Programmarchiv Oktober 2011

Spielfilme

Spielfilme

27.10. - 02.11.11

The Future (OmU)

Original version with German subtitles

The Future Filmplakat

USA 2011, 91 Min. - Regie/Buch: Miranda July. Darsteller: Miranda July, Hamish Linklater. Filmwebseite »

Der zweite Spielfilm der amerikanischen Künstlerin Miranda July (Ich und Du und alle, die wir kennen). Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) leben so vor sich hin und bekommen auf einmal Restlebenspanik: "In fünf Jahren, da sind wir 40. Und 40, das ist fast 50. Was danach kommt, ist nur noch das Kleingeld im Leben." Und so adoptieren sie eine Katze an Kindesstatt, die kann auch sprechen und dann ist da noch die Sache mit den Tänzen: 30 Tage lang 30 Tänze aufnehmen und online stellen. Und was bleibt am Ende? Das große Erwachen oder die große Resignation? Das verrät jedem Zuschauer nur der Film selbst, eine collageartige Spielfilmperformance der hochgelobten Künstlerin, bestehend aus Banalitäten, Surrealismen und Philosophien.

Die Zeit: "Die Frau, die alles kann": Miranda July ist die Meisterin des Subtextes, der kleinen Details, der Absurditäten des Alltags, der Gedanken, die nicht ausgesprochen werden. All das, was nicht gesagt wird und doch so entscheidend ist in Beziehungen zu anderen: das Ringen um Nähe, die Sehnsucht danach, die Schwierigkeit, sie aufzubauen und dann auch auszuhalten. »Das kann ich wirklich gut beschreiben. Darin fühle ich mich als Superheldin«, sagt sie. Sie schafft es durch Humor, genaues Beobachten und emotionale Tiefgründigkeit, die Gegenwart in all ihrer Kompliziertheit und Skurrilität abzubilden. Auch die Figuren in ihrem Film The Future scheinen das momentane Lebensgefühl der Vereinigten Staaten widerzuspiegeln – angeschlagen, etwas isoliert, von sich selbst besessen und dabei in sich gefangen.

The Future The Future The Future The Future The Future The Future
20.10.-02.11.11

Cairo Time (OmU)

Original version with German subtitles

Cairo Time Filmplakat

Ägypten 2009, 90 Min. - Regie/Buch: Ruba Nadda. Darsteller: Patricia Clarkson, Alexander Siddig, Elena Anaya, Tom McCamus. Filmwebseite »

Eine Modejournalistin will ihren Mann in Kairo besuchen, doch der UN-Diplomat wird in Gaza aufgehalten. An der Seite des charmanten Kaffeehausbesitzers Tareq lernt sie die verführerischen und verwirrenden Reize des Orients kennen. Für die Frau beginnt ein fast märchenhafter Ausflug in eine ihr unbekannte Welt, bei dem sie ihre Sinnlichkeit wiederentdeckt. Ein faszinierender Film von der kanadisch-syrischen Regisseurin Ruba Nadda, der sich bewusst unpolitisch gibt, allen gegenwärtigen Revolten zum Trotz.

Bert Rebhandl, taz: Die Zeiten, in denen Orient bevorzugt mit Sinnlichkeit assoziiert wurde, schienen vorbei. Doch nun taucht mit Ruba Naddas Film "Cairo Time" das alte Motiv wieder auf, allerdings aus weiblicher Perspektive... Jedes Detail hat Ruba Nadda genau kalkuliert, bis zum Kameraschwenk, an dessen Ende eine nächtliche illuminierte Pyramide steht. Ägypten wird hier zur Wunschfantasie, in die sich die sozialen Probleme als eine Art Abenteuerbonus bestens integrieren lassen... Ruba Nadda, Kanadierin mit - man muss das so allgemein sagen - orientalischem Hintergrund, arbeitet so unbefangen an der Beschwörung eines alten westlichen Traums, dass man nach dem Film am liebsten gleich in einen Hamam gehen würde.

