Programmarchiv Mai 2011

Veranstaltungen im Mai

27.05. 22:00 Uhr

Film in Sounds 18
Trance & Ritual

acoustic cinematic experiments

Hannes Kies Saxophon, Bassklarinette, Peul-Flöte
Christian Magnusson Trompete
Diego Pinera Schlagzeug

Ritual A

Les maîtres fous
(The Mad Masters)

F 1955, 36 Min. - Regie: Jean Rouch

Der französische Regisseur und Résistancekämpfer Jean Rouch (1917-2004) gilt als Meister des ethnografischen Films und Begründer des Cinéma Vérité. Berühmt wurde sein Kurzfilm über ein Ritual der westafrikanischen Sekte Hauka. Er zeigt einen Kult, bei dem die Teilnehmer in Trance von Geistern besessen werden, die für die ehemalige europäische Kolonialmacht stehen.

Ritual B

Inauguration of the Pleasure Dome

USA 1954, 38' - Regie: Kenneth Anger

Die Göttin Shiva lädt zu einem rauschenden dekadenten Fest ein, infolge dessen alle geladenen Götter unter Drogeneinfluß stehen und in Trance verfallen. Legendärer Kultfilm des amerikanischen Undergroundkinos vom Avantgardisten Kenneth Anger (*1927).

Film in Sounds 18

FILM IN SOUNDS experimentiert mit Musik und Film, live im ältesten noch lebenden Kino der Stadt. Musiker aus der ganzen Welt spielen vor der Leinwand zu Filmen und Bildern und improvisieren neue Soundlandschaften.

Film in Sounds 18

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31.05. 19:00 Uhr

Novo/Debatte

Kopftuch, Burka, Minarett: Kann Europa religiöse Toleranz tolerieren?

Diskussionsveranstaltung über die Bedeutung religiöser Toleranz im heutigen Europa. Die NovoDebatte – das Liveformat von NovoArgumente – wird in Zusammenarbeit mit dem britischen Manifesto Club organisiert.

Darf eine Angestellte verschleiert zum Dienst erscheinen? Nicht in Hessen, das als erstes Bundesland ein Burka-Verbot im Staatsdienst erlassen hat. Nach dem bereits das Kopftuch für Lehrerinnen in einigen Bundesländern verboten wurde, hat sich damit die Debatte über muslimische Symbole in der Öffentlichkeit weiter zugespitzt. Damit scheint Deutschland einem europäischen Trend zu folgen. Während das Tragen der Burka in Frankreich und in Belgien verboten ist, hat die Schweiz den Minarettbau untersagt.

Stellt Europa seine eigene säkulare Tradition über religiöse Toleranz? Religiöse Minderheiten scheinen bei vielen Ablehnung hervorzurufen. Wie viel Toleranz verträgt unsere Gesellschaft und wie sollten wir mit befremdlich erscheinenden religiösen Praktiken und Überzeugungen umgehen?

anschliessend:

Shahada

D 2010, 92 Min. - Regie: Burhan Qurbani - Buch: Burhan Qurbani, Ole Giec - Darsteller:: Anne Ratte-Polle, Marija Škaričić, Carlo Ljubek, Maryam Zaree, Sergej Moya

Der episodisch angelegte Film erzählt von drei jungen Muslimen in Deutschland. "Shahada" ist eine der fünf Säulen des Islam und bedeutet: Entscheidung für einen Weg, ein Bekenntnis. Jeder der Helden ist für sich in eine Glaubenskrise geraten, an der er zu zerbrechen droht und die ihn zwingt, eine für sein Leben tief greifende Entscheidung zu treffen. Der Abschlussfilm des Regisseurs an der Filmakademie Baden-Württemberg nahm am Wettbewerb der Berlinale 2010 teil und erhielt zahlreiche Preise.

