgeschichte. Eine nahezu entfesselte Kamera setzte neue Maßstäbe im Bereich des Fernsehfilms.

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Finale

D 2006, 75 min
Regie u. Drehbuch: Klaus Lemke
Darsteller: Saralisa Volm, Anneke Schwabe, Timo Jacobs, Stefan Witte

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wandelt sich eine attraktive Gelegenheitshostess in Hamburg zum Fußballfan, stürzt sich im allgemeinen Ausnahmezustand in sexuelle Eskapaden und beginnt eine Affäre mit einer Schauspielerin, die ihr an Energie in nichts nachsteht.

Äußerst dicht fängt Klaus Lemke in seinem semi-dokumentarischen Liebesfilm die flirrend-aufgeheizte Stimmung des WM-Sommers ein und strickt zugleich weiter am Mythos seiner "toughen" Frauen, mit denen die Männer nicht mithalten können.

Schmutziger Süden

D 2010, 76 min
Regie u. Drehbuch: Klaus Lemke
Darsteller: Henning Gronkowski, Indira Madison, Saralisa Volm, Sina Hentschel

Der Hamburger Henning kann nichts - außer Sprüche klopfen und Frauen glücklich machen. Zu beidem erhält er reichlich Gelegenheit, als er ein seltsames Paket nach München bringen muss…

Einen "ins Verliebtsein explodierenden Schwabing-Porno" nennt Kultfilmer Klaus Lemke seinen absurden Erotiktrip: fast handlungsfrei, oft witzig und immer entspannt.

Paul

D 1974, 75 min
Regie u. Drehbuch: Klaus Lemke
Darsteller: Paul Lyss, Sylvie Winter, Friedhelm Lehmann, Jimmy Braker

Nach sieben Jahren Knast wird Paul entlassen. Mit seinen alten Freunden aus dem Zuhältermilieu feiert er seine Rückkehr. Doch statt endlich die Schulden zu begleichen, versucht ihn ein Zuhälter mit breiten Koteletten zu erschießen, gerade als er sich mit zwei leichten Mädchen vergnügt. Es gelingt ihm zu entkommen. Genervt flippt er auf einer Party reicher Leute an der Elbchaussee aus. Mit einer scharfen Maschinenpistole kehrt er schließlich zum Hans-Albers-Platz zurück, um sein Geld einzutreiben...

"Die Maschinenpistole war echt. Wer bei der Bundeswehr war, hört, dass wir keine Platzpatronen verwendet haben".

Dank einer Handkamera im besten "Dogma 95"-Stil überträgt sich die nervöse Spannung unmittelbar auf den Zuschauer und reißt ihn schließlich in den Strudel der Ereignisse. Mit "Paul" kehrte Lemke nach nur zwei Jahren auf den Kiez zurück und trieb die "Rocker" Stars Paul Lyss und Jimmy Braker zu neuen Höchstleistungen.

Sylvie

D 1973, 86 min
Regie u. Drehbuch: Klaus Lemke
Darsteller: Sylvie Winter, Paul Lyss, Werner Bokelberg, Ivan Desny

Ein Taxifahrer der eigentlich ein Seemann ist, lässt ein Star-Model so eiskalt abblitzen, dass sie ihn vergiftet. Lemke lernte das Photomodell Sylvia Winter 1969 bei den Dreharbeiten zu "Ein großer graublauer Vogel" von Thomas Schamoni kennen. In München spielte sie in vier Lemke-Filmen mit, bis sie 1974 ihre Karriere beendete.

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Kinshasa Symphony Filmplakat

Kinshasa Symphony (OmU)

Original version with German subtitles

Dokumentarfilm
D 2010, 90 min
Regie: Claus Wischmann, Martin Baer

Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, drittgrößte Stadt Afrikas. Hier wohnen fast zehn Millionen Menschen, die zu den ärmsten Bewohnern unseres Planeten zählen. Es ist die Heimat des einzigen Symphonieorchesters Zentralafrikas - L'Orchestre Symphonique Kimbanguiste.

