Programmarchiv Februar 2011

Kinder der Steine Poster Kinder der Steine - Kinderder Mauer
Dokumentarfilm
D 2010, 87 min
Regie: Robert Krieg, Monika Nolte

24.-28.02.11

Kinder der Steine - Kinder der Mauer

Kinder der Steine – Kinder der Mauer ist keine Dokumentation zur aktuellen Diskussion um Deutungshoheiten im Palästina-Israel Konflikt, sondern zeichnet in ebenso nachdenklich stimmender wie höchst emotionaler Weise die Entwicklung von sechs palästinensischen Kindern nach, deren persönliches Schicksal eng mit dem politischen ihres Volkes und Landes verbunden ist.
» kino-zeit.de: Sag mir wo die Steine sind...
Robert Krieg ist sich sicher: "Dieser Film ist nicht politisch. Ich möchte nur, dass die Menschen hier ein anderes Bild von den Palästinensern bekommen. Die Gesellschaft dort besteht nicht nur aus Attentätern und Verrückten. Das sind normale Menschen, die einfach ein wenig Spaß in ihrem Leben wollen – und das wird ihnen durch die Besatzungspolitik verwehrt."
» Zitty: V wie Victory

Ein Schwarz-Weiß-Foto, sechs Jungen, um die zehn Jahre alt, posieren mit Victory-Zeichen für die Kamera. Das war in Bethlehem im Jahr 1989 während des ersten palästinensischen Volksaufstands und der Dreharbeiten zu Robert Kriegs Dokumentarfilm "Intifada - Auf dem Weg nach Palästina". Zwanzig Jahre später sind die Gebiete, die damals befreit werden sollten, von einer Mauer umschlossen. Wer waren die Kinder auf dem Bild? Wie leben sie heute? Leben sie noch? Mit dem Foto in der Hand kehrt das Filmteam nach Bethlehem zurück, um die Jungen zu suchen und kennen zu lernen.

Die sechs Kinder, heute Väter, waren zu jung, um die Intifada mit zu gestalten; sie haben weder politische Analysen noch Rechtfertigungen. Sie leben bis heute in der Altstadt von Bethlehem, ihre Verbindung zueinander ist nicht abgerissen. Das Filmteam ist eins von unzähligen, die die besetzten palästinensischen Gebiete seit Jahrzehnten täglich belagern - und vielleicht das einzige, das je zurückgekehrt ist. Aus Sorge, aus Interesse und Anteilnahme.

Die kurze Begegnung zwischen Pose und Auslöser sowie die Rückkehr des Filmteams spannt ein fast zauberhaftes Band aus Fremdheit und Vertrauen. Die Männer erinnern, ulken, nehmen die Gäste mit auf ihre Arbeit und nach Hause. Sie diskutieren die Zerstrittenheit ihrer Gesellschaft und werden für kurze Zeit wieder zur Gang, deren Streifzüge unweigerlich an einer Mauer enden.

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Mein Glück Poster Mein Glück
Ukraine/D/NL 2010, 127 min
Regie: Sergei Loznitsa
Darsteller: Viktor Nemets, Wladimir Golowin, Alexei Wertkow

24.-28.02.11

Mein Glück

Loznitsas Film wurde dieses Jahr in Cannes als einer der interessantesten Beiträge eingestuft. Zurecht, denn obgleich der Film das Spielfilmdebüt des Regisseurs darstellt, strotzt er nur so vor filmischer Erfahrung und kompositorischer Sicherheit. Der unbedingte Wille, den Zuschauer teilhaben zu lassen an dieser Vision, ist beeindruckend, wenn auch sehr anstrengend. Dennoch lohnt die Sichtung allein schon deshalb, da der Stoizismus in Bezug auf die handwerkliche Präzision in solcher Vollendung wie sie Loznitsa exerziert seinesgleichen sucht und andernorts gerade mal bei Uli Seidl, Michael Haneke und Amos Gitai zu finden ist. Kurz: Großes europäisches Kino, das Rußland jedoch den einen oder anderen Touristen kosten sollte.
» Schnitt: Sackgasse

Erst nach einer Weile wird dem Fernfahrer Georgy klar, dass die Straße auf der er mit einer Warenladung unterwegs ist ins Nirgendwo zu führen scheint. Auf seiner Suche nach dem richtigen Weg zurück, macht der Trucker in einem kleinen russischen Dorf halt, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Es ist ein grotesker Ort, an dem brutale Gewalt, Misstrauen und Überlebensinstinkte über Menschlichkeit und Vernunft siegen. Auf Georgys Suche nach einem Weg zurück, kommt der vereinsamte Trucker mit allerlei zwielichtigen Gestalten in Kontakt, die sein Weiterkommen nicht gerade erleichtern.