NovoDebatte Logo
Manifesto Club Logo

Diskussionspodium:

Josie Appleton
Convenor, Manifesto Club London

Christian Beck
Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland

Sabine Beppler-Spahl
Redakteurin NovoArgumente

Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami
Institut für Islamwissenschaft, Freie Universität Berlin

Serkan Tören
Mitglied des Bundestags (FDP) und Mitglied des Bundesvorstandes der Türkischen Gemeinde Deutschland

Shahada - Filmplakat

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Filme im Mai

26.05. - 01.06.11

Wer wenn nicht wir

Deutschland in den frühen 1960ern: Der junge Bernward Vesper (August Diehl), Sohn des NS-Dichters Will Vesper, trifft Anfang der 1960er Jahre die Frau seines Lebens: Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis). Beide schwören sich ewige und bedingungslose Liebe. Auf der Suche nach der Wahrheit hinter der Fassade der Bundesrepublik Deutschland werden sie Teil der Studentenrebellion und proben den Aufstand gegen die Eltern und die Verhältnisse.

Bernward verdient als Verleger am radikalen Schick seiner Zeit und beginnt, auf endlosen Drogentrips nach Erkenntnis zu suchen. Gudrun reichen Erkenntnisse nicht mehr, sie will handeln und die Welt umstürzen. Als beide ein Kind bekommen, scheinen sie noch einmal zueinander zu finden. Aber dann taucht mit Andreas Baader (Alexander Fehling) ein anderer Mann auf, bedingungsloser und konsequenter als Bernward, und alle drei werden von den Fliehkräften einer Geschichte erfasst, aus der es kein Zurück gibt.

In seinem ersten Spielfilm beleuchtet der preisgekrönte Dokumentarfilm-Regisseur Andres Veiel (Black Box BRD, Die Überlebenden) den Aufbruch einer Generation und erzählt von der gesellschaftlichen und privaten Vorgeschichte des deutschen Terrorismus. Der Film basiert auf dem Sachbuch "Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus" von Gerd Koenen. Jenseits der 68er-Klischees begibt sich der Film zurück auf Anfang und taucht tief ein in die entscheidenden Jahre der Bundesrepublik: die frühen 1960er.

Der Tagesspiegel: Eines der vielen Verdienste von Andres Veiels Film "Wer wenn nicht wir" besteht darin, dass er der Versuchung entgangen ist, einen weiteren Film über die RAF zu drehen. Zwar spielt darin Andreas Baader (von Alexander Fehling sympathischer zum Leben erweckt als Baader je war) eine wichtige Rolle, aber im emotionalen Triebwerk des Films bleibt er eine wichtige Nebenfigur. Bevor Baader als Häuptling der RAF Schlagzeilen macht, kommt Veiels Filmerzählung zu ihrem Ende. In ihrem Zentrum steht – wie in Gert Koenens herausragender Studie "Vesper, Ensslin, Bader", die dem Film als Vorlage gedient hat – ein Liebespaar aus den sechziger Jahren, wie es sich unglücklicher und paradigmatischer nicht erfinden lässt.
» Das Freudlose jener Jahre

Wer wenn nicht wir
D 2011, 124 Min. - Regie u. Buch: Andres Veiel - Darsteller: August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Susanne Lothar
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Wer wenn nicht wir - Filmplakat
Wer wenn nicht wir - Filmszene
Wer wenn nicht wir - Filmszene
Wer wenn nicht wir - Filmszene
Wer wenn nicht wir - Filmszene

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19.05. - 01.06.11

Die Mondverschwörung

Als Chefreporter des deutschsprachigen US-Senders DDCTV hat Dennis R. D. Mascarenas schon viele heiße Eisen angepackt. Doch sein neuester Auftrag treibt ihn an den Rand der Verzweiflung. Beim Versuch, das Verhältnis der Deutschen zum Mond auszuloten, gerät er unversehens in einen Strudel irrwitziger Erklärungsmuster, die auf absurde Weise Deutschlands finsterste Vergangenheit lebendig werden lassen.

Mehr als ein Jahrzehnt nach seiner ersten Deutschland-Recherche in der kultigen Film-Satire "Deckname Dennis" ist der amerikanische Journalist Dennis R. D. Mascarenas wieder unterwegs, um das Wesen der Deutschen auszuforschen. Und Freunde der politischen Realsatire werden auch diesmal auf ihre Kosten kommen. Denn zielsicher und nur scheinbar unbekümmert geht der füllige Amerikaner genau dort hin, wo's weh tut: in biedere deutsche Wohnstuben ebenso wie in die Hinterzimmer dubioser Kneipen, wo selbsternannte Opfer der Gesellschaft an kruden Verschwörungstheorien basteln. Nichts ist so grotesk, dass es sich nicht noch überbieten ließe. Das ist unglaublich, komisch und verstörend zugleich.