Cairo Time Cairo Time Cairo Time Cairo Time Cairo Time Cairo Time
29.09.-05.10.11

Abgebrannt

Abgebrannt Filmplakat

D 2010, 102 Min. - Regie: Verena S. Freytag. Darsteller: Maryam Zaree, Tilla Kratochwil, Lukas Steltner

Kraftvolles Drama um eine alleinerziehende junge Tätowiererin, die mit ihren drei Kindern im Wedding wohnt und immer wieder in Konflikt mit dem Jugendamt gerät. Der Sozialstaat ist Hilfe und Bürde zugleich, fordert von der Mutter einen grundlegenden Wandel ihres chaotischen Lebensstils und macht doch alles noch schlimmer. Der Film erhielt den Drehbuchpreis des Max Ophüls Filmfestivals 2011 und den Hauptpreis beim Achtung Berlin! - New Berlin Film Award 2011. Filmwebseite »

kino-zeit.de: "Anders als zunächst befürchtet hütet sich der Film vor Klischees. Vor allem die Hauptfigur Pelin (grandios verkörpert von Maryam Zaree) hat so viele kleine Facetten, dass sich die typischen Hartz IV Assoziationen alsbald verflüchtigen und dem Zuschauer ein ganzes Kaleidoskop an menschlichen Emotionen vermitteln, die zu einem genaueren Hinschauen und zum Ablegen voreilig gebildeter Meinungen einladen... Ein wichtiger und gelungener gesellschaftspolitischer Kommentar, der viel Platz lässt für eigene Gedanken und Interpretationen."

06.10.11

Schwalbennest

Schwalbennest Filmplakat

D 2009, 50 Min. - Regie: Caro Kadatz, Franka Braun. Darsteller: Johanna Leinen, Gregor Marstaller, Christoph Unglaube

Mit Filmgespräch!

Die junge Lisa lebt in einer Welt, in der Homosexualität die Norm ist. Sie wohnt in einer kleinen Stadt mit ihren zwei Vätern, die sehr um ihr Einzelkind besorgt sind. Nur ihre Leidenschaft, eine alte Schwalbe zu fahren und zu reparieren, bietet ihr Abwechslung. Lisa trifft Heinrich, einen jungen Mann, der gerade in die Stadt gezogen ist. Zunächst verbindet sie ihre gemeinsame Leidenschaft, an ihren Schwalben zu schrauben, doch bald verlieben sich die beiden ineinander, zum großen Missfallen von Lisas Vätern. Sie muss sich zwischen ihrer Familie, ihrer neuen Liebe und ihrer Freiheit entscheiden.

06.-19.10.11

How I Ended This Summer (OmU)

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How I Ended This Summer Filmplakat

Russland 2010, 124 Min. - Regie u. Buch: Alexei Popogrebski. Darsteller: Grigori Dobrygin, Sergei Puskepalis

Brillanter Film über unsere Maßstäbe von Raum und Zeit: In einer Forschungsstation auf einer Insel im Arktischen Meer, wo die Sommersonne niemals untergeht, leben nur der erfahrene Meteorologe Sergej und der junge Praktikant Pavel. Bald soll das Schiff kommen, das sie zurückbringt. Doch als Pavel einen Funkspruch erhält, der für Sergej bestimmt war, verändert sich das sensible Gleichgewicht zwischen den ungleichen Männern radikal. Berlinalegewinner 2010: Silberne Bären für die Kamera und die beiden Hauptdarsteller. Filmwebseite »

Kultiversum: Das bannt Kameramann Pawel Kostomarow in betörende Bilder: Seit den "Seascapes" des japanischen Künstlers Hiroshi Sugimoto hat niemand das subtile Spiel von Grautönen so nuanciert aufgenommen wie er.

Tagesspiegel: Der im russischen Festivalkino fast obligatorische Vater-Sohn-Konflikt wird hier sehr dezent über Stellvertreter ausgetragen, was dem Drama eine spannungsvolle Vieldeutigkeit verleiht. Vor allem aber besticht Alexej Popogrebskijs Arbeit durch seine plastische Vermittlung des Landschaftsraums. Ohne jede verfremdende Zutat werden Seelenlandschaften daraus wie einst im skandinavischen Stummfilm. Und die Besonderheit, dass in diesen Breiten Tag und Nacht nahtlos ineinander übergehen, führt schließlich zu einem ganz irrealen Zeiterlebnis, das den Eindruck des Ausweglosen noch verstärkt.

