Programmarchiv April 2011

21.04. - 04.05.11

Im Himmel, unter der Erde - Der Jüdische Friedhof Weißensee

Im Norden der Stadt, versteckt in einem Wohngebiet, umgeben von Mauern und bedeckt von einem Urwald aus Bäumen, Rhododendron und Efeu liegt der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee. Er wurde 1880 angelegt, ist 42 Hektar groß, hat derzeit 115.000 Grabstellen, und immer noch wird auf ihm bestattet. Weder der Friedhof noch sein Archiv sind je zerstört worden - ein Paradies für Geschichten-Sammler.

Britta Wauer und ihr Kameramann Kaspar Köpke waren immer wieder hier und haben einen höchst lebendigen Ort vorgefunden. Menschen aus aller Welt kommen dort hin und können von jüdischer, Berliner und zugleich deutscher Geschichte erzählen, von der dieser Ort erfüllt ist. Der Film erhielt auf der letzten Berlinale den Panorama-Publikumspreis.

Berliner Zeitung: Berlin hatte sich vor der Shoah zum Zentrum des deutschen Judentums entwickelt. Dieses Leben möchte die Regisseurin Britta Wauer in ihrer Dokumentation aufspüren. Aus der Vielzahl der hier versammelten Geschichten hat sie einige wenige Schicksale ausgewählt, an deren Beispiel sie deutsch-jüdische Geschichte erzählt. Das Archivmaterial, die Interviews mit Zeitzeugen, Friedhofsangestellten und Besuchern montiert die Regisseurin zu einem stimmungsvollen Bild des Ortes.
» Katja Lüthge: Gräber, Gruften und Geschichten
Im Himmel, unter der Erde Plakat

Im Himmel, unter der Erde
Dokumentarfilm
D 2011, 90 min
Regie: Britta Wauer

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21.04. - 04.05.11

Der Dieb des Lichts (OmU)

Original version with German subtitles

In einem kleinen Dorf in den Weiten Kirgisiens nennt man den örtlichen Elektriker, gespielt vom Regisseur, nur Herrn Licht. Denn er lässt die Stromzähler rückwärts laufen, damit sich die Bewohner den Strom fürs Licht leisten können. Bis er auffliegt und seinen Job verliert. Doch Herr Licht hält fest an seiner kühnen Vision, die das Dorf aus der Misere führen und für zukünftige Generationen lebenswert machen soll...

Nach dem preisgekrönten Beshkempir - Der fremde Sohn bannt Aktan Arym Kubat erneut Licht und Luft der kirgisischen Landschaften in eine lebensmutige und bewegende Geschichte, die in ihrer betörenden Bilderkraft und ihrem feinsinnigen Humor einzigartig ist.

Die Zeit: Trotz dieser klaren Rollenverteilung ist Der Dieb des Lichts ein vielseitiger Film. Er oszilliert zwischen Bauernschwank und düsterer Politfabel. Er preist das einfache Leben nach den Regeln der Schicklichkeit und zeigt doch, dass in den Traditionen eine unheilvolle, aus Männlichkeit und Macht gemischte Archaik steckt. Das für den touristischen Blick pittoreske Ritual der kirgisischen Schafsjagd zu Pferde etwa gibt es zweimal im Film, einmal als Spiel, einmal als Perversion, mit dem Lichtmann als Schaf. Vielseitig ist Der Dieb des Lichts schließlich auch, indem er im Moment größter Verdunkelung die Hoffnung aufglimmen lässt und noch die Ferne verwandelt, aus der er anfangs zu kommen schien: Der Film geht uns nah.
» Maximilian Probst: Bilder aus Wind
Der Dieb des Lichts Plakat

Der Dieb des Lichts
Kirgisien/F/D/NL 2010, 80 min, Regie u. Buch: Aktan Arym Kubat
Darsteller: Aktan Arym Kubat, Taalaikan Abazova, Askat Sulaimanov

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I Killed My Mother Poster I Killed My Mother
Kanada 2009, 100 min
Regie u. Buch: Xavier Dolan
Darsteller: Xavier Dolan, Anne Dorval, Suzanne Clément

14.-27.04.11

I Killed My Mother (OmU)

Original version with German subtitles

Der 17jährige Hubert Minel empfindet bei dem Gedanken an seine Mutter blanke Abscheu: Er hasst ihre Kleidung und er hasst ihre Wohnung, aber vor allem hasst er ihre manipulative Art und die ständigen Schuldzuweisungen von ihr. Sein Hass geht so weit, dass er zu erzählen beginnt, seine Mutter sei tot.