Und doch ist DIE MONDVERSCHWÖRUNG mehr als eine Nummernrevue aus dem Kuriositätenkabinett der Spinner und Sektierer. Dicht neben unserem Alltag reißt der Boden auf und gibt eine sonst nur schwer zugängliche Parallelwelt aus kuriosen Verschwörungstheorien, handfestem Antisemitismus, Nazi-Okkultismus und kruden Bedrohungsszenarien frei.

FAZ: Angesichts all dieses Wahnsinns, den die Protagonisten seines neuen Films ja bereitwillig in die Öffentlichkeit tragen, scheint auch Frickel selbst ein wenig blümerant geworden zu sein - und manche seiner Befragten waren nicht leicht zu handhaben. Umso souveräner geht Frickel vor. Er stellt niemanden bloß, er demonstriert und dokumentiert mit Schnitt und Ton, durch die Musik von Dietmar Staskowiak und mit dem stoischen Blick des Reporters Mascarenas. Zwischen Lachlust und Entsetzen schwankend, gerät der Zuschauer von der Mondkosmetik zum Neonazismus: ein wahrer Mondkosmos, der zeigt, dass unsere immer komplexer werdende Welt so manchen dazu treibt, allenthalben esoterische Blüten zu hegen. Die dann sicher irgendwer bei Vollmond erntet.
» Wahnsinn und Methode

Die Mondverschwörung
Realsatire - D 2010, 85 Min. - Regie: Thomas Frickel
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Die Mondverschwörung - Filmplakat
Die Mondverschwörung
Die Mondverschwörung
Die Mondverschwörung

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19.05. - 01.06.11

Unter dir die Stadt

Die Bezeichnung Berliner Schule musste im Laufe der Zeit für diverse künstlerische und wissenschaftliche Gruppierungen und Strömungen herhalten, für Schüler Arnold Schönbergs beispielsweise, oder für die Einschlafmusiker um Klaus Schulze, Tangerine Dream und Ash Ra Tempel, in der Ägyptologie wie Psychologie, für Schachspieler und eben auch für eine Gruppe von Regisseuren, die zwar nicht aus Berlin kommen, aber sich hier an der DFFB kennengelernt hatten und eine ähnliche Filmsprache verfolgen.

Die Berliner Schule, das sind Christian Petzold, Angela Schanelec und Thomas Arslan, später wurden dann von der Filmkritik neben diversen Regisseuren auch die Müchner Filmabsolventen Maren Ade, Benjamin Heisenberg und Christoph Hochhäusler dazugerechnet. Hören können sie den Begriff alle nicht mehr, aber so schnell ist er wohl nicht aus der Welt zu kriegen.

Unter dir die Stadt nun ist Hochhäuslers dritter Kinofilm, nach Milchwald (2003) und Falscher Bekenner (2005). Auch wenn es wie ein Kalauer klingt, Hochhäusler hat einen Film gemacht, der in den Frankfurter Hochhäusern spielt.

Der Bankmanager Roland Cordes verliebt sich in Svenja, die Frau eines Angestellten. Sie beginnen eine heimliche Beziehung, die sie mehr und mehr beansprucht und ihre bisherige Existenz bedroht. Roland nutzt seine Machtstellung, um den Ehemann von Svenja zu verdrängen: Er soll versetzt werden.

