Programmarchiv Juni 2011

FILM IN SOUNDS

24.06. 22:30 Uhr

FILM IN SOUNDS 19

Bunuel & Dali

acoustic cinematic experiments

Christian Magnusson Trompete
Michael Thieke Klarinette und Altsaxophon
Alexandre Babel Schlagwerk

Scene A

Un chien andalou

F 1929, 16 Min. - Regie, Produktion, Schnitt: Luis Buñuel. Drehbuch: Salvador Dalí, Luis Buñuel

Die Hand, die Ameisen, die Brüste, der Po, das Auge, das Messer, der Schnitt... diese knappe Viertelstunde Film mit ihrer kleinen surrealistischen Montage schrieb Filmgeschichte und machte ihre beiden Schöpfer über Nacht berühmt.

"Doch was vermag ich gegen diejenigen, die geil sind auf alles Neue, selbst wenn es ihren tiefsten Überzeugungen ins Gesicht schlägt, gegen eine Presse, die unaufrichtig oder käuflich ist, gegen dieses stumpfsinnige Pack, das 'schön' oder 'poetisch' gefunden hat, was im Grunde nur ein verzweifelter, ein leidenschaftlicher Aufruf zum Mord ist."
-- Luis Buñuel

Scene B

L'Âge d'Or

F 1930, 60 Min. - Regie: Luis Buñuel. Drehbuch: Salvador Dalí, Luis Buñuel

Das filmische surrealistische Manifest: Verachtung und Abscheu gegenüber allen bürgerlichen Institutionen wie Familie, Religion, Kultur, Vaterland, Armee, also allen Pfeilern der Gesellschaft. Nur die anarchistische Liebe darf bestehen. Der Film wurde im gleichen Jahr in Frankreich verboten und blieb es tatsächlich bis 1981.

"Die bürgerliche Moral ist für mich Unmoral, die man bekämpfen muss." -- Luis Buñuel

Verlosung
Zum Konzert verlosen wir die DVD Ein andalusischer Hund / Das goldene Zeitalter sowie ein Plakat und 1x2 VIP-Tickets für die Dalí-Ausstellung, gestiftet vom Dalí-Museum am Potsdamer Platz.

Film in Sounds 19 Logo

FILM IN SOUNDS experimentiert mit Musik und Film, live im ältesten noch lebenden Kino der Stadt. Musiker aus der ganzen Welt spielen vor der Leinwand zu Filmen und Bildern und improvisieren neue Soundlandschaften. In der 19. Ausgabe werden die beiden berühmten Filme von Salvador Dalí und Luis Buñuel behandelt.

Film in Sounds 19

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Büchner, Lenz und Goethe

22.06. 19:30 Uhr

Lesung

Lentz liest Lenz

Der Poet Michael Lentz liest Georg Büchners Novelle LENZ

LENZ ist ein Psychogramm des Dichters Jakob Michael Reinhard Lenz, der zunächst Goethe bewunderte und zu ihm freundschaftliche Beziehungen unterhielt, aber später von diesem abgewiesen wurde. In seinen letzten Lebensjahren verschlechterte sich sein Geisteszustand rapide, am Morgen des 04. Juni 1792 wurde Lenz in einer Moskauer Straße tot aufgefunden.

Film

Lenz

In Anwesenheit von Egon Günther

D 1992, 90 Min. - Regie: Egon Günther. Darsteller: Jörg Schüttauf, Christian Kuchenbuch, Anja Kling

Der junge Jörg Schüttauf spielt den 20jährigen Lenz, der in Straßburg die Protagonisten des Sturm und Drang kennenlernt – Goethe, Klinger, Herder. Lenz verehrt Goethe und ist betrübt, als dieser dem Ruf an den Weimarer Hof folgt. Als ihn Lenz fünf Jahre später besucht, ist er enttäuscht. Goethe hat sich den dort herrschenden Mächten angepaßt. Zwischen den Freunden kommt es zum Streit… Das eindringliche Porträt einer gescheiterten Existenz wirft einen kritischen Blick auf den Dichterfürsten J. W. Goethe.