Der junge Regisseur und Hauptdarsteller Xavier Dolan verarbeitete im Film seine eigenen Erfahrungen und Gefühle. Das Drama, welches den Konflikt zwischen Eltern und Kindern aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel betrachtet, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auf den Filmfestspielen in Cannes.

Die Zeit: Hier ist ein hochintelligenter, sich seiner Mittel sehr bewusster Erzähler am Werk, der die Einflüsse von Francois Truffaut bis Won Kar-wai nicht verbirgt, sondern sie geschickt in diesen ganz und gar erstaunlichen Erstling einarbeitet und dabei eine eigene, ausgesprochen jugendliche Filmsprache entwickelt. Das ist erfrischend und anrührend zugleich, energiegeladen und melancholisch. I Killed My Mother ist ein Film ganz so, wie sich jener Übergang eben anfühlt: tröstlich für das gleichaltrige Publikum, bittersüße Erinnerungen heraufbeschwörend bei uns alten Säcken.
» Marc Ottiker: Mutterhass in Vollendung
Der Spiegel: Als Dolan den Film 2009 beim Filmfestival in Cannes vorstellte, mit 20, da nahm der Applaus kein Ende, und er reiste mit drei Preisen im Gepäck nach Hause, was nicht einmal übertrieben war. Jugendliche Künstler werden immer gern als Genies bejubelt, aber handwerklich sieht der Film nach Vollprofi aus und nicht nach experimentierendem Pseudo-Wunderkind. Satte Farben, Tempo, tolle Darsteller (Dolan eingeschlossen) und ein bisschen Spielerei mit Zeitlupe und Montage... Dolan, heute 21, hat mittlerweile übrigens schon einen zweiten Film fertig, der heißt "Heartbeats", ist noch besser als der erste und wurde im vergangenen Jahr auch schon in Cannes bejubelt. Einen dritten dreht er gerade. Seine Mutter dürfte stolz sein.
» Daniel Sander: Genie gegen Mutterkuh

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Womb Womb
D/F/HU 2010, 107 min
Regie u. Buch: Benedek Fliegauf Darsteller: Eva Green, Matt Smith, Peter Wight

07.-20.04.11

Womb (OmU)

Original version with German subtitles

Um den Verlust ihrer großen Liebe Tommy auszugleichen, fasst Rebecca einen folgenschweren Entschluss. Sie lässt sich von den Eltern ihres Freundes eine DNA-Probe geben, um einen neuen Tommy auszutragen. Doch je älter dieser wird, desto schwerer wird es, den Folgen ihrer Entscheidung zu entfliehen. Wie lange kann sie die Wahrheit um den neuen Tommy geheim halten? Ist Tommy nun Rebeccas Sohn oder ist er ihr Mann?

Ein ästhetisch faszinierendes Science-Fiction-Märchen von der bedingungslosen Liebe, das über Identität und freien Willen angesichts modernster Klontechniken philosophiert.

critic.de: Das Klonen selbst und die damit verbundenen Chancen und Risiken werden von Womb indes kaum näher beleuchtet. Dies ist allerdings merklich kein ungewolltes Defizit, sondern eine bewusste Entscheidung gegen die Zukunftswarnungen des Science-Fiction-Genres und für die leiseren Töne eines auf zwischenmenschliche Beziehungen fokussierten Kunstfilms. Wenn Womb sich nach und nach zum Inzest-Drama entwickelt, wird deutlich, dass die Gentechnik hier lediglich dazu dient, mögliche neue Formen des Umgangs mit Verlust und Trauer zu betrachten. Entsprechend funktioniert Benedek Fliegaufs Film auch weniger über die inhaltliche Ausgestaltung des Plots als über seine Stimmung und vor allem die kunstvolle Stilisierung seiner kontemplativen Bildkompositionen.
» Martin Gobbin: Womb