FAZ: "Unter dir die Stadt" betreibt eine Art Mimikry an die Welt, die er beschreiben will. Zu Zeiten, als Antonioni, der hier ein ferner Pate ist, Filme machte, hätte man wohl von "Entfremdung" gesprochen. Darin verbarg sich die Gewissheit, zwischen eigentlichem und uneigentlichem Zustand, letztlich also auch zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können. Von dieser Gewissheit ist nicht viel geblieben. Der Wunsch, ein anderer zu sein, ist nur noch ein Spiel.
» Wenn alles zusammenbricht

Unter dir die Stadt
D 2010, 105 Min. - Regie: Christoph Hochhäusler - Darsteller: Robert Hunger-Buhler, Nicolette Krebitz, Mark Waschke
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Unter dir die Stadt - Filmplakat
Unter dir die Stadt
Unter dir die Stadt
Unter dir die Stadt

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12. - 25.05.11

True Grit (OmU)

Original version with German subtitles

Die 14jährige Mattie Ross reist nach Fort Smith in Arkansas, um ihren erschossenen Vater zu identifizieren. Alle wissen, dass der Mörder Tom Chaney ist, aber niemand - auch der Sheriff nicht - will ihr helfen, den Mörder dingfest zu machen. Also wendet sich Mattie Ross an den rauen, alkoholsüchtigen und einäugigen Marshall Rooster Cogburn. Der ist über das Angebot der jungen Lady gar nicht egeistert, sagt aber dennoch zu, denn 100 Dollar Kopfgeld sind 100 Dollar Kopfgeld. Gemeinsam mit dem jungen Texas Ranger La Boeuf, der sich ihnen anschließt, machen sie sich auf den Weg. Ihre Reise verläuft nicht besonders harmonisch, denn Cogburn ist genervt von La Boeuf und seinem Pfadfindergetue.

Vorlage für den Film bildet der Roman "Die mutige Mattie" von Charles Portis, der 1969 erstmals von Henry Hathaway - deutscher Titel war Der Marshall - verfilmt wurde. Für seine darstellerische Leistung, die vorzüglich komödiantisch angelegt war, erhielt John Wayne als versoffener Kopfgeldjäger den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Ethan und Joel Coen wollten sich in ihrer Neuverfilmung mehr auf die literarische Vorlage konzentrieren. Hier erzählt Matti Ross die Geschichte aus einer späteren Perspektive. Die Coens verleihen dem Stoff eine zeitlose Künstlichkeit und kondensieren die klassischen Mythen des Western zum Neowestern.

Der Spiegel: Können Cowboys reden? Verfügen Revolverhelden über ein Sprachzentrum? Oder ziehen sie nur deshalb so oft ins Duell, weil kommunikative Vorgänge sie überfordern? Jeder Western, mag er auch noch so hart sein, ist immer auch eine Komödie. Denn spätestens wenn die Männer Stetson und Waffe ablegen, um sich ohne Bleivergießen zu artikulieren, also vor Gericht oder vor dem anderen Geschlecht, was moralisch im klassischen Western ungefähr dieselbe Instanz ist, spätestens dann geraten sie ins Stottern... Ethan und Joel Coen haben nun das Remake eines späten John-Wayne-Westerns in Szene gesetzt - es ist, oh Wunder, ein Film über Sprache geworden. Ein Film, der kommunikationsunfähige Wracks beim Reden zeigt. Und es ist, obwohl man mehr als einmal lachen muss, ganz und gar keine Komödie. Im Gegenteil, "True Grit" ist das Drama einer ganz jungen und einer ganz alten Person, die genre-typisch "tun, was sie tun müssen" - aber auch eine Sprache suchen, um sich zu legitimieren. Jedes Wort wird so zur Kugel.
» Am Anfang war das Blei

True Grit
USA 2010, 110 Min. - Regie: Joel & Ethan Coen - Darsteller: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin
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True Grit Filmplakat
True Grit Jeff Bridges
True Grit John Wayne

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12. - 18.05.11

Der mit den Fingern sieht

Der blinde Maler Esref Armagan hat noch nie in seinem Leben etwas gesehen: keine Farben, keine Formen, keine Räume, keine Gegenstände. Kein Schwarz und kein Weiß. Kein Licht und kein Schatten. Dennoch malt er all dies so, als könne er es sehen. Er ist ein künstlerisches und wissenschaftliches Phänomen.

