Programmarchiv November 2010

MY WINNIPEG Filmplakat

My Winnipeg (OmU)

Original version with German subtitles

Kanada 2007, 79 min
Regie u. Buch: Guy Maddin
Mit: Guy Maddin, Ann Savage

Winnipeg, Winnipeg, Winnipeg. "Wir Winnipegger sind so benommen von Nostalgie." In ihrer Benommenheit werden sie zu Schlafwandlern. Davon gibt es so viele, dass es eine Gesetzgebung gibt: Wenn sie kraft ihrer unergründlichen Seelenverwandtschaften nachts in ihren alten Häusern auftauchen, muss der neue Bewohner sie beherbergen.

Der kanadische Experimentalfilmer Guy Maddin (BRAND UPON THE BRAIN, THE SADDEST MUSIC IN THE WORLD), der seit vielen Jahren unermüdlich eigenwille Melodramen mit der Ästhetik der Stumm- und frühen Farbfilmzeit produziert, setzte in diesem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischenden Dokumentarfilm seiner Heimatstadt ein Denkmal, ein mythisches Dokumentarmärchen, eine fantasiereiche und hypnotische Stadtgeschichtsfabel, ein schlafwandlerischer Filmtraum.

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HACKER Filmplakat

Hacker

Dokumentarfilm
D 2010, 79 min
Regie: Alexander Biedermann
Musik: Klaus Schulze

Am 25.11. gibt es mit Regisseur Alexander Biedermann ein Publikumsgespräch.

Der Hacker – einst Robin Hood der Datennetze, heute einsamer Nerd, Krimineller oder gar Datenterrorist? Fünf Hacker verschiedener Generationen werden über ihr Sein und ihren Antrieb hinterfragt. Porträtiert werden Hacker der Gegenwart, die mittels Viren und Würmern die Grenzen der Computersysteme neu definieren und sich Anerkennung verschaffen wollen. Ihnen gegenüber stehen Hacker der alten Generation. Alle fünf verbinden ihre Erfahrungen mit einem Gefühl von Macht: Dass sie mit wenigen Programmzeilen großen Einfluss auf Funktionen der Informationsgesellschaft nehmen können. Dabei erklären sich die Hacker als Schützer und Bewahrer. Doch die Grauzone zwischen Legalität und Illegalität sowie eigenen Zielen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten werden zum Prüfstein ihrer Biografien.

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IM SCHATTEN Filmplakat

Im Schatten

D 2010, 85 min
Regie u. Buch: Thomas Arslan
Darsteller: Mišel Maticevic, David Scheller, Karoline Eichhorn

Berufsverbrecher Alexander Trojan will nach seiner Haftentlassung alte Schulden eintreiben. Die Rückzahlung wird ihm verweigert, und der Schuldner setzt seine Leute auf Trojan an. In einem Dickicht aus Misstrauen, Lüge, Verrat, Beschattung und Gewalt gelingt es Trojan kaum noch, den Überblick zu bewahren. Da für Trojan das Verbrechen Alltag ist, konzentriert sich der Film auf die handwerklichen Aspekte einer Arbeit jenseits der Legalität. Die reduzierten und messerscharfen, mit einer Red-Kamera aufgenommenen Bilder heben die exakten Abläufe der Aktion hervor. Ein Genrefilm, der konsequent die Mechanik, die äußere Aktion eines Verbrechens in den Mittelpunkt stellt, große Spannung erzeugt, ohne die Figuren mit persönlichen Geschichten zu beladen.

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SOUTH Filmplakat

South (OmU)

Original version with German subtitles

Österreich/USA 2009, 105 min
Regie u. Buch: Gerhard Fillei, Joachim Krenn
Darsteller: Matthew Mark Meyer, Tim Kirkpatrick, Claudia Vick, Sal Giorno, Jimena Hoyos

Nach einem dramatisch gescheiterten Raubüberfall auf eine Bank in Los Angeles, steht Bruce McGray am Tiefpunkt seines Lebens. Gejagt vom FBI und schwer verletzt flieht er nach New York. In ihm brennt die Sehnsucht, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. Vielleicht sogar an jenem Ort in Südamerika, den eine junge, ihm unbekannte Frau in ihrem Tagebuch so eindringlich beschreibt...