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Berlin: Hasenheide Poster Berlin: Hasenheide
Dokumentarfilm
D 2010, 72 min
Regie: Nana Rebhan

14.-20.04.11

Berln: Hasenheide

Die Hasenheide, unendliche Weiten (rund 50 Hektar!), bevölkert von fremden und gar-nicht-so-fremden Wesen. Hundefrauchen und Fußballspieler, Türken und Nudisten, Papageien und andere komische Vögel. Nana Rebhan hat sie mit der Kamera besucht, die Leute in diesem großen Park zwischen Neukölln und Kreuzberg, der in den Medien nur als riesiger Drogendiscount vorkommt. Für die Menschen aber, die Rebhan zeigt und zu Wort bringt, ist die Hasenheide Sportplatz, Kneipe, Wohnzimmer, Laufsteg und Multifunktionsarena, wo jeder sein Eckchen und Fleckchen findet.

Und Eckchen und Fleckchen hat dieser Park weiß Gott genug, auch dies zeigt Nana Rebhan, die Wiesen, Baumgruppen und Wege im Wechsel der Jahreszeiten, und es ergibt sich ein vielfarbiges, vielstimmiges Bild vom Leben im Park, dem Neben- und manchmal auch dem Miteinander. Ein Bild, das – einerseits – dieses Leben dieser bestimmten Menschen in diesem bestimmten Park zeigt, der Hasenheide, in dieser bestimmten Stadt Berlin. Andererseits aber und weit darüber hinaus von allen Parks in allen Großstädten erzählt, die deren Bewohnern einen Freiraum geben, einen Ort, wo sie in aller Öffentlichkeit ganz privat nur sie selbst sein können, so stinknormal oder schwer exzentrisch, wie sie nun eben einmal sind.

Der Tagesspiegel: Gute Neuigkeiten aus Neukölln: Es gibt da einen großen, bisher vor allem als Umschlagplatz weicher Drogen bekannten Park, der eigentlich viel schöner ist, als man bisher angenommen hatte. Und um ihn kennenzulernen, muss man sich dieser Tage gar nicht selbst dorthin begeben und hineintrauen, es reicht, ins Kino zu gehen und sich den Dokumentarfilm "Berlin: Hasenheide" von Nana A. T. Rebhan anzusehen. Über zwei Jahre hinweg ist die Berliner Regisseurin mit Kamera durch die Hasenheide spaziert – und hat mit ihrem fertigen Film eine neue, sehr bequeme Art der Fortbewegung erfunden: die Kinosesselwanderung, die einmal quer durch diese heute etwa fünfzig Hektar große Grünfläche zwischen Kreuzberg und Neukölln führt.
» David Wagner: Im Reich der Bastmattenphilosophen

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Mono Lux - Werner Schroeter Mondo Lux
Dokumentarfilm
D 2011, 97 min
Regie u. Kamera: Elfi Mikesch
Mit: Werner Schroeter, Almut Zilcher, Isabelle Huppert, Rosa von Praunheim, Monika Keppler, Wim Wenders, Peter Kern, Ingrid Caven, Juliane Lorenz, Rufus Beck uva.

07.-13.04.11

Mondo Lux –
Die Bilderwelten des Werner Schroeter

Werner Schroeter, einer der größten Regisseure des Neuen Deutschen Films, erfährt im Jahr 2006 von seiner Krebserkrankung. In der Kunsthalle Düsseldorf arbeitet er gerade an SCHÖNHEIT DER SCHATTEN, einer musikalischen Inszenierung zu Robert Schumann und Heinrich Heine. Zwischen Hoffnung und Bangen beginnt Werner Schroeter einen Wettlauf mit der Zeit.

Elfi Mikesch, die bei mehreren seiner Filme die Kamera führte und persönlich eng in seine Welten eingebunden war, gewährt einen intimen Einblick in die Arbeiten der verbleibenden 4 Jahre voller Schaffensdrang und Begeisterung für Kino, Theater und Fotografie.