Eine Veranstaltung der Galerie auf Zeit mit Michael Lentz und Egon Günther

Mehr über...

Michael Lentz
Poet, Literat, Musiker, Professor, Präsident; geb. am 15. Mai 1964 in Düren, lebt in Berlin und Leipzig

Michael Lentz

Egon Günther
Regisseur und Schriftsteller; geb. am 30. März 1927 in Schneeberg; Filme (Auswahl): Abschied, Junge Frau von 1914, Der Dritte, Lotte in Weimar, Die Leiden des jungen Werthers

Egon Günther und Inge Keller

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Filmreihe Carl Andersen

16. - 21. Juni 2011

Carl Andersen

Er ist wieder da! Nach längerer Abwesenheit wird der österreichische Berlin-und Beziehungs-Filmemacher Carl Andersen mit einem kleinen Sechs-Tage-Rennen unser Programm bereichern. Der eigenwillige Andersen hatte bei seinen letzten Filmen mit einem immer kleineren Budget und immer größeren Fertigstellungsproblemen zu kämpfen. Sein bislang letzter und auch bester und unterhaltsamster Film - Chien Fuck! - gedreht 2006, wurde erst 2008 aufgeführt. Nun gibt es endlich ein neues Werk des Harcore-Ösis - The Ratman And His Muses. Wir zeigen diesen sowie drei weitere Filme, alle in Anwesenheit von Carl Andersen.

Anneliese Holles, Filmemacherin:
Der in Österreich geborene Filmemacher Carl Andersen ist bekannt für seine manchmal eigenwilligen, oftmals schmerzhaft ehrlichen Beobachtungen brüchiger Beziehungen und wilder sexueller Abenteuer. Besonders gerne porträtiert er Frauen, die keine Angst davor haben ihre Meinung zu äußern, auch wenn das dem feministischen Blickwinkel manchmal widerspricht. Frauen, die sich nicht davor schrecken, böse, unbeliebt, traurig oder einfach nur verloren zu sein. Andersen hat keine Angst davor, die dunklen und destruktiven Seiten der menschlichen Natur zu zeigen, wo Kommunikation kaum noch stattfindet und Menschen nicht immer funktionieren. Gleichzeitig erstaunt er uns mit Bildern voller Leidenschaft, Spaß und Lust am Abenteuer. Er spiegelt unsere eigenen Ängste und Hoffnungen durch seine Charaktere und zeigt uns, das das Leben magisch sein kann und jeder Moment, gut oder nicht, ein existentielle Köstlichkeit ist.

Carl Andersen
geb. am 15. Mai 1958 in Wien, lebt seit 1991 in Berlin und lässt das Filmemachen nicht

Carl Andersen 2001

Carl Andersen stellt sich gern in den Vordergrund, hier in Andersens Märchen von der Liebe (2001)

Carl Andersen 2000

Carl Andersen in Die Sehnsucht nach dem Mehr (2000)

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Do 16.06. + Sa 18.06. 22:00 Uhr

The Ratman And His Muses (dt./engl. OV/UT)

Premiere Do 16.06. in Anwesenheit von Carl Andersen

Ein Mann mit momentanem Zweifel über sein Leben begegnet seiner Muse in Gestalt eines jungen Mädchens, dessen Naivität und Frische seine verloren geglaubte Neugierde wieder erweckt – und ebenfalls seine Vision als Filmemacher.

Er beginnt diese fragile Verbindung filmisch zu dokumentieren, wie auch seine subtilen Verführungsversuche. Zwischendurch sucht er Rat bei seinem weiblichen Alter Ego in Gestalt einer reifen Besucherin - die ihre eigenen traurigen Liebesgeschichten zu erzählen hat.

Mit im Boot ist wie auch schon in den vorherigen Filmen Andersens die unvergleichlich exzentrische polnische Künstlerin Malga Kubiak mit den fragwürdigen Penglisch-Kenntnissen.