Ganze 12 Jahre (das World Trade Center ist deshalb noch im Film zu sehen) arbeiteten die beiden österreichischen Filmemacher an ihrem Erstlingswerk, mit diversen Unterbrechungen und Hindernissen, mit vielen persönlichen Rückschlägen und haben es nun doch geschafft! Das Ergebnis ist eine Hommage an den Film Noir, ein gewagtes ästhetisches Experiment, das sich ganz auf seine hypnotischen Bilderkompositionen verläßt. Der Film ist auch eine beispielgebende Lektion in Eigenfinanzierung und Aufopferung für die Sache!

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HACKER Filmplakat

Nacht vor Augen

D 2008, 91 min
Regie: Brigitte Bertele
Darsteller: Hanno Koffler, Jona Ruggaber, Petra Schmidt-Schaller

So aktuell ist selten ein Film gewesen: Während der Bundeswehreinsatz in Afghanistan aufgrund steigender Opfer unter den Soldaten immer heftiger diskutiert wird, kommt mit "Nacht vor Augen" einer der stärksten Beiträge der 2008er-Berlinale in die (viel zu wenigen) Kinos, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Der 25-jährige Bundeswehrsoldat David (Hanno Koffler) will nach seiner Rückkehr aus dem Einsatz in Afghanistan wieder Fuß in seinem alten Leben fassen. Vergebens. Unfähig, das zu verdrängen, was er erlebt hat, kann er den Ansprüchen seiner Freundin, seiner Kumpel und seines achtjährigen Halbbruders nicht genügen, kapselt sich ab - bis zur Explosion. Debütregisseurin Brigitte Bertele ist ausgebildete Schauspielerin, hat aber in Ludwigsburg Dokumentarfilmregie studiert, was ihrem Film in seinem geduldigem, konzentrierten Blick und in der sensiblen Schauspielführung zugute kommt. Mag das dunkle Geheimnis, das David mit sich trägt, auch konstruierter wirken als es nötig gewesen wäre - es entsteht doch ein spannendes Drama über die Fallhöhe zwischen der aufgeräumten Weltsicht der Wohlstandsgesellschaft und den Verhältnissen in so genannten Krisenregionen. Der stets verlässliche, gerade auch in "Krabat" auftrumpfende Hanno Koffler zeigt dabei als zerrissener Kriegsheimkehrer seine bisher beste Leistung. - kulturnews -

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The Road Filmplakat

The Road (OmU)

Original version with German subtitles

USA 2009, 111 min
Regie: John Hillcoat, nach dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Robert Duvall, Charlize Theron, Guy Pearce

Ein Vater geht mit seinem Sohn eine endlos erscheinende Straße nach Süden, durch ein zerstörtes Amerika, in der Hoffnung, irgendwann einen tröstlicheren Ort zu finden, in dem es nicht Asche vom Himmel regnet. Ihre ganze Habe befindet sich in einem Einkaufswagen, den der Vater vor sich her schiebt und in ihren Herzen, in der die Liebe füreinander wohnt, die sie beide am Leben hält. In den Farben der Apokalypse schwelgende Verfilmung des mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Romans von Cormac McCarthy. Der australische Regisseur John Hillcoat wurde bekannt durch das legendäre Gefängnisdrama GHOSTS... OF THE CIVIL DEAD (1988) - in einer Nebenrolle war Blixa Bargeld zu sehen, der gerade bei Nick Cave in Australien weilte - und durch den australischen Western THE PROPOSITION (2005). Wie auch zuvor ist hier wieder Freund Nick Cave am Soundtrack beteiligt.