Es ist eine postsowjetische, von Gewalt geprägte und in sich geschlossene inszeniert. Gedreht in den zwei ukrainischen Städten Schostka und Schors, arbeitet Sergei Loznitsa mit matten Farben und ungeschönten Bildern, um so die richtige Atmosphäre für sein Drama zu schaffen. Sowohl für den Darsteller Viktor Nemets, als auch für den mehrfach ausgezeichneten Filmemacher Loznitsa ist MEIN GLÜCK eine Premiere. Viktor Nemets spielt seine erste Hauptrolle in einem anerkannten Film und Sergei Loznitsa, der sich bisher vor allem mit Dokumentationen einen Namen machte, verwirklicht mit dem Drama seinen ersten Spielfilm.

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Monsters Poster Monsters
UK 2010, 94 min
Regie, Buch, Kamera: Gareth Edwards
Darsteller: Whitney Able, Scoot McNairy, Kevon Kane

17.02.-02.03.11

Monsters (OV)

Original version

Monsters ist ein poetischer Science-Fiction-Film, der seine Protagonisten lange durch den mittelamerikanischen Dschungel treiben lässt, nur vereinzelt Elemente der Verfremdung und Relikte des Monster-Krieges in die Naturkulisse implantiert und ungewöhnlich unsentimental von der Annäherung des Paares erzählt. Im Subtext entwickelt sich Edwards Infektionsszenario zu einer deutlichen Metapher für die Angst vor illegaler Einwanderung in den Vereinigten Staaten.
» Die Zeit: In uns nagt die Angst vor dem Fremden

Der vielfach ausgezeichnete Special Effects-Experte Gareth Edwards inszenierte mit Monsters sein Kinodebüt - im wahrsten Sinne des Wortes: Gareth Edwards führte nicht nur Regie, er schrieb auch das Drehbuch, übernahm das Production Design und die Kamera. Monsters ist ein Film, der beeindruckende Effekte, ein kleines Budget - gerade einmal 200.000 $ - und eine verblüffende Entstehungsgeschichte aufweist, und mit dem es gelungen ist, Science Fiction, Roadmovie und Liebesgeschichte zu etwas ganz Eigenem zu vereinen.

Seitdem die NASA vor sechs Jahren Spuren außerirdischen Lebens bergen konnte und diese Proben durch einen Raumschiffabsturz über Zentralamerika verteilt wurden, ist die Welt verändert. Krakenähnliche, riesenhafte Kreaturen haben begonnen sich auszubreiten. Die US-Regierung versucht den Schaden zu begrenzen, indem die "Infizierte Zone" mit einer gigantischen Mauer vom restlichen Kontinent abgespalten wird. Mitten in diesem Chaos lernen sich der Fotograf Andrew und die junge Samantha kennen.

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Trash Humpers Poster Trash Humpers
USA/UK 2009, 74 min
Regie: Harmony Korine
Darsteller: Paul Booker, Dave Cloud, Chris Crofton

17.-23.02.11

Trash Humpers (OV)

Original version

"Als ich noch ein Kind war, gab es in unserer Nachbarschaft eine Gruppe von Rentnern, die in den Hintergassen und unter Brücken rumhingen und sich ständig betranken und tanzten. Eines Nachts sah ich aus meinem Schlafzimmerfenster, wie einige von ihnen Mülltonnen fickten und dabei lachten. Es klang, als ob sie in einer fremden, erfundenen Sprache sprächen. Dies ist ein Film über sie."
» Harmony Korine

 

Auf einer im Garten gefundenen VHS-Kassette sind alte Menschen aus dem White-Trash-Milieu zu sehen, die widerliche Masken tragen und merkwürdige Dinge tun. Sie ficken Mülltonnen und filmen sich, wenn sie böse sind und/oder Sex haben. Wer sie sind oder woher sie kommen, ist nicht bekannt.