The Ratman And His Muses
D 2011, 76 Min. - Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Carl Andersen. Musik: Kitty Braun & Mark Collinson. Darsteller: Julia Sonntag, Malga Kubiak, Carl Andersen

Carl Andersen The Ratman and his Muses 01
Carl Andersen The Ratman and his Muses 02

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Fr 17.06. + So 19.06. 22:00 Uhr

Chien Fuck!

In Anwesenheit von Carl Andersen

Filmische Collage um eine glücklose Dreiecksbeziehung und authentische Liebesgeschichten; gleichzeitig traurig, brutal, komisch und berührend.

Hartmut Mechtel: Depressiv, anarchisch und komisch
Was Erwin Leder aus seinem Kürzest-Interview an Intensität herausholt, könnte Schauspielstudenten als Lehrmaterial dienen. Und Malga Kubiak ist beim Interview-Monolog überwältigend in ihrem verbitterten Overacting. Ja, die Liebe ist mal wieder unmöglich und guter Sex schwer zu bekommen, und Underground-Filmemacher haben es nicht leichter als der Rest der Welt. Das ist durchaus düster und schwer. Und doch hat der Film eine Leichtigkeit, die mitreißt. Das bewirkt Kitty Braun. Unter diesem Band-Namen treten zwei Mädchen auf, die wahrscheinlich singen können, zumeist aber kreischen und schräge Töne von sich geben. Dabei sind sie ansteckend frisch und natürlich und (sorry, wenn es wie ein Macho-Spruch klingt) so süß, daß man sie einfach mögen muß.

Chien Fuck!
D 2006, 63 Min. - Regie: Carl Andersen

Carl Andersen Chien Fuck 01
Carl Andersen Chien Fuck 02

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Mo 20.06. 22:00 Uhr

Eiszeit (dt./engl. OV)

In Anwesenheit von Carl Andersen

Sezierende Blicke auf oberflächliche (lesbische) Paarbeziehungen zeigen sarkastisch das Dilemma unterschiedlicher (Sexual)Bedürfnisse und den Aufeinanderprall zwischen Mittelklasse und Underdogs.

Hartmut Mechtel: Depressiv, anarchisch und komisch
Ein stilles Kammerspiel, in dem sich die lakonisch beobachteten Emotionen überschlagen bis hin zur Verständlichkeit. Angesiedelt in einer Szene, die man kennt, wenn man in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg (oder den entsprechenden Vierteln anderer Städte) wohnt und mit Kunst und Künstlern zu tun hat - oder mit denen, die gern Künstler wären oder die schon mal jemandem begegnet sind, der auch gern Künstler wäre. Beleuchtet mit dem Spot gnadenloser Wahrheit, der Alltägliches als tragisch und die Tragödie als grotesk, also auf finstere Weise auch komisch erscheinen läßt. Natürlich sind am Ende alle gescheitert, aber das waren sie ja auch schon am Anfang. Wer immer strebend sich bemüht, entkommt doch nicht dem Bösen.

Eiszeit
D 2004, 90 Min. - Regie: Carl Andersen

Carl Andersen Eiszeit 01
Carl Andersen Eiszeit 02
Carl Andersen Eiszeit 03

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Di 21.06. 22:00 Uhr

Lick an Apple like a Pussy (engl. OV)

The Movie Stanislawski never made

In Anwesenheit von Carl Andersen

Von Sexszenen obsessierte Filmemacherin versucht ständig, ihre zunehmend entnervten Darsteller von ihrer künstlerischen Vision zu überzeugen. Irritation, Chaos und Wut sind die Folge.