Er brauchte lange, um einzuschlafen. Nach einer Weile wandte er sich dem Mann zu und sah ihn an. Sein Gesicht war im trüben Licht vom Regen schwarz gestreift, wie bei einem Schauspieler der alten Welt. Darf ich dich mal was fragen?, sagte er.
Ja. Natürlich.
Werden wir sterben?
Irgendwann schon. Aber jetzt noch nicht.
Gehen wir immer noch nach Süden?
Ja.
Damit wir es warm haben.
Ja.
Okay.
Okay was?
Nichts. Einfach nur okay.
Schlaf jetzt.
Okay.
Ich puste die Lampe aus. Ist das okay?
Ja. Das ist okay.
Und dann später, in der Dunkelheit: Darf ich dich mal was fragen?
Ja. Natürlich.
Was würdest du machen, wenn ich sterben würde?
Wenn du sterben würdest, würde ich auch sterben wollen.
Damit du mit mir zusammen sein kannst?
Ja. Damit ich mit dir zusammen sein kann.
Okay.

aus "Die Straße" von Cormac McCarthy

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Bal - Honig - Filmplakat

Bal - Honig (OmU)

Original version with German subtitles

Türkei/D 2010, 104 min
Regie: Semih Kaplanoğlu
Darsteller: Bora Altas, Erdal Besikcioglu

Yusuf, der sechsjährige Sohn eines Bienenzüchters, ist tief betrübt und zieht sich immer weiter in sich zurück. Nachdem die Bienen plötzlich verschwunden sind und die Lebensgrundlage der Familie bedroht ist, geht der Vater ins Gebirge und kommt nicht mehr zurück. Yusuf hört ganz zu sprechen auf und weigert sich, auch nur ein einziges Wort über seine Lippen zu bringen. Allein begibt sich der Junge auf die Suche nach seinem Vater in die Berge. Der Abschluss der Yusuf-Filmtrilogie des türkischen Regisseurs, nach YUMURTA - EI und SÜT - MILCH, erhielt auf der letzten Berlinale den Goldenen Bären. Ein ästhetisches Meisterwerk, das die gestalterischen Grenzen des Mediums auslotet.

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Uncle Boonmee Filmplakat

Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben (OmU)

Original version with German subtitles

Originaltitel: Lung Boonmee raluek chat
Thailand/D/F/SP/UK 2010, 113 min
Regie: Apichatpong Weerasethakul
Darsteller: Thanapat Saisaymar, Jenijira Pongpas, Sakda Kaewbuadee

Uncle Boonmee leidet an Nierenversagen. Seine letzten Tage will er auf seinem Landgut im Nordosten Thailands verbringen, umgeben von Verwandten und Freunden, die ihn lieben. Dort taucht plötzlich der Geist seiner verstorbenen Frau auf, um für Boonmee zu sorgen. Auch sein lange verschollener Sohn kehrt zurück – in Gestalt eines Affen.

Nachdem Boonmee über die Ursachen seiner Krankheit nachgedacht hat, bricht er mit seiner Familie zu einer Reise durch den Dschungel auf. Die endet in einer geheimnisvollen Berghöhle - dort, wo Boonmees erstes Leben begann.

Regisseur Apichatpong Weerasethakul ("Tropical Malady") über seinen Film:

UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN ist eine Hommage an meine Heimat, aber auch an eine besondere Art Kino, mit der ich aufgewachsen bin. Ich glaube an Seelenwanderungen zwischen Menschen, Pflanzen Tieren und Geistern. Die Geschichte von Uncle Boonmee erzählt vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier, zugleich überwindet sie die Linie, die beide trennt. Wenn das Kino so etwas zeigt, wird es zur gemeinsamen Erinnerung von Filmcrew, Schauspielern und Öffentlichkeit. Die Erinnerung der Zuschauer erweitert sich um eine neue, wenn auch simulierte Schicht. In dieser Hinsicht funktioniert Filmemachen so ähnlich, als würde man künstliche vergangene Leben erschaffen. Ich möchte die Eingeweide dieser Zeitmaschine erforschen. Vielleicht sind dort geheimnisvolle Kräfte am Werk, die nur darauf warten, enthüllt zu werden. Manche Praktiken, die als Schwarze Magie abgetan wurden, sind inzwischen ja auch wissenschaftlich bestätigt worden. Für mich bleibt Filmemachen eine Quelle, deren Energie wir noch nicht wirklich genutzt haben. So, wie wir auch die inneren Vorgänge im Gehirn noch nicht wirklich erklärt haben.