How I Ended This Summer How I Ended This Summer How I Ended This Summer How I Ended This Summer How I Ended This Summer How I Ended This Summer
29.09.-12.10.11

Midnight in Paris (OmU)

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Midnight in Paris Filmplakat

USA/Spanien 2011, 94 Min. - Regie: Woody Allen. Darsteller: Owen Wilson, Michael Sheen, Kathy Bates, Adrien Brody

Drehbuchautor Gil, kürzlich mit seiner Verlobten nach Paris gereist, verirrt sich eines Nachts in den Gassen der alten Stadt, als plötzlich ein Oldtimer vor ihm hält und ihn auf magische Weise in die 20er Jahre transportiert. Dort lernt er alle Künstler kennen, die er bewundert: Ernest Hemingway, Salvador Dalí, Luis Buñuel, Gertrude Stein, Man Ray... Berauscht saugt Gil die Inspirationen auf, die nun auf ihn einprasseln. Einer der schönsten Filme Woody Allens, ein romantisches Meisterwerk, leicht und heiter inszeniert, das mühelos jeden Kitsch in Kunst verwandelt und Schiefnase Owen Wilson in einen großen Schauspieler. Filmwebseite »

Berliner Zeitung: Wie liebevoll und mit welcher Leichtigkeit und Heiterkeit Allen das zusammenbringt, ist nur bewundernswert. Wie auch sein Umgang mit den Schauspielern... Was für ein zauberhafter Film!

Schnitt: Mit Midnight in Paris hat Allen eine wundervolle Sommerkomödie geliefert, in der er die Charaktere im besten Shakespearschen Sinne geschickt miteinander verflechtet und diese Verflechtungen dann ebenso geschickt wieder auflöst. Der Film ist ein dramaturgischer Genuß, er ist intelligent und beflügelnd, er macht einfach Spaß. Diesmal hat es Allen verdient, gehätschelt zu werden. Er hat nicht nur einen fantastischen Film gemacht, sondern seinem ganz eigenen Humor gewissermaßen die Krone aufgesetzt, indem er seinen Intellektuellen-Witz personifiziert und damit seinen persönlichen Stil persifliert hat.

Oktober 2011

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

Berlin Calling Filmplakat

D 2008, 109 Min. - Regie/Buch: Hannes Stöhr. Musik: DJ Kalkbrenner. Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch. Filmwebseite »

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre und der erfolgreichste Filme bei uns in den Tilsiter Lichtspielen ever.

Berlin Calling Berlin Calling Berlin Calling Berlin Calling Berlin Calling Berlin Calling

Dokus

Dokumentarfilme

27.10.-02.11.11

Sing! Inge, Sing! - Der zerbrochene Traum der Inge Brandenburg

Sing! Inge, Sing! Filmplakat

Dokumentation, D 2011, 118 Min. - Regie: Marc Boettcher. Filmwebseite »

Das Schicksal der deutschen Jazzsängerin Inge Brandenburg, die schon früh ihr Gesangstalent entdeckte, aber erst Ende der 1950er Jahre ihren Durchbruch hatte und als beste europäische Jazzsängerin gefeiert wurde. Doch obwohl sogar das renommierte Time Magazine sie mit Größen wie Billie Holiday verglich, wurde Brandenburg von der dt. Plattenindustrie auf Schlager reduziert, der Erfolg blieb aus, das wahre Talent und Potential der Sängerin blieb zeitlebens ungenutzt.