Man könnte seine Fähigkeiten für so unglaublich halten, dass man eine Täuschung vermuten müsste. Aber der türkische Maler ist nachweislich seit seiner Geburt blind. Esref Armagan kommt aus armen Verhältnissen und hat nie eine Schule besucht. Lange war er hilflos und mittellos. Heute hat der 57-jährige Türke Ausstellungen in Istanbul, Chicago, Shanghai, in Holland, Tschechien und Italien.

Der Filmemacher Savas Ceviz hat den einzigartigen Maler in seinem Alltag begleitet und ihm beim Malen über die Schulter geschaut. Esref zeigt dem Regisseur die Techniken und Geheimnisse, die er sich in mehr als vier Jahrzehnten angeeignet hat. Äußerst engagiert hat Savas Ceviz einen Menschen porträtiert, dessen Leben, Fähigkeiten und Kenntnisse viele Klischees in Frage stellen und den Blick öffnen für Möglichkeiten jenseits der allgemeinen Vorstellungskraft. Der mit den Fingern sieht ist insofern auch ein Plädoyer, vorgefertigte Auffassungen zu hinterfragen und sich auch für zunächst Unglaubliches zu öffnen.

Der mit den Fingern sieht
Dokumentarfilm
Türkei/D 2011, 90 min
Regie: Savaş Ceviz

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Der mit den Fingern sieht - Filmplakat
Bill Clinton Porträt

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05. - 18.05.11

In einer besseren Welt (OmU)

Original version with German subtitles

Jedes Jahr arbeitet der idealistische Arzt Anton für mehrere Monate in einem afrikanischen Krisengebiet. In seiner Heimat in der dänischen Provinz kommt er aber nicht mehr klar: Die Ehe droht zu scheitern, weil seine Frau jemand anderen kennengelernt hat. Sein Sohn Elias hat sich in der Schule mit einem Außenseiter angefreundet, was ihn in eine schlimme Situation bringt. Danach sinnen die beiden Jungs auf Rache.

Für ihr allegorisches Schuld-und-Sühne-Drama über einen Mann, der sich entscheiden muss zwischen der Bewahrung seiner ideellen Haltung und seinem Glauben an Gerechtigkeit, erhielt die Regisseurin von Open Hearts und Nach der Hochzeit den Auslandsoscar 2011. Das Drehbuch zum Film schrieb sie zusammen mit Autor und Regisseur Anders Thomas Jensen (Flickering Lights, Adams Äpfel), mit dem sie auch ihre vorhergehenden Filme realisierte.

Berliner Zeitung: Der Sprengstoff, mit dem das Drehbuch von Anders Thomas Jensen operiert, ist der moralische Rigorismus des großen Kindes Christian. Dieser Junge misst die Welt der Erwachsenen an deren Prinzipien. Er wirft dem eigenen Vater Heuchelei im Umgang mit dem Tod der Mutter vor und bemerkt an Elias' Vater, wie wirkungslos gewaltfreie Konfliktlösungsversuche sind, wenn es Stärkeren einfach Spaß macht, Schwächere zu quälen. Dieser Christian ist ein Terrorist der Aufrichtigkeit, ein Gewalttäter der Humanität, einer, der für das Richtige mit schrecklichen Mitteln kämpft.
» Wie Christian lernte, die Bombe zu lieben

In einer besseren Welt
OT: Hævnen
DK/SE 2010, 117 min
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Anders Thomas Jensen, Susanne Bier
Darsteller: Mikael Persbrandt, Trine Dyrholm, Markus Rygaard, Ulrich Thomsen

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In einer besseren Welt Poster

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05. - 11.05.11

Godard Trifft Truffaut - Deux De La Vague (OmU)

Original version with German subtitles

Jean-Luc Godard wurde 1930 geboren; Francois Truffaut zwei Jahre später. Die Liebe zum Film bringt die beiden zusammen, als sie für dasselbe Filmmagazin schreiben: "Cahiers du Cinema and Arts". Der Jüngere der beiden macht als erster den Schritt zum Filmemacher. Mit dem Film Sie küssten und sie schlugen ihn feiert er gleich einen Triumph beim Filmfestival in Cannes. Mit diesem Erfolg in Rücken ermöglicht Truffaut seinem Freund Jean-Luc Godard als Regisseur zu arbeiten - er bietet ihm an, das Drehbuch von Außer Atem zu verfilmen. Godard greift zu und wird mit 1960 seinem ersten Langfilm nun ebenfalls bekannt.