Mich interessiert auch, wie Kulturen und Arten zerstört und ausgerottet werden. Weil ein Militärputsch den Nationalismus angefacht hat, stehen sich in Thailand in den letzten Jahren Ideologien unversöhnlich gegenüber. Es gibt nun eine staatliche Behörde, die sich als Moral-Polizei versteht. Unterdrücken will sie "unangemessene" Aktivitäten und die Inhalte, um die es dabei geht. Auch damit steht die Geschichte Uncle Boonmees und seines Glaubens natürlich in Verbindung. Er verkörpert etwas, das im Verschwinden begriffen ist; etwas, das zerfällt wie jene alten Kinos, Theater und Schauspiel Stile, die nicht mehr in unsere Landschaft passen.

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Kinshasa Symphony Filmplakat

Kinshasa Symphony (OmU)

Original version with German subtitles

Dokumentarfilm
D 2010, 90 min
Regie: Claus Wischmann, Martin Baer

Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, drittgrößte Stadt Afrikas. Hier wohnen fast zehn Millionen Menschen, die zu den ärmsten Bewohnern unseres Planeten zählen. Es ist die Heimat des einzigen Symphonieorchesters Zentralafrikas - L'Orchestre Symphonique Kimbanguiste.

In völliger Dunkelheit spielen zweihundert Orchestermusiker Beethovens Neunte - "Freude schöner Götterfunken". Ein Stromausfall wenige Takte vor dem letzten Satz. Probleme wie dieses sind noch die kleinste Sorge. In den letzten fünfzehn Jahren.haben die Musiker zwei Putsche, mehrere Krisen und einen Krieg überlebt. Doch da ist die Konzentration auf die Musik, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Kinshasa Symphony zeigt Menschen in einer der chaotischsten Städte der Welt, die eines der komplexesten Systeme menschlichen Zusammenlebens aufbauen: ein Symphonieorchester. Ein Film über den Kongo, über die Menschen in Kinshasa und über Musik.

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Rammbock Poster

Rammbock (mit Vorfilm)

D 2010, 69 min
Regie: Marvin Kren
Darsteller: Michael Fuith, Theo Trebs, Emily Cox

So hat Berlin noch keiner gesehen: Aus dem Norden Europas kommend, breitet sich in rasantem Tempo ein schreckliches Virus aus - die daran Erkrankten werden zu wütenden Bestien und überall machen sich chaotische Zustände breit. Aus Angst vor Ansteckung und aggressiven Übergriffen verbarrikadieren sich die noch Gesunden oder flüchten an vermeintlich sichere Orte.

Genau zu diesem Zeitpunkt trifft der 35-jährige Michael (Michael Fuith) in Berlin ein, um seine Liebe, seine Ex-Freundin Gabi (Anka Graczyk), zu besuchen. Einmal angekommen, bugsiert das Schicksal den 15-jährigen Harper (Theo Trebs) in seine Obhut. Gegenseitig beschützen sie sich und andere vor tobenden Zombies. Dabei ist Michael vordergründig kein Actionheld, vielmehr ein Philanthrop mit stark ausgeprägtem Helfersyndrom - ein Liebender in Zeiten der Zombiekalypse. Doch während die Stadt im Chaos versinkt, fehlt von Gabi jede Spur.

Die Kamera, der Ton, das Szenenbild sind die "i-Tüpfelchen" in diesem darstellerisch attraktiv besetzten Film, der mit dem jungen Liebespaar Harper und Anita (Emily Cox) nicht nur die Zombiefans begeistern wird.

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Berlin Calling Poster

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

Deutschland 2008, 109 min
Regie u. Drehbuch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

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