Das Werk wirkt wie eine Ode auf den Vandalismus. Harmony Korine, das Enfant Terrible des US-amerikanischen Kinos und bekannt für Filme wie Gummo, Julien Donkey-Boy und Mister Lonely, hat mit Trash Humpers einen wahren Independentfilm gedreht, in dem er mit der bürgerlichen Moral abrechnet – und zwar auf VHS. Der wohl provokanteste Independentfilm des vergangenen Jahres feierte seine Premiere beim renommierten Filmfestival in Toronto, Kanada.

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Next Exit Nirvana Poster Next Exit Nirvana
Dokumentarfilm
Ö 2010, 90 min
Regie: Walter Größbauer

10.-23.02.11

Next Exit Nirvana (OmU)

Original version with German subtitles

Die Kumbh Mela, das größte Pilgerfest der Welt. 5.000 Gurus, 200.000 Sadhus, Millionen von Pilgern und Bettlern! Alle 12 Jahre geben sie sich ein Stelldichein an einem heilbringenden Ort am Ganges. Es wird gelehrt, gebetet, gesungen, getanzt, gebadet und - gestaunt! Wer sind diese Menschen, die Pilger und Neugierige aus aller Welt in Millionenscharen anlocken? Sind sie weise, heilig, erleuchtet oder verrückt? Sensationsgier mag einer der Gründe sein, der viele junge Menschen aus dem Westen nach Indien lockt.

 

Die Zurschaustellung der verschiedenen Praktiken der Entsagung von allem Weltlichen übt eine große Faszination auf viele Suchende aus: Sadhus, die seit vielen Jahren einen Arm in den Himmel strecken; mit ihrem Penis 30 Kilo schwere Gewichte heben; völlig nackt, nur mit Asche bedeckt, durchs Leben gehen; 10 Stunden täglich auf einem Feuerstuhl schaukeln; auf Nagelbetten liegen oder für 12 Jahre auf einem Fuß stehen. Der Fantasie und Inszenierungskunst sind keine Grenzen gesetzt.

Der Film zeigt die widersprüchliche Position der heiligen Männer in der indischen Gesellschaft, die zwischen zeremonieller Verehrung und heimlicher Verachtung schwankt. "Diese Menschen wollen nicht arbeiten, sie sind eine Schande für die Gesellschaft!" Trotz gegensätzlicher Ansichten legt sich ein versöhnlicher Zauber über das Geschehen während der Kumbh Mela. Durch das gemeinsame Bad im Ganges scheinen sich alle sozialen Gegensätze und Ungerechtigkeiten beinahe aufzuheben. Religiöse Zeremonien und Bräuche verbinden. Sei es durch ein Baumwollband, das an den Banyanbaum geknüpft wird und Herzenswünsche erfüllen soll, oder durch das gemeinsame Rauchen einer Haschischpfeife als Vorgeschmack auf "Nirvana", den angestrebten Zustand von Wunsch- und Begierdelosigkeit.

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Enter the Void Poster Enter the Void
F 2009, 162 min
Regie u. Buch: Gaspar Noé
Darsteller: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta

10.-16.02.11

Enter the Void (OmU)

Original version with German subtitles

Das ist mal beängstigend, mal irritierend und, aufs Ganze gesehen, eine umwerfende Vision. Wie die Kamera, Gottes vagabundierendes Auge, über die Stadt taumelt. Wie sie in Interieurs verharrt, die Linse zum Fischauge weitet und sich ins nächste Stroboskopgewitter stürzt. Wie hier jemand vor keiner Assoziation, keinem Traumbild haltmacht, aus purer Lust an jenen Reisen, wie sie nur die Droge Kino eröffnet: Das ist vor allem was für Leute, die die Unvernunft lieben.
» Der Tagesspiegel: 2010, Odyssee in Tokio

 

Mit seinen kontroversen Kraftakten Seul contre tous (Menschenfeind) und Irréversible etablierte sich der französische Filmemacher Gaspar Noé als radikaler Visionär und genialer Stilist, der die Grenzen des filmisch Machbaren auslotet und niederzureißen versucht. Enter the Void ist ein Film, wie es noch keinen vor ihm gab: ein wilder und kompromissloser Fiebertraum in der Tradition des Kinos von Stanley Kubrick oder Alejandro Jodorowsky. Inspiriert von der Philosophie des Tibetischen Totenbuchs, erzählt Gaspar Noé mit einer furiosen schwerelosen Kamera scheinbar ohne einen einzigen Schnitt von Leben, Sterben, Tod und Wiedergeburt und zaubert dabei atemberaubende wie verstörende Bilder auf die Leinwand.