Die Nouvelle Vague als weitreichend bekannte, neue Stilrichtung ist nun endgültig geboren. In den 1960ern unterstützen sich die beiden gegenseitig, wo es nur geht. 1968 kommt es dann zum Bruch aufgrund unterschiedlicher politischer und geschichtlicher Ansichten. Sie finden nie wieder zusammen. Denn während Godard mehr und mehr in radikalem politischen Denken aufgeht, verfolgt Francois Truffautt weiterhin vor allem seine Karriere als Regisseur. Wie ein Scheidungskind zwischen den beiden hin- und hergerissen wird dabei der Schauspieler Jean-Pierre Leaud. Mit ihm in der gleichen Situation ist nahezu die gesamte Avantgarde des französischen Film- und Kulturbetriebs.

Godard Trifft Truffaut - Deux De La Vague ist die Geschichte einer Freundschaft. Einer Freundschaft, die in so vielem die Geschichte des französischen Kinos verkörpert. Mit faszinierendem Archivmaterial und einem vielfältigen Einblick in die Presse jener Zeit führt der Film zurück in jenes wunderbar gewaltige Jahrzehnt, das die Geschichte des Kinofilms für immer verändert hat. Während Francois Truffaut bereits im Jahre 1984 früh verstarb, ist Jean-Luc Godard bis heute als Filmemacher aktiv. 2010 stellte er bei den 63. Filmfestspielen in Cannes seinen neuesten Film Socialisme mit Patti Smith vor.

Die Zeit: Dass der rebellische Bürgersohn Godard gemieden, Truffaut, der moderate Junge aus der unteren Mittelschicht, hingegen hofiert wird, sagt nicht nur viel über die Gesellschaft nach 1968 aus, sondern auch über das Kino. Während Godard das Kino bis heute in den Dienst des Politischen stellen will, hielt Truffaut bis zu seinem Tod 1984 an seiner Vorstellung vom Film als autonomes Kunstwerk fest.
» Zwei, die auszogen, das Kino zu revolutionieren

Godard Trifft Truffaut - Deux De La Vague
Dokumentarfilm
F 2010, 91 min
Regie: Emmanuel Laurent

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Godard trifft Truffaut Filmplakat
Godard trifft Truffaut
Godard trifft Truffaut
Godard trifft Truffaut

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01. - 10.05.11

Das Lied in mir

Auf einer Reise erkennt die Schwimmerin Maria in Buenos Aires ein ihr fremdes Kinderlied wieder. Sie spricht kein Wort Spanisch, doch ohne zu verstehen, erinnert sie sich an den Text und die Melodie des Liedes. Verstört unterbricht sie ihre Reise und bleibt in der fremden Stadt, wo sie überraschend ihrem Vater begegnet. Der beichtet seiner Tochter die Wahrheit um ihre tatsächliche Herkunft. Als ihre leiblichen Eltern 1980 der argentinischen Militärdiktatur zum Opfer fielen und verschwanden, wurde Maria adoptiert und kam nach Deutschland.

Mehrfach ausgezeichneter und einfühlsam inszenierter Debütfilm, der von seiner dramatischen Geschichte und den großartigen Schauspielleistungen seiner Hauptdarsteller lebt.

Der Spiegel: Cossen geht (gemeinsam mit Co-Autorin Elena von Saucken) das plakative und potentiell aufwühlende Thema extrem feinnervig an: Scham und Wut über die Verstrickungen in die Verbrechen der Junta werden sinnträchtig, aber niemals simplifizierend über das kleine Filmpersonal verhandelt... ein kluges, zuweilen grausam genaues Spiel mit jenen psychosozialen Parametern, durch die wir glauben, uns definieren zu können.
» Mein Schwiegervater, der Terror und ich

Das Lied in mir
D 2010, 94 min
Regie: Florian Cossen
Darsteller: Jessica Schwarz, Michael Gwisdek

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Das Lied in mir Plakat

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