In völliger Dunkelheit spielen zweihundert Orchestermusiker Beethovens Neunte - "Freude schöner Götterfunken". Ein Stromausfall wenige Takte vor dem letzten Satz. Probleme wie dieses sind noch die kleinste Sorge. In den letzten fünfzehn Jahren.haben die Musiker zwei Putsche, mehrere Krisen und einen Krieg überlebt. Doch da ist die Konzentration auf die Musik, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Kinshasa Symphony zeigt Menschen in einer der chaotischsten Städte der Welt, die eines der komplexesten Systeme menschlichen Zusammenlebens aufbauen: ein Symphonieorchester. Ein Film über den Kongo, über die Menschen in Kinshasa und über Musik.

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Uncle Boonmee Filmplakat

Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben (OmU)

Original version with German subtitles

Originaltitel: Lung Boonmee raluek chat
Thailand, D, F, SP, UK 2010, 113 min
Regie: Apichatpong Weerasethakul
Darsteller: Thanapat Saisaymar, Jenijira Pongpas, Sakda Kaewbuadee

Uncle Boonmee leidet an Nierenversagen. Seine letzten Tage will er auf seinem Landgut im Nordosten Thailands verbringen, umgeben von Verwandten und Freunden, die ihn lieben. Dort taucht plötzlich der Geist seiner verstorbenen Frau auf, um für Boonmee zu sorgen. Auch sein lange verschollener Sohn kehrt zurück – in Gestalt eines Affen.

Nachdem Boonmee über die Ursachen seiner Krankheit nachgedacht hat, bricht er mit seiner Familie zu einer Reise durch den Dschungel auf. Die endet in einer geheimnisvollen Berghöhle - dort, wo Boonmees erstes Leben begann.

Regisseur Apichatpong Weerasethakul ("Tropical Malady") über seinen Film:

UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN ist eine Hommage an meine Heimat, aber auch an eine besondere Art Kino, mit der ich aufgewachsen bin. Ich glaube an Seelenwanderungen zwischen Menschen, Pflanzen Tieren und Geistern. Die Geschichte von Uncle Boonmee erzählt vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier, zugleich überwindet sie die Linie, die beide trennt. Wenn das Kino so etwas zeigt, wird es zur gemeinsamen Erinnerung von Filmcrew, Schauspielern und Öffentlichkeit. Die Erinnerung der Zuschauer erweitert sich um eine neue, wenn auch simulierte Schicht. In dieser Hinsicht funktioniert Filmemachen so ähnlich, als würde man künstliche vergangene Leben erschaffen. Ich möchte die Eingeweide dieser Zeitmaschine erforschen. Vielleicht sind dort geheimnisvolle Kräfte am Werk, die nur darauf warten, enthüllt zu werden. Manche Praktiken, die als Schwarze Magie abgetan wurden, sind inzwischen ja auch wissenschaftlich bestätigt worden. Für mich bleibt Filmemachen eine Quelle, deren Energie wir noch nicht wirklich genutzt haben. So, wie wir auch die inneren Vorgänge im Gehirn noch nicht wirklich erklärt haben.

Mich interessiert auch, wie Kulturen und Arten zerstört und ausgerottet werden. Weil ein Militärputsch den Nationalismus angefacht hat, stehen sich in Thailand in den letzten Jahren Ideologien unversöhnlich gegenüber. Es gibt nun eine staatliche Behörde, die sich als Moral-Polizei versteht. Unterdrücken will sie "unangemessene" Aktivitäten und die Inhalte, um die es dabei geht. Auch damit steht die Geschichte Uncle Boonmees und seines Glaubens natürlich in Verbindung. Er verkörpert etwas, das im Verschwinden begriffen ist; etwas, das zerfällt wie jene alten Kinos, Theater und Schauspiel Stile, die nicht mehr in unsere Landschaft passen.

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Rammbock Poster

Rammbock (mit Vorfilm)

D 2010, 69 min
Regie: Marvin Kren
Darsteller: Michael Fuith, Theo Trebs, Emily Cox

So hat Berlin noch keiner gesehen: Aus dem Norden Europas kommend, breitet sich in rasantem Tempo ein schreckliches Virus aus - die daran Erkrankten werden zu wütenden Bestien und überall machen sich chaotische Zustände breit. Aus Angst vor Ansteckung und aggressiven Übergriffen verbarrikadieren sich die noch Gesunden oder flüchten an vermeintlich sichere Orte.