Berliner Zeitung: Kein Geld, aber eine blaue Matratze!
"Stand alles in der Anzeige", zischt Marga K. Pokiewski, die Underground-Filmerin mit der Echtheitsobsession, in Ehrfurcht gebietendem Englisch. Man bringt sich in Filmen ja auch nicht wirklich um. Doch die Augen der Polin sprechen eine andere Sprache. "Stanislawski oder Tod", formuliert sie ihr schauspielerisches Glaubensbekenntnis. Wenn es nicht echt ist, ist es nicht wahr. Wem das nicht passt, der kann nach Hause gehen. Irgendwann fragt eine Darstellerin mit einem nackten Mann zwischen den Beinen genervt, ob das ganze eine voyeuristische Show für sie sei. »

Lick an Apple like a Pussy
D 2002, 63 Min. - Regie: Carl Andersen

Carl Andersen Pussy 01
Carl Andersen Pussy 02

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Dokumentarfilme

30.06. - 06.07. 18:00 Uhr

Waste Land (OmU)

Original version with German subtitles

Vik Muniz, 1961 in São Paulo geboren, gilt als einer der wichtigsten brasilianischen Gegenwartskünstler, seit Mitte der 80er Jahre lebt er vorwiegend in New York. Für seine großformatigen Arbeiten verwendet er die unterschiedlichsten Materialen – Lebensmittel ebenso wie Müll. Vik Muniz hat sich wiederholt auch sozial engagiert.

Waste Land dokumentiert eines seiner aufwendigsten Projekte – die Entstehung einer Installation im "Jardim Gramacho", die vielleicht größte Mülldeponie der Welt, gelegen in einem Außenbezirk von Rio de Janeiro. Dort leben viele der ärmsten Menschen vom Müll, indem sie ihn auf die unterschiedlichste Weise recyceln. Man nennt sie "Catadores", "Pflücker".

Zu ihnen gehören Menschen wie Tiao, ein charismatischer Träumer, der eine Kooperative der "Catadores" gegründet hat; der in Bücher vernarrte Zumbi, der ein wahrer Intellektueller ist; oder die 18 Jahre alte Suelen, Mutter von zwei Kindern und mit dem dritten schwanger: Seit ihrem siebten Lebensjahr arbeitet sie im Müll und ist sehr stolz darauf, dass sie sich niemals prostituieren musste.

Unter der Anleitung von Vik Muniz erschaffen sie ein außerordentliches Kunstwerk, indem sie Porträts von sich formen – im Müll, aus Müll. Die Dokumentation dieser Arbeiten erhielt eine Oscar-Nominierung und den Publikumspreis beim Sundance Festival, die Kunstwerke wurden in London versteigert - so schön kann Kapitalismus sein.

Berliner Zeitung: Leben auf der Müllkippe
Die Oscar-Jury liebt solche Szenen, in denen auf unermessliches Leid die Erlösung folgt. Die Nominierung hat sich "Waste Land" aber auch so verdient. Walker glaubt nun mal nicht an dokumentarische Neutralität. Muniz' schwer erträgliche Begeisterung für das eigene Werk und die "Transformation" des Lebens durch die Kunst wird ungefiltert wiedergegeben. Oder ist das alles nur gespielt? Am besten betrachtet man den Film als eine fulminante Trickserei, den "Großen Müll-Schwindel" des Vik Muniz. Wie der immer öfter gemeinsame Markt von Kunst und Charity eigentlich funktioniert, begreift man danach ganz gut. »

Waste Land
Dokumentarfilm
UK/Brasilien 2010, 102 Min. - Regie: Lucy Walker, João Jardim, Karen Harley
Musik: Moby

Waste Land - Filmszene
Waste Land - Filmszene
Waste Land - Filmszene
Waste Land - Filmszene
Waste Land - Filmszene

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09. - 21.06.11

Unter Kontrolle

Eine Archäologie der Atomkraft

In kraftvollem Cinemascope zeigt der ästhetisch ausgefeilte Film das Innere diverser Kernkraftwerke - und den Menschen als irritierendes Fremdteilchen in der von ihm selbst geschaffenen Welt: Arbeitsabläufe, Beteuerungen der Pressesprecher über die Zuverlässigkeit der redundanten Sicherheitssysteme, gigantische Schalttafeln, dröhnende Turbinenhallen, weiß glühende Brennstäbe im Kühlwasser, Betriebsbesprechungen in Fachchinesisch, Dekontamination, Übungen im Schulungszentrum, Wartungsarbeiten - all das bleibt unkommentiert.