Oscar verbindet eine besonders intensive Beziehung mit seiner Schwester Linda, seitdem sie als Kinder miterleben mussten, wie ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Gemeinsam schlagen sie sich durch die Halbwelt von Tokio, er als kleiner Dealer, sie als Stripperin. Bei einer Razzia wird Oscar niedergeschossen. Sein Körper liegt im Sterben, doch seine Seele weigert sich, aus der Welt der Lebenden zu scheiden. Und so wandert sein Geist durch die neongleißende Stadt - rastlos, immer auf der Suche. Oscars Visionen werden immer grotesker und bizarrer, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen zu einem halluzinatorischen Mahlstrom...

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Pornografie & Holocaust Filmplakat Pornografie & Holocaust
Dokumentarfilm
Isreal 2007, 63 min
Regie: Ari Libsker

03.-09.02.11

Pornografie & Holocaust (OmU)

Original version with German subtitles

Nach dem großen Erfolg des ersten pornografischen Taschenbuches "Stalag 13", das zur Zeit des Eichmann-Prozesses in Israel erscheint, entwickeln sich diese reißerischen Heftchen schnell zum modernen Massenphänomen. Die Groschenromane formulieren - in sich stetig steigernder Explizität - sadomasochistische Fantasien um Kriegsgefangene und Nazioffiziere in deutschen Lagern und brechen damit gleich zwei Tabus:

 

Erstmals gibt es in der puritanischen Gesellschaft Israels pornografische Literatur, und gleichzeitig sind diese Heftchen neben dem Eichmann-Prozess die erste öffentliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Holocaust-Pornographie von jüdischen Autoren für ein jüdisches Publikum - dieses bizarre Phänomen der israelischen Popkultur beschreibt der Dokumentarfilm von Ari Libsker. Er lässt Verleger, Autoren und Journalisten zu Wort kommen und verwebt die Interviews geschickt mit Archivbildern.

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Jaffa - The Orange's Clockwork Filmplakat Jaffa - The Orange's Clockwork
Dokumentarfilm, Essay
D/F/Israel 2010, 88 min
Regie u. Buch: Eyal Sivan

29.01.-09.02.11

Jaffa - The Orange's Clockwork (OmU)

Original version with German subtitles

"Für mich beginnt meine Geschichte als Jude nicht 1939 und sie endet nicht 1945. Aber wenn ich durch Berlin gehe, dann beginnt meine Geschichte 1939 und endet 1945. Das ist die zweite Ermordung der Juden, ihre Geschichte auf sechs Jahre zu reduzieren. Und daran will ich mich nicht beteiligen. Ich habe eine Geschichte, die viel breiter ist, sie ist orientalisch, die Erinnerung, dass ich der Araber von Europa war, bin, dass ich der Muslim von Europa war, vor dem Krieg. Und heute ist der Muslim von Europa der Immigrant, der Türke – das ist der neue Jude."
» tip: Interview mit Eyal Sivan

 

Seit Jahrzehnten ist sie lecker, gesund und weltberühmt, selbst Stars wie Ingrid Bergman und Louis Armstrong posierten für sie - "Jaffa" war die Coca-Cola der Fruchtsäfte. Die Geschichte der Hafenstadt Jaffa, deren Rumpf heute ein Stadtteil von Tel Aviv ist, ist Jahrtausende alt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eine der lebendigsten und kosmopolitischsten Städte des Nahen Ostens - kulturell, ökonomisch und politisch. In ihrem Umland wurden über Jahrhunderte Orangen kultiviert, ihr Export der palästinensischen "Jaffa-Oranges" durch den Hafen gewährleistet.

Anhand von einzigartigem Archivmaterial spürt Eyal Sivan der Orangenmarke nach. Er zeigt israelischen und palästinensischen Intellektuellen und Mitarbeitern der Zitrusindustrie alte Fotos, frühe Filmaufnahmen, Werbefilme und -plakate, politische Poster sowie Malerei rund um die Frucht. Sie erinnern, reflektieren und analysieren am Beispiel der Jaffa-Orangen ihre eigene Geschichte und die ihres Landes. Die unterschiedlichen, sich ergänzenden Narrative brechen Mythen und schreiben eine Geschichte jenseits nationalistischer Historiographie.