Viele Ausschnitte aus Werner Schroeters Filmen, von EIKA KATAPPA bis DIESE NACHT, zeichnen das farbige Spektrum seines filmischen Schaffens nach, das unter anderem das Lebensgefühl verkörpert, durch das die Kunst und der menschliche Ausdruck sich immer neu erschaffen. Musik durchdringt diesen Erinnerungsraum. Transparent werden biographische Zusammenhänge und die leidenschaftliche Beziehung zum Film, zur Oper und zum Theater, ebenso wie die Verbindung zu den Menschen, mit denen er gearbeitet und gelebt hat, mit denen er befreundet war.

Eros und Leidenschaft sind die Maßstäbe dieses Künstlers, dem die Schönheit so nahe war wie der Tod, dem die Abgründe des Lebens nicht fremd waren und der sich dennoch selbst treu blieb. MONDO LUX ist ein intimer Raum - ein Raum in dem jeder Tag unvergleichlich wird angesichts der verbleibenden Lebenszeit. Werner Schroeter starb am 12. April 2010.

Berliner Zeitung: "Mondo Lux" ist als Film selbst Beleg dafür, dass Werner Schroeter nach einem nomadischen Leben in den letzten Jahren auch in Deutschland noch einmal eine neue Grundlage für seine Arbeit gefunden hatte. Er wurde allmählich wieder entdeckt als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen deutschen Films, als der er in Frankreich immer schon gegolten hatte. Wenn man sieht, wie Isabelle Huppert in "Mondo Lux" über ihn spricht, dann lässt sich dieser romanische Umweg von Schroeter als eine der ästhetisch wertvollsten Erfahrungen der Generation von Fassbinder bis Wenders begreifen.
» Bert Rebhandl: Vermächtnis mit Antigone

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Man tänker sitt Poster Man tänker sitt
Schweden 2009, 78 min
Regie u. Buch: Fredrik Wenzel, Henrik Hellström
Kamera: Fredrik Wenzel
Darsteller: Sebastian Eklund, Jörgen Svensson, Hannes Sandahl

01.-13.04.11

Man tänker sitt (OmU)

Original version with German subtitles

Die Häuser in der westschwedischen Siedlung sind aus hellem Holz und von ordentlichen Hecken umgeben. Auch die Carports und Kinderspielplätze und der Wald, der gleich hinter dem Lidl-Parkplatz beginnt, erzählen beredt vom Ideal bürgerlicher "Lebensqualität". Hier wächst ein elfjähriger Junge auf, in dessen Kopf brutale Gedanken rumoren. Sebastian lebt als Einzelkind bei seiner Mutter und beobachtet die nicht mehr ganz jungen Männer in seiner Nachbarschaft wie ein Detektiv. Der Junge spürt wie ein Seismograph die inneren Erschütterungen der Menschen um sich herum. Es ist Mittsommer, die Nachbarn feiern auf ihren Terrassen und man beginnt sich zu fürchten.

Die überaus komplizierten Kleinfamilienverhältnisse unserer Zeit aus der Perspektive eines kleinen Jungen zu sezieren, ist ein ebenso ungewöhnlicher wie genialer Schachzug. Hier wird man bei diesem Experiment immer tiefer in die heiße Hölle des Kleinbürgertums gelockt und staunt, dass der ganze Alptraum in einem Ikea-Katalog spielt.

Die Zeit: Aus dem Blickwinkel der schwedischen Regie-Debütanten Henrik Hellström und Fredrik Wenzel entlarvt sich die berühmte Werbefrage des Lebensstil-Konzerns IKEA "Wohnst du noch oder lebst du schon?" als blanker Hohn. Dort, wo die beiden Drehbuchautoren und Theaterleute ihre Kamera aufgebaut haben, in einem namenlosen schwedischen Vorort mit Einfamilienhäusern und Supermarktanbindung nämlich, herrscht eine Aufgeräumtheit, die bezahlbaren Wohlstand signalisiert, in ihrem Film Man tänker sitt (der deutsche Titel lautet Burrowing) jedoch wie ein Albtraum in suspektem Feindesland wirkt.
» Claudia Lenssen: Ein Vorort wie ein Albtraum