Genau zu diesem Zeitpunkt trifft der 35-jährige Michael (Michael Fuith) in Berlin ein, um seine Liebe, seine Ex-Freundin Gabi (Anka Graczyk), zu besuchen. Einmal angekommen, bugsiert das Schicksal den 15-jährigen Harper (Theo Trebs) in seine Obhut. Gegenseitig beschützen sie sich und andere vor tobenden Zombies. Dabei ist Michael vordergründig kein Actionheld, vielmehr ein Philanthrop mit stark ausgeprägtem Helfersyndrom - ein Liebender in Zeiten der Zombiekalypse. Doch während die Stadt im Chaos versinkt, fehlt von Gabi jede Spur.

Die Kamera, der Ton, das Szenenbild sind die "i-Tüpfelchen" in diesem darstellerisch attraktiv besetzten Film, der mit dem jungen Liebespaar Harper und Anita (Emily Cox) nicht nur die Zombiefans begeistern wird.

 

Our wonderful Nature Poster Vorfilm:

Our wonderful Nature

Animation
D 2008, 5 min
Regie: Tomer Eshed

Das Liebesleben der Wasserspitzmäuse, so wurde noch nie gezeigt, wie sich der Kampf zweier Männchen um ein Weibchen entscheidet. Preisgekrönter toller kleiner Animationsfilm.

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Das Leben ist zu lang Poster

Das Leben ist zu lang

D 2010, 87 min
Regie: Dani Levy
Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Gottfried John, Heino Ferch, Udo Kier, Veronica Ferres, Elke Sommer

Keine Krise ist so verhängnisvoll, überwältigend und ungerecht, wie die von Alfi Seliger (Markus Hering). Der jüdische Filmemacher, Hypochonder und Familienvater steckt bis zum Hals in Problemen: seine pubertierenden Kinder Romy (Hannah Levy) und Alain (David Schlichter) finden ihn lächerlich, seine Ehefrau Helena (Meret Becker) wäre froh, sie fände ihn nur lächerlich, seine Bank geht insolvent und sein neues Filmprojekt stößt nur schwer auf Gegenliebe. Alfi gerät immer tiefer in ein Netz von Verschwörungen.

Natasha (Veronica Ferres), die spielwütige Gattin des Produzentenmoguls (Hans Hollmann) stellt ihm genauso nach, wie der einstige deutsche Weltschauspieler Georg Maria Stahl (Gottfried John). Aus Freund wird Feind, aus Hoffnung wird Paranoia und als ihm selbst sein Psychiater (Udo Kier) rät, seinem Leben ein Ende zu machen, versucht Alfi Seliger einen theatralischen Abgang.

Aber wie es sich für einen geborenen "Nebbich", einen liebenswerten Versager, gehört, misslingt ihm selbst das – er überlebt und erwacht nur scheinbar in seinem alten Leben...

Völlig unerwartet wendet sich plötzlich alles zum Guten, eine Versuchung jagt die nächste, alte Träume werden wahr – aber ist das alles echt? Alfi hadert mit seinem Schicksal und als er es herausfordert, beginnt sein mutigstes Spiel.

DAS LEBEN IST ZU LANG ist Dani Levys bislang persönlichster Film. Selbstironisch, ehrlich, humorvoll und lakonisch entfaltet sich ein Panoptikum über Irrungen und Wirrungen von Menschen mit Idealen, eine philosophische Skizze über Sein und Schein und über den Menschen als Spielball des Lebens.

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Zwischen uns das Paradies Poster

Zwischen uns das Paradies(OmU)

Original version with German subtitles

BIH/A/D 2010, 93 min
Regie: Jasmila Zbanic
Darsteller: Zrinka Cvitesic, Leon Lucev, Ermin Bravo

Sarajevo. Die Beziehung der jungen Stewardess Luna zu ihrem Freund Amar ist problematisch. Dann verliert Amar wegen Alkoholproblemen seinen Arbeitsplatz. Ein ehemaliger Kriegskamerad, der einer strenggläubigen islamischen Gruppe angehört, bietet dem entlassenen Fluglotsen einen Job in einem Sommercamp außerhalb der Stadt an. Völlig verwandelt kehrt Amar nach Sarajevo zurück.