Der israelische Regisseur Eyal Sivan ist ein scharfer Kritiker der israelischen Politik und bekannt für ungewöhnliche Dokumentarfilme wie The Specialist (1999) und Route 181: Fragments of a Journey in Palestine-Israel (2004). Seine Filme sorgen für Kontroversen und ziehen selbst viel Kritik auf sich, beispielsweise vom französischen Philosophen Alain Finkielkraut, der Sivan bescheinigt, ein sich selbst hassender Jude zu sein oder vom prominenten Filmemacher Claude Lanzmann (Shoah), dessen Filme wiederum von Eyal Sivan kritisiert werden.

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In ihren Augen Filmplakat El secreto de sus ojos
Argentinien/Spanien 2009, 127 min
Regie: Juan José Campanella
Darsteller: Ricardo Darín, Soledad Villamil, Guillermo Francella, Pablo Rago, Javier Godino, Mariano Argento, José Luis Gioia

29.01.-09.02.11

In ihren Augen (OmU)

Original version with German subtitles

Die kunstvolle Mischung aus Film Noir, Politthriller und feinfühliger Liebesgeschichte wurde 2010 überraschend mit dem Oscar in der Kategorie "Best Foreign Language Film" und zudem bei den Goya Awards als Bester Film und Soldedad Villamil als Beste Nachwuchs-Darstellerin ausgezeichnet. Regisseur Juan José Campanella hat damit seinen zweiten Oscar erhalten. Definitiv einer der schönsten Filme der letzten Jahre.

 

Schon seit 25 Jahren lässt die Erinnerung an den Fall Morales dem Justizbeamten Espósito keine Ruhe. Jetzt, im Ruhestand, beschließt er, sich den Ereignissen von damals nochmals zu stellen, einen Roman zu schreiben. Dabei sucht er die Hilfe seiner früheren Chefin Irene, mit der ihn nach all den Jahren noch immer mehr als Symphatie verbindet. Doch sein Blick in die Vergangenheit, in eine Zeit voll Liebe und Freundschaft, aber auch Gewalt und Tod, öffnet ihm die Augen für Zusammenhänge, die er übersehen hatte oder nicht wahrhaben wollte.

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Berlin Calling Poster Berlin Calling
Deutschland 2008, 109 min
Regie u. Drehbuch: Hannes Stöhr
Musik: DJ Kalkbrenner
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch

Februar

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

"Paul Kalkbrenners wunderbarer Soundtrack spricht eine andere Sprache. Vielleicht ist es der sentimentalste Techno aller Zeiten, aber er liefert dem Film eine nuancierte emotionale Struktur. Und Kalkbrenners zurückgenommenes Schauspiel ist dem ebenbürtig."
(Frankfurter Rundschau)

Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever!

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse.

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Late Night Terror

Inglourious Basterds Inglourious Basterds
USA/D 2009, 154 min
Regie u. Buch: Quentin Tarantino
Darsteller: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Til Schweiger, Diane Kruger, Michael Fassbender, Daniel Brühl, Gedeon Burkhard, Sylvester Groth, August Diehl, Martin Wuttke

Inglourious Basterds (OmU)

Original version with German subtitles

Vom Italokriegsfilm Inglorious Bastards von Enzo G. Castellari (Keoma) und anderen Kriegsfilmen wie The Dirty Dozen sowie Western wie The Good, the Bad & the Ugly inspirierte comic-ähnliche Dritte-Reich-Groteske in gewohnter Zitierwut und Lust an exzessiven Dialogen über Populärkultur, von Adolf Hitler bis Godard, mit freier Auslegung der Geschichte. Sehn'se mal, Herr von Stauffenberg, geht doch!

Im besetzten Frankreich muss Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) mit ansehen, wie ihre Familie durch den Nazi-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) brutal hingerichtet wird. Nur knapp kann sie entkommen und flieht nach Paris, wo sie sich als Kinobesitzerin eine neue Identität und Existenz aufbaut. Zur gleichen Zeit formt Offizier Aldo Raine (Brad Pitt) eine Elitetruppe aus jüdischen Soldaten, die gezielte Vergeltungsschläge gegen Nazis und Kollaborateure durchführen soll. Gemeinsam mit seinen 8 Männern wird er in Frankreich abgesetzt, um dort unterzutauchen und in Guerilla-Einsätzen Nazis zu jagen und töten. Schon bald werden sie von den Deutschen als "Die Bastarde" gefürchtet. Dann entsteht der Plan, die gesamte Führungselite des 3. Reiches auf einmal auszuschalten.