Auf einem Münchener Flohmarkt entdeckte vor einiger Zeit ein Sammler ein altes Fotoalbum mit Bildern einer attraktiven, ihm unbekannten Frau. Er blätterte darin und fand Autogrammkarten einer Sängerin namens Inge Brandenburg, geboren am 18. Februar 1929 in Leipzig. Der Sammler erwarb einen Teil ihres Nachlasses und wollte mehr erfahren. Gemeinsam mit dem Filmemacher Marc Boettcher erkundete er ein Leben voller Entbehrungen, Sehnsüchte und Exzesse. Ihre Eltern kamen im KZ ums Leben, in den 50er Jahren tingelte sie acht Jahre durch amerikanische Clubs, bis man sie 1960 zur besten europäischen Jazzsängerin kürte - in Frankreich, nicht in Deutschland. Dort unterschrieb sie schlechte Verträge, sie musste nun Schlager singen. Irgendwann wehrte sie sich gerichtlich, man ließ sie fallen. Sie hielt sich gerade so über Wasser, flüchtete sich in Alkoholexzesse. Man ließ ein psychiatrisches Gutachten anfertigen. Nach einer Krebsoperation zog sie sich ganz zurück. Erst in den 90er Jahren gelang ihr ein Comeback. Aber am 23. Februar 1999 starb sie einsam und verarmt in München..

Tagesspiegel: "Zeig mir, was Liebe ist": Schönheit wird manchmal aus Schmerzen geboren. Es beginnt mit geflüsterten Worten: „Jeden Morgen scheint wieder die Sonne / Doch nicht jeder hat Augen zu sehen“, dann setzen Bass und Hammondorgel ein, zum Refrain entfaltet sich mit gestochen scharfen Bläsersätzen die ganze orchestrale Wucht: „Morgen kann es schon zu spät sein / Morgen ist es vielleicht schon zu spät.“ Das tosende Finale endet in schrillen Schreien: „zu spät, zu spät“. Die Altstimme, die in dieser Aufnahme von 1971 säuselt und seufzt, wispert und wütet, gehört Inge Brandenburg. Der Text, den sie selbst geschrieben hat, handelt von Niederlagen, Schicksalsschlägen und verpassten Chancen, Dingen, die sie nur allzu gut kannte.

Sing! Inge, Sing! Sing! Inge, Sing! Sing! Inge, Sing!
13.-26.10.11

Gerhard Richter Painting

Gerhard Richter Painting Filmplakat

Dokumentarfilm. D 2011, 93 Min. - Regie: Corinna Belz. Filmwebseite »

Der 1932 in Dresden geborene und 1961 aus der DDR geflohene Gerhard Richter ist einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, der auch schon mal als „Picasso des 21. Jh.“ bezeichnet wurde. Die Dokumentation zeigt den eher öffentlichkeitsscheuen Künstler bei der Arbeit. In ruhigen und konzentrierten Einstellungen lässt der Film den Zuschauer am persönlichen und spannungsgeladenen Schaffensprozess teilhaben.

Im eindringlichen Porträt ist zu sehen, wie Richter malt, seine Bilder betrachtet und beurteilt, wie er mit ihnen kommuniziert, überlegt, verwirft, überarbeitet, manchmal auch zerstört und neu beginnt. Ein filmischer Versuch, dem großen Geheimnis künstlerischen Schaffens auf die Spur zu kommen und gleichzeitig eine faszinierende Reflexion über Film und Sehen.

Gerhard Richter Painting Gerhard Richter Painting Gerhard Richter Painting Gerhard Richter Painting Gerhard Richter Painting Gerhard Richter Painting
20.-26.10.11

Weltrevolution – Drahdiwaberl

Drahdiwaberl Weltrevolution Filmplakat

Dokumentation, Österreich 2007, 91 Min. - Regie: Klaus Hundsbichler. Darsteller: Stefan Weber und seine Freunde. Bandwebseite »

"I will a Dauererektion – I scheiß auf meinen Parkinson" singt Stefan Weber, Gründer und Leader von Drahdiwaberl, DER österreichischen Band, deren abwechslungsreiche Geschichte seit 1969 aus einer Kette von Skandalen und Exzessen besteht. Die unschlagbare Verbindung von politischen Provokationen und spontanen Gruppensexorgien auf der Bühne war wesentlich beeinflusst vom Wiener Aktionismus und den 68ern. Anfang der 80er Jahre war auch Falco dabei.