Wie ein Science Fiction-Film, der die großen Technikträume der 60er Jahre wiederaufbereitet und zeigt, wie die alten Visionen in der modernen Technik und in den Vorstellungen ihrer Verwalter weiterleben. Keine Schreckensbilder und keine Enhüllungen von Skandalen, sondern eine distanzierte Innenansicht einer dämonisierten Technologie.

taz: Womit zu rechnen ist
Und im Grunde haben wir es hier ja tatsächlich mit einer modernen Religion zu tun, mit einer technokratischen Variante des Vertrauens auf einen berechenbaren Gott, der nicht würfelt. In keiner einzigen Szene geht es Sattel um so etwas wie eine Denunzierung dieses Systems, im Gegenteil gewinnt der atomare Sektor hier mit jedem Schritt hinein in das Szenario eine unvermutete Vertrautheit - die fremde und seltsame Welt wird durch die Dialekte der Ingenieure, durch ihr gelassenes Sprechen, durch die fast schon behaglich durchexerzierten Katastrophenpläne zu einem Exempel umsichtiger Sorgfalt und eingebauter Absicherungen. »

Unter Kontrolle
Dokumentarfilm
D 2011, 98 Min. - Regie: Volker Sattel

Unter Kontrolle - Filmszene
Unter Kontrolle - Filmszene
Unter Kontrolle - Filmszene
Unter Kontrolle - Filmszene

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02. - 08.06.11

TransNational Mannschaft

Die Mannheimer Stadtteile Jungbusch und "Filsbach" weisen einen Migrantenanteil von über 60% auf. Kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch in der deutschen Nationalelf wider und doch treten sie alle für Deutschland an. Die Dokumentation zeigt sieben Protagonisten aus Jungbusch und Filsbach während der Fußball-WM 2010 und fragt nach, was für sie Heimat und nationale Identität bedeuten. Beispielsweise die Polizistin Zuzanna, deren Eltern aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen oder der deutsch-afghanische Lebensmittelhändler Bashir.

Spielerisch und leicht zeigt die Dokumentation von Philipp Kohl was eine multiethnische Gesellschaft ausmacht und wie sie in Deutschland gelebt wird. Die beiden Mannheimer Stadtviertel stehen wiederum stellvertretend für eben jene Entwicklung vor allem in deutschen Großstädten, die schon längst Realität und alles andere als "gescheitert" ist. Eine Liebeserklärung nicht nur an Mannheim, sondern auch an die Menschen, die dieses unkomplizierte Zusammenleben erst möglich machen.

Die Zeit: Der Özil in uns alllen
Empirisch beweist Kohl: Migrationshintergrund ist nur ein bürokratisches Wort, das keine Gruppe zusammenfügen kann. Im Kleinen hingegen kann Deutschland vielen Menschen Heimat sein. Dabei kann die Nationalmannschaft immer wieder gut als Folie herhalten. "Wer war der beste Deutsche heute?", schreit einer am Ende des Films. Und der Chor aus all den vielen verschiedenen Deutschen brüllt zurück: "Özil!". »

Trans National Mannschaft
Dokumentarfilm
D 2010, 95 Min. - Regie: Philipp Kohl

Transnationalmannschaft - Filmplakat
Transnationalmannschaft - Filmszene
Transnationalmannschaft - Filmszene

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Spielfilme

23. / 25. - 29.06. 22:00 Uhr

Kaboom (OmU)

Original version with German subtitles

Filmstudent Smith führt ein ruhiges Studentenleben auf dem Campus. Er hängt mit seiner besten Freundin Stella rum, schläft mit der schönen London und hat sich in seinen schönen Mitbewohner Thor verknallt, einen etwas einfach gestrickten Surfer - doch dann kommt die Nacht, die alles verändert ...