Die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic ("Esmas Geheimnis") zeigt Verständnis für Amar, der unter den Folgen des Bosnienkrieges leidet. Doch seine Wandlung zum Fundamentalisten erlebt der Zuschauer aus Lunas Perspektive. Sie will sich als moderne Frau auf keinen Fall mit den frauenfeindlichen Aspekten des konservativen Islam abfinden und stellt ihren Freund vor die Wahl zwischen ihr und der Religion.

Eine mitreißende Erzähllust macht Jasmila Žbanics ZWISCHEN UNS DAS PARADIES zu einem intensiven Kinoerlebnis. Die junge Regisseurin erobert jeden Zentimeter ihrer fantastischen Schauspieler und entwirft eine eigene Dramaturgie der Liebe, die jedes Knistern, jede Sehnsucht und jeden Verlust körperlich spüren lässt. Der Losung von den großen Gefühlen gibt dieser Film ganz neuen Sinn – den einer Liebe, deren Stärke gerade in der Brüchigkeit besteht, in der manchmal schmerzvollen Notwendigkeit, den anderen ganz neu zu entdecken.

Jasmila Žbanić über ihren Film:
Der Film beschreibt die Suche eines Menschen nach sich selbst, seine Bemühungen, bestimmte Lebensziele zu erreichen, und seinen Umgang mit den Herausforderungen, vor die er dabei gestellt wird. Als Ehepaar sind Amar und Luna auf ein- und demselben Weg eines Lebens in Liebe und Eintracht. Doch dann weichen ihre Wege voneinander ab, und sie müssen Entscheidungen treffen, als Paar und als Individuen. Was ich untersuchen wollte, war zum einen dieses Bedürfnis, sich in einer Beziehung auf den anderen einzustellen. Aber auch das gleich große Bedürfnis, in eben dieser Beziehung sein tieferes Selbst, seine Individualität zu bewahren.

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Die Taube auf dem Dach Poster

Die Taube auf dem Dach

DDR 1973, 82 min
Regie: Iris Gusner
Darsteller: Heidemarie Wenzel, Günter Naumann, Andreas Gripp, Wolfgang Greese, Herbert Köfer

DIE TAUBE AUF DEM DACH erzählt die Geschichte dreier höchst unterschiedlicher Menschen, die die Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft und derem Ideal vereint.

Auf einer Baustelle im Süden der DDR, wo Hunderte von Wohnungen in moderner Plattenbauweise entstehen, lernt die junge und selbstbewusste Bauleiterin Linda Hinrichs (Heidemarie Wenzel) zwei Männer kennen: Zum einen den Studenten Daniel (Andreas Gripp), der in seinen Ferien auf dem Bau jobbt und dessen Zukunftsträumerei und Unangepasstheit ihr gefällt. Zum anderen trifft sie auf den Baubrigadier Hans Böwe (Günter Naumann), einen Zugvogel. Seinem Auftrag als Arbeiter folgend hat er an vielen Stellen der DDR neue Häuser gebaut, dabei aber sein eigenes Zuhause verloren. Linda geht ganz in ihrer Arbeit auf, ihre Unabhängigkeit ist ihr wichtig, doch droht sie aus Zeitmangel ihr privates Glück aus den Augen zu verlieren.

Nach Beendigung des Rohschnitts wurde DIE TAUBE AUF DEM DACH 1973 in der DDR nicht zur Aufführung freigegeben. Das Filmmaterial wurde nicht archiviert, sondern später im Studio vernichtet, nur eine farbige Arbeitskopie blieb zufällig erhalten. Diese entdeckte der Kameramann Roland Gräf im Zuge der Restaurierung anderer Verbotsfilme 1989/90. Da die Farbkopie nicht mehr spielbar war, veranlasste er die Herstellung einer schwarzweißen Kinokopie. So konnte DIE TAUBE AUF DEM DACH im Oktober 1990 zwei Mal im Kino aufgeführt werden. Danach verloren sich erneut alle Spuren des gesamten Materials.

Nach jahrelanger Suche gelang es der DEFA-Stiftung 2009, den Film in einer schwarz-weißen Fassung zu rekonstruieren.

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Berlin Calling Poster

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

Deutschland 2008, 109 min
Regie u. Drehbuch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

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