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Grindhouse: Tarantino & Rodriguez Poster Grindhouse #1:
Death Proof

USA 2007, 113 min
Regie u. Buch: Quentin Tarantino
Darsteller: Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Jordan Ladd, Zoë Bell


Grindhouse #2:
Planet Terror

USA 2007, 102 min
Regie u. Buch: Robert Rodriguez
Darsteller: Rose McGowan, Freddy Rodríguez, Marley Shelton, Josh Brolin, Michael Biehn, Bruce Willis

Death Proof (OmU)

Original version with German subtitles

Stuntman Mike fährt mit seiner hochfrisierten und todsicheren Maschine Frauen zu Tode, bis er an die falsche Weibergang gerät. Zitierfreudiges Amalgam aus Autoklassikern wie Gone in 60 Seconds und Vanishing Point sowie Tarantinos Feminismus in Theorie und Praxis.

Kurt Russell, Lieblingsschauspieler von John Carpenter und von diesem fünfmal in einer Hauptrolle besetzt - am bekanntesten ist die des einäugigen wortkargen Snake Plissken in Escape from New York -, spielt den Widerling Mike mit adäquater Räude.

Planet Terror (OmU)

Original version with German subtitles

Knallbunte Hommage an das Schmuddelkino der 60er und 70er Jahre, als täuschend echte Filmzeitreise inszeniert, mit Schnitt-, Farb-, Kopien- und anderen Fehlern. 2. Teil des Grindhouse-Projekts von Tarantino & Rodriguez, einer ästhetischen Referenz an die B-Movies der 60er und 70er Jahre und die Kinos dieser Zeit, die den Trash als Doppelprogramm zeigten.

Bei einem geheimen Biowaffengeschäft mit dem Irakkriegsveteranen Lt. Muldoon (Bruce Willis) entweicht Gas, das einen Großteil der Bevölkerung in hoch infektiöse Zombiemutanten verwandelt. Während Dr. Dakota Block im örtlichen Krankenhaus nicht nur vor mutierenden Patienten, sondern auch vor ihrem rachsüchtigen Arztehemann William fliehen muss, sucht der kampferprobte Trucker El Wray nach seiner Ex. Obwohl der sexy Stripperin nach einer Zombieattacke das rechte Bein fehlt, können sich beide bis zu einem ranzigen Diner durchschlagen, wo sie sich mit Dakota und anderen Überlebenden verbarrikadieren.

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Kill Bill Poster Kill Bill vol.1
USA 2003, 110 min
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Julie Dreyfus, Sonny Chiba


Kill Bill vol.2
USA 2004, 120 min
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Gordon Liu, Michael Parks

Kill Bill vol.1 (OmU)

Original version with German subtitles

Furioser, lässig inszenierter Genrecocktail, der sich vieler Elemente asiatischer Martial-Art-Filme bedient, insbesondere aus dem japanischen Film Lady Snowblood (1973). In einer Nebenrolle ist Sonny Chiba zu sehen, der legendäre japanische Streetfighter, der von Christian Slater überschwenglich in True Romance bewundert wurde.

Die Braut war einst Mitglied der Deadly Vipers Assassination Squad. Doch dann versuchte Teamleader Bill, die hochschwangere Auftragskillerin zu ermorden – ausgerechnet am Tag ihrer gemeinsamen Hochzeit. Sie überlebt mit einer Kugel im Kopf. Fünf Jahre später erwacht sie aus dem Koma und kennt nur noch ein Ziel: Rache.

Kill Bill vol.2 (OmU)

Original version with German subtitles

Die Easternzitate werden im zweiten Teil ästhetisch vom Western unterstützt, überhaupt steigert sich Tarantino noch einmal in eine gnadenlose Zitierwut, bevor er die Fortsetzung des Racheepos zu einem verdienten Ende bringt.

Drei Namen stehen noch auf der Todesliste der Braut: Bills Bruder Budd (Michael Madsen) und ihre ewige Rivalin Elle Driver (Daryl Hannah) müssen beseitigt werden, bevor sie Bill in dessen Unterschlupf in Mexiko aufspüren kann, wo eine erschreckende Erkenntnis auf sie wartet.

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