Unter dem Einfluss von Space Cookies, die er auf einer Fete gegessen hat, ist Smith davon überzeugt gesehen zu haben, wie das geheimnisvolle rothaarige Mädchen, das ihn in seinen Träumen verfolgt, ermordet wurde. Auf der Suche nach der Wahrheit gerät er immer tiefer in den Sog mysteriöser Geschehnisse, die nicht nur sein Leben, sondern das der gesamten Menschheit verändern werden.

Gregg Araki geann mit diesem ästhetisch hochpolierten Hybrid aus sexuell aufgeladener Teenager-Komödie und in gruselige Endzeitstimmung getauchter Science Fiction die erste Queere Palme in Cannes. Ein schriller, apokalyptischer Softporno mit abstrusen Charakteren und Sprüchen, in dem die Welt, wie wir sie kennen - Kaboom! - auseinander fliegt.

Der Spiegel: Vor der Apokalypse noch einen Orgasmus
Den meisten Kritikern gilt "Mysterious Skin" von 2004 als sein Meisterwerk, eine auch nicht gerade leicht verdauliche, aber unendlich berührende Geschichte über die späte Aufarbeitung eines Kindesmissbrauchs - nicht wenige hielten den Film für den Beweis, dass Araki nun endlich erwachsen geworden wäre. Gott sei Dank eine Täuschung. "Kaboom" ist einer seiner leichteren Filme, sympathisch und zugänglich, aber auch wieder wild und laut und bunt und brachial, das Leben eine gefährliche, aber lustige Party, vor der Apokalypse der Orgasmus. Und das wirkt nicht einmal angestrengt. Die große Stärke von Gregg Araki ist es, betont ungewöhnliche Charaktere in selbstverständlicher Glaubwürdigkeit zu zeichnen, ohne sie als Freaks vorzuführen. »

Kaboom
F/USA 2010, 88 Min. - Regie u. Buch: Gregg Araki
Darsteller: Roxane Mesquida, Thomas Dekker, Juno Temple, Haley Bennett, James Duval

Kaboom - Filmszene
Kaboom - Filmszene
Kaboom - Filmszene
Kaboom - Filmszene

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23. - 29.06. 20:00 Uhr

Bibliothèque Pascal

Mona will ihre Tochter zurückhaben. Doch dafür muss sie dem Jugendamt erklären, weshalb sie die Kleine überhaupt in die Obhut ihrer Tante gegeben hatte und warum sie inzwischen eine taugliche Mutter sein soll. Und so beginnt Mona, ihre surreal erscheinende Lebensgeschichte zu erzählen.

Vor drei Jahren wurde sie entführt, so kam sie auch zu ihrer Tochter, der zukünftige Vater wurde nach der Liebesnacht von der Polizei erschossen, ihr eigener Vater verkauft sie in Deutschland an Menschenhändler, die sie nach England bringen und so landet sie im titelgebenden Bordell "Bibliotheque Pascal", das als literarisches Cafe getarnt ist.

Der ungarische Regisseur Szabolcs Hajdu inszenierte diesen grotesken filmischen Fiebertraum, mit sichtlicher Begeisterung für die Arbeiten von David Lynch und Federico Fellini.

kino-zeit.de: Traumhafte Bilder eines Albtraums
Wenn die Realität unerträglich wird, helfen Träume. Das weiß das Kino seit seinen Anfängen. Aber immer wieder gab und gibt es Regisseure, die diese Wahrheit in besonders eindrücklicher Weise beherzigen. Der Ungar Szabolcs Hajdu gesellt sich mit seinem neuen Film Bibliothèque Pascal zu ihnen. Er lädt die sozialrealistisch grundierte Geschichte von Armut und Zwangsprostitution mit ebenso fantasievollen wie fantastischen Bildern auf. Eine Reise in die Welt der Gaukler und Überlebenskünstler, der Magier und Kartenleser - auf den Spuren solch bildgewaltiger Erzähler wie Federico Fellini oder Emir Kusturica. »

Bibliothèque Pascal
Ungarn/D 2010, 111 Min. - Regie u. Buch: Szabolcs Hajdu
Darsteller: Orsolya Török-Illyés, Andi Vasluianu, Shamgar Amram