filmtipps.at: Einer österreichischen Band-Institution wird endlich das verdiente filmische Denkmal gesetzt: Liebe junge Leute, tut was für eure Bildung und seht euch die Drahdiwaberl-Geschichte im Kino an! In diesem Sinne: Auf zum letzten Gefecht!

kino-zeit.de: Amüsieren kann man sich schon bei diesem Film, wirklich verstehen wird man ihn als Piefke aber eher nicht oder nur teilweise. Und das liegt nicht allein am Wiener Schmäh, sondern auch daran, dass in "Felix Austria" die Uhren doch immer noch ein wenig anders ticken, die Kirche noch mehr Macht hat als hierzulande, die Politik noch ein Itzelchen schmieriger ist, die Seilschaften noch ein wenig undurchschaubarer. Genau das hat übrigens vermutlich dafür gesorgt, dass sich Drahdiwaberl trotz unzähliger Ankündigungen und der angeschlagenen Gesundheit Webers immer noch wacker halten und wahrscheinlich bis in alle Ewigkeiten weitermachen werden - oder zumindest bis zur versprochenen Weltrevolution. Wer sonst, so fragt man sich spätestens nach dieser sehr schrägen und höchst amüsanten Musikdokumentation, sollte die Fackel der Anarchie in Zukunft hochhalten und damit der Stachel im Fleisch der österreichischen Gesellschaft sein? Schade nur, dass es hierzulande nichts auch nur annähernd Vergleichbares gibt.

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Veranstaltungen

Veranstaltungen

Fr 28.10.11
Acoustic Cinematic Experiments

FILM IN SOUNDS #21: Buster Keaton's The General

The General Poster

USA 1926, 78 Min. - Regie: Buster Keaton, Clyde Bruckman. Darsteller: Buster Keaton, Marion Mack, Charles Henry Smith

Jazz & Experimental vor der Leinwand, mit wechselnden Musikern, die neue Soundtracks zu alten Filmen spielen. 21. Ausgabe: Buster Keaton's THE GENERAL (1926). Ein Mann, ein Mädchen, eine Lokomotive und ein Bürgerkrieg: zu Keatons Lebzeiten galt sein Meisterwerk als misslungene Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen durchfiel. Erst später wurde die sehr aufwendige Produktion angemessen gewürdigt, als ein vollkommener Film, dessen ökonomische Inszenierung einen 100%igen Wirkungsgrad erreichte. Das mit der Ökonomie galt freilich nicht für das ausufernde Budget, u.a. wurden bei den Dreharbeiten immer wieder Waldbrände durch den Funkenflug der titelgebenden Lokomotive verursacht. Man stelle sich das mal heutzutage vor... Es spielen live: Dave Bennett (Kanada) - Gitarre, Miles Perkin (Kanada): Kontrabass, Christian Magnusson (Schweden) - Trompete.

09.10.11

Blondie Chaplin Unplugged
- leider ausgefallen -

Blondie Chaplin

Blondie Chaplin, der Solointerpret und Session-Musiker der Byrds, Beach Boys und Rolling Stones live in den Tilsiter Lichtspielen, am Geburtstag von John Lennon. Im Anschluss an das Konzert läuft John Lennon‘s Musikfilm Imagine (USA 1972, 70 Min. – Regie: Steve Gebhardt, John Lennon, Yoko Ono) und eine Aufzeichnung von Keith Richards Lesung aus seinem Buch Life in der New York Public Library am 29.10.2010.

12.10.11

NovoDebatte #3: The Great Population Debate

Das Onlinemagazin NovoArgumente organisiert in Kooperation mit dem British Council und dem Londoner Think Tank Institute of Ideas eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Titel: The Great Population Debate. Die Veranstaltung ist ein Satellite Event des internationalen Battle of Ideas-Debattenfestivals in London (29. – 30. 10. Royal College of Arts).

Am 31. Oktober dieses Jahres soll die Weltbevölkerung die Sieben Milliarden-Grenze überschreiten. Obwohl wir heute im Allgemeinen gesünder und länger leben als je zuvor, löst das Bild einer stetig wachsenden Weltbevölkerung Ängste aus. Auch wenn 98 Prozent des Wachstums in den weniger entwickelten Ländern stattfindet, während die Bevölkerung in Europa schrumpft, werden beide Entwicklungen – der Bevölkerungsanstieg und der Bevölkerungsrückgang - als bedrohlich empfunden.