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Sascha Filmplakat Sascha
D 2010, 102 min
Regie u. Buch: Dennis Todorović
Darsteller: Sascha Kekez, Predrag Bjelac, Ljubisa Lupo-Grujcic

01.-06.04.11

Sascha

Das Leben kann verdammt kompliziert sein! Erst recht, wenn man 19 ist, schwul und heimlich verliebt in seinen Klavierlehrer. Schwulsein in Köln ist eigentlich kein Problem, es sei denn, man hatte noch kein Coming-Out, blendet aus, dass der Schwarm nicht sehr vertrauenserweckend ist, wird von der Mutter als Konzertpianist und vom Vater für die Familienheimkehr nach Montenegro verplant. Und wenn für den Vater Homosexualität eine große Schande und absolutes Tabu ist, die beste Freundin sich etwas mehr von den gemeinsamen Treffen erwartet und der Klavierlehrer verkündet, für immer aus Köln weg zu gehen, dann wird es höchste Zeit, Entscheidungen zu treffen, trotz aller Angst vor den Konsequenzen!

Der erste Kinofilm von Dennis Todorović ist eine Tragikomödie über Immigranten in einer deutschen Großstadt, den Alltag einer Familie in einem multikulturellen Viertel, die Schwierigkeit, seinen eigenen Weg zu finden.

critic.de: In mit Sorgfalt kadrierten Bildern inszeniert Todorovic sowohl die lauten und wortreichen Streitereien am familiären Küchentisch als auch das urbane schwule Milieu des "anything goes". Fast jede Figur in dem Film, und davon gibt es nicht wenige, sehnt sich nach etwas anderem oder trauert verpassten Gelegenheiten nach: Die Mutter wünscht sich mehr berufliche Erfüllung, der Vater war einmal ein vielversprechender Basketball-Spieler, der adrette schwule Klavierlehrer will den Schritt in die große Karriere wagen. So ist Sascha auch ein Film über Sehnsucht – nicht nur die romantische oder sexuelle, wohlgemerkt.
» critic.de: Sascha

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Die Jungs vom Bahnhof Zoo Filmplakat Die Jungs vom Bahnhof Zoo
Dokumentarfilm
D 2011, 83 min
Regie: Rosa von Praunheim

01.-06.04.11

Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Rosa von Praunheim ist einer der dienstältesten Filmemacher und Protagonisten der schwullesbischen Bewegung in Deutschland. Der 1942 in Riga geborene, in Ostberlin aufgewachsene und mit seiner Familie 1953 in den Westen geflüchtete Regisseur drehte Filme wie Die Bettwurst (1970) und Männer, Helden, schwule Nazis (2005).

In seinem neuen Dokumentarfilm werden spannende und authentische Lebensgeschichten von Strichern zusammengeführt, um das Phänomen "Männliche Prostitution" losgelöst von Klischees zu verdeutlichen.

Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten von fünf Strichern, drei von ihnen sind Roma, einen von ihnen begleitet das Kamerateam in sein rumänisches Heimatdorf. Die zentrale Figur des Films ist Daniel, der sich mit 16 Jahren am Berliner Bahnhof Zoo zu prostituieren begann. Auch Sozialarbeiter, Wirte von Stricherkneipen und Freier kommen zu Wort und kommentieren die Situation der Stricher aus verschiedenen Blickwinkeln.

epd-Film: Kino, das ist für Rosa von Praunheim Leben. Seine Filme, ob fiktiv oder dokumentarisch, sind immer zugleich Politik und Poesie, pragmatische Lebenshilfe und künstlerische Reflexion. Und Praunheim ist als Filmemacher stets Teil der Welten, die er porträtiert: als Provokateur, Impresario oder Forscher und in letzter Zeit als neugierig-beobachtender Gesprächspartner. Jetzt hat Praunheim eine Art dokumentarisches B-Picture über das Phänomen der Männerprostitution gemacht, schnell und doch genau überlegt, schmutzig und doch voller Emotionen.
» epd-Film: Rezension von Hans Schifferle

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