Bibliothèque Pascal - Filmszene
Bibliothèque Pascal - Filmszene
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09. - 23.06.11

Winter's Bone (OmU)

Original version with German subtitles

In den Ozark Mountains in Missouri, einer archaischen Welt, die aus dieser Welt gefallen zu sein scheint, sucht die siebzehnjährige Ree ihren Vater, der untergetaucht ist und das Haus der Familie samt Grundstück verpfändet hat. Wenn sie ihn nicht auftreiben kann, wird sie mit ihren kleinen Geschwistern und der kranken Mutter auf der Straße stehen. Doch überall wohin sie kommt, schlägt ihr verhohlene und offene Ablehnung und Feindschaft entgegen.

Grandiose und preisgekrönte Verfilmung des gleichnamigen Buches von Daniel Woodrell, die mehrere Oscarnominierungen erhielt. Ähnlich wie bei den Romanen Cormac McCarthys (Blood Meridian, The Road, No Country for Old Men) beschreibt Woodrell in seinen Geschichten ein verlorenes Amerika, er nennt das "country noir". Sein zweiter Roman Woe to live on (Zum Leben verdammt) wurde von Ang Lee als Ride with the Devil verfilmt.

Die Zeit: Heldin der Wälder
Stellenweise erinnert ihr Film an die Sozialfotografie während der Großen Depression, an die Aufnahmen von gespenstisch zerfallenden Ortschaften und erschöpften Wanderarbeitern in verdreckten Kleidern. Graniks Ozark Mountains sind ein merkwürdig verwahrlostes Territorium, in dem Trailer und Blockhütten wahllos in die Landschaft gestreut sind und Müll im Vorgarten die einzige sichtbare Verbindung zur Konsumgesellschaft ist. Detailversessen hat Granik einige Rollen mit Menschen aus der Umgebung besetzt, ihr nuscheliger Dialekt und ihre wettergegerbten Gesichter verleihen der Handlung einen unaufdringlichen Realismus... Winter's Bone ist ein zugleich niederschmetterndes und zutiefst beeindruckendes Amerika-Porträt, eine einzigartige Mischung aus Gesellschaftsfilm, Thriller und Familiendrama. »

Winter's Bone
USA 2010, 100 Min. - Regie: Debra Granik, Drehbuch: Debra Granik, Anne Rosselini nach einer Vorlage von Daniel Woodrell
Darsteller: Jennifer Lawrence, John Hawkes, Lauren Sweetser

Winter's Bone - Filmszene
Winter's Bone - Filmszene
Winter's Bone - Filmszene
Winter's Bone - Filmszene

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02. - 15.06.11

Biutiful (OmU)

Original version with German subtitles

Gewaltige und poetische Reflexion über das Leben des vom Schicksal geplagten Uxbal, der sich in Barcelonas Untergrund mit unsauberen Jobs über Wasser hält. Was er auch tut, es geht nicht gut und doch hat er dabei immer das Wohlergehen seiner beiden Kinder Ana und Mateo im Sinn, die er versorgt wissen will, wenn er eines baldigen Tages nicht mehr da sein wird. Er hat Krebs im Endstadium, und die Mutter ist eine an bipolarer Störung leidende Prostituierte, der er die Sorge um die Kinder nicht anvertrauen kann.

Unter der Regie des mexikanischen Filmmagiers Iñárritu (21 Gramm, Babel) wird dieser starke und kein Problem auslassende Tobak zu einem überwältigenden und hypnotischen Opus zwischen Neorealismus und magischem Realismus, mit einer fieberhaften, atemlosen rauen Fotografie, die von einer Welt erzählt, die alles andere als wunderschön ist und vor allem durch ihre konsequente Ausweglosigkeit fasziniert.