Andererseits zeigt die Vergangenheit, dass alle bisherigen Versuche, zukünftige demographische Entwicklungen vorauszusagen, spektakulär gescheitert sind. Sollte uns die Widerlegung vergangener Prognosen vor demographischen Zeitbomben nicht zu mehr Skepsis ermahnen? Ist eine Reduzierung der Weltbevölkerung angesichts der drängenden Probleme unserer Zeit nicht ohnehin sinnvoll? Oder ist unsere Beschäftigung mit einer angeblichen Überbevölkerung misanthropisch und pessimistisch?

Diskussionsteilnehmer:
Daniel Ben-Ami, Autor von Ferraris for All und Cowardly Capitalism;
Caroline Jane Kent, Advocacy and Campaigns Manager, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung;
Dr. Ellie Lee, Reader in Social Policy, Universität Kent, Direktor des Centre for Parenting Culture Studies;
Karl-Erik Norrman, ehem. schwedischer Diplomat, Vertreter beim Flüchtlingskommissariat und beim Welternährungsprogramm der UN, Generalsekretär des Europäischen Kulturparlaments;
Sabine Beppler-Spahl, Dipl.- Volkswirtin, Redakteurin NovoArgumente

Pristine Africa - ein filmisches Eingangsstatement der Designer Helge Fischer und Ann-Kristina Simon von Bold Futures wird zu Beginn gezeigt.

Mitternachtskino

Mario Bava

Mario Bava

Der italienische Kameramann und Regisseur Mario Bava (1914-1980) war einer der wichtigsten europäischen Horrorfilmregisseure. Seine legendären Filme aus den 60er Jahren sind herausragend durch ihr opulentes Farbenspiel und die experimentierfreudige Kameraführung, welche sehr gut fantastische und unheimliche Stimmungen ausdrücken konnten und oftmals die Themen Sexualität und Tod auf anschauliche, teils morbide Weise miteinander verknüpften, was die Rezeption bei Publikum und Kritik dieser Zeit sowohl erleichterte als auch erschwerte.

Bavas Filme sind deshalb typischerweise in den unterschiedlichsten Versionen erhältlich, meist mit reißerischen Titeln, deren grelle Farben den Filmbildern kaum nachstehen, obwohl sie oft mit den Geschichten nichts zu tun haben. Besonders üppig wie falsch sind in diesen Fällen die deutschen Filmtitel. Bava beeinflusste mit seinem Horrorkino alle nachfolgenden Generationen europäischer Genreregisseure. Wir zeigen im Mitternachtskino im Oktober und November die schönsten Produktionen Mario Bavas der 60er Jahre.

Ein Irrealis in Permanenz - Artikel von Thomas Groh über die Filmreihe in der taz »

06.-08. + 10.-12.10.11

Die Stunde, wenn Dracula kommt (OmU)

Original version with German subtitles

La maschera del demonio Poster

La maschera del demonio

Italien 1960, 87 Min. - Regie: Mario Bava. Darsteller: Barbara Steele, John Richardson

Nix Dracula. Dafür eine visuell überbordende Geschichte um die von der Inquisition hingerichtete und nun zu neuem Leben erwachte Hexe Asa - frei nach Motiven der romantischen Erzählung Wij von Nikolai Gogol. Ein Höhepunkt des barocken Horrorfilms. Der Film war Mario Bavas erste alleine Regiearbeit, für die 23jährige englische Schauspielerin Barbara Steele war es die erste Hauptrolle. Auch wenn es ihr persönlich gar nicht zusagte, spielte sie für die nächsten 15 Jahre hauptsächlich in Horrorfilmen mit und erwarb sich so den Titel "Scream Queen".