kino-zeit.de: Diese Wiedersprüchlichkeit namens Leben
Es ist diese ungeheure Vielfalt und die Konsequenz, mit der der Regisseur die Ambivalenzen des Lebens und Sterbens Uxbals durchdekliniert, die aus Biutiful trotz der düsteren Thematik einen überaus anregenden, komplexen und vielschichtigen Film macht. Dessen schillernde Brillanz enthüllt sich erst ganz langsam und zeichnet sich nur schleichend aus dem Dunkel einer zutiefst desolaten Situation ab – dann aber wirkt sie umso länger nach. Biutifiul ist kein Film allein über das Sterben eines Mannes, sondern auch zugleich "eine Reflektion in und über das Leben", wie Alejandro González Iñárritu selbst im Presseheft zu seinem Film zu Protokoll gibt. Die Art und Weise, mit der der Regisseur die Brüchigkeit des Lebens, und seine Fragilität in Bilder fasst, ist schlicht und im doppelten Sinne B-I-U-T-I-F-U-L. »

Biutiful
MEX/ESP 2010, 147 Min. - Regie: Alejandro González Iñárritu
Darsteller: Javier Bardem, Maricel Álvarez

Biutiful - Filmplakat
Biutiful - Filmszene
Biutiful - Setfoto

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26.05. - 08.06.11

Wer wenn nicht wir

Deutschland in den frühen 1960ern: Der junge Bernward Vesper (August Diehl), Sohn des NS-Dichters Will Vesper, trifft Anfang der 1960er Jahre die Frau seines Lebens: Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis). Beide schwören sich ewige und bedingungslose Liebe. Auf der Suche nach der Wahrheit hinter der Fassade der Bundesrepublik Deutschland werden sie Teil der Studentenrebellion und proben den Aufstand gegen die Eltern und die Verhältnisse.

Bernward verdient als Verleger am radikalen Schick seiner Zeit und beginnt, auf endlosen Drogentrips nach Erkenntnis zu suchen. Gudrun reichen Erkenntnisse nicht mehr, sie will handeln und die Welt umstürzen. Als beide ein Kind bekommen, scheinen sie noch einmal zueinander zu finden. Aber dann taucht mit Andreas Baader (Alexander Fehling) ein anderer Mann auf, bedingungsloser und konsequenter als Bernward, und alle drei werden von den Fliehkräften einer Geschichte erfasst, aus der es kein Zurück gibt.

In seinem ersten Spielfilm beleuchtet der preisgekrönte Dokumentarfilm-Regisseur Andres Veiel (Black Box BRD, Die Überlebenden) den Aufbruch einer Generation und erzählt von der gesellschaftlichen und privaten Vorgeschichte des deutschen Terrorismus. Der Film basiert auf dem Sachbuch "Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus" von Gerd Koenen. Jenseits der 68er-Klischees begibt sich der Film zurück auf Anfang und taucht tief ein in die entscheidenden Jahre der Bundesrepublik: die frühen 1960er.

Der Tagesspiegel: Das freudlose jener Jahre
Eines der vielen Verdienste von Andres Veiels Film "Wer wenn nicht wir" besteht darin, dass er der Versuchung entgangen ist, einen weiteren Film über die RAF zu drehen. Zwar spielt darin Andreas Baader (von Alexander Fehling sympathischer zum Leben erweckt als Baader je war) eine wichtige Rolle, aber im emotionalen Triebwerk des Films bleibt er eine wichtige Nebenfigur. Bevor Baader als Häuptling der RAF Schlagzeilen macht, kommt Veiels Filmerzählung zu ihrem Ende. In ihrem Zentrum steht – wie in Gert Koenens herausragender Studie "Vesper, Ensslin, Bader", die dem Film als Vorlage gedient hat – ein Liebespaar aus den sechziger Jahren, wie es sich unglücklicher und paradigmatischer nicht erfinden lässt. »

Wer wenn nicht wir
D 2011, 124 Min. - Regie u. Buch: Andres Veiel
Darsteller: August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Susanne Lothar

Wer wenn nicht wir - Filmplakat
Wer wenn nicht wir - Filmszene
Wer wenn nicht wir - Filmszene
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