Die Stunde wenn Dracula kommt Die Stunde wenn Dracula kommt Die Stunde wenn Dracula kommt
29.10.-02.11.11

Kill Baby Kill (OV)

Original version

Operazione Paura Poster

Operazione Paura (Die toten Augen des Dr. Dracula)

Italien 1966, 83 Min. - Regie: Mario Bava. Darsteller: Giacomo Rossi Stuart, Fabienne Dali, Piero Lulli, Erika Blanc, Max Lawrence

Eigentlich ist ja der deutsche Titel "Die toten Augen des Dr. Dracula" so fantasievoll wie unverschämt, sich einfach die toten Augen bei Edgar Wallace, den Doktortitel bei Mabuse und den Grafen um des Grafen willen zu borgen. Aber ob mit oder ohne Doktorwürde, hier ist nix mit Dracula. Dafür verbirgt sich dahinter ein schaurig-schöner Gruselfilm mit gewohnt brillanter Licht- und Farbdramaturgie und Kameraführung über die schrecklichen Erfahrungen eines Inspektors in einem kleinen Dorf.

Operazione Paura Operazione Paura Operazione Paura
22.-26.10.11

Black Sabbath (OV/engl.UT)

Original version with English subtitles

Die drei Gesichter der Furcht Filmplakat

I tre volti della paura (Die drei Gesichter der Furcht)

I/F/USA 1963, 92 Min. - Regie: Mario Bava. Darsteller: Boris Karloff, Susy Andersen

Frei nach Motiven dreier Erzählungen von Tolstoi, Tschechow und Maupassant zeigt der Episodenfilm in fantastischen Bildern drei unheimliche und morbide Geschichten. Wurdalak: der Adelige Vladimir kehrt in Bessarabien in einem Gasthof ein und verliebt sich in die junge Sdenka. Doch ein Wurdalak geht um, ein Greis, der sich in einen menschenähnlichen Vampir verwandelt hatte. Der Wassertropfen: die Krankenschwester Helen entwendet den Ring einer Toten und wird durch Geräusche und das Phantom der Toten in den Tod getrieben. Das Telefon: das Callgirl Rosy, durch unheimliche Anrufe in Angst getrieben, bittet ihre Freundin Mary zu sich, doch dann eskaliert die Situation.

Die drei Gesichter der Furcht Die drei Gesichter der Furcht Die drei Gesichter der Furcht
15.-19.10.11

Der Dämon und die Jungfrau (OmU)

Original version with German subtitles

La frusta e il corpo

I/F 1963, 85 Min. - Regie: Mario Bava Darsteller: Christopher Lee, Daliah Lavi

Morbider Klassiker mit deutlich sadomasochistischer Einfärbung, etwas zu deutlich für seine Zeit, wie sich zeigte. Der herrische Kurt Menliff, brillant gespielt von Christopher Lee, kehrt auf das Schloß seiner Familie zurück. Aber seine Ankunft wird von der Verwandtschaft aufgrund unschöner Geschichten aus der Vergangenheit nicht gern gesehen. Die schöne Nevenka, die schon einmal eine Affäre mit Kurt hatte, verfällt ihm erneut. Doch dann wird Kurt ermordet. Nevenkas obsessive Leidenschaft für Kurt lässt jedoch nicht nach...

Der Dämon und die Jungfrau Der Dämon und die Jungfrau Der Dämon und die Jungfrau

Kinderkino

Kinderkino

27.-30.10.11

Vuk, der kleine Fuchs

Vuk, der kleine Fuchs

Empf. ab 6 Jahre. Ungarn 1981, 73 Min. - Regie: Attila Dargay

Das freche, aber clevere Füchschen Vuk will auch auf die nächtliche Jagd und stiehlt sich allein aus der elterlichen Höhle in den Wald. Er verliert die Spur seines Vaters, der mit Erfolg im Dorf räubert. Der aufgebrachte Förster mit seinem Hund nimmt die Verfolgung auf. Als Vuk zurückkehrt, ist die Höhle leer. Er weiß nicht, dass seine Eltern und alle Geschwister tot sind. Der alte Fuchs Karak nimmt sich seiner an und erzieht ihn zu einem großen und klugen Fuchs. Als sie ein schönes Fuchsmädchen aus der Gefangenschaft befreien, sind sie sogar zu dritt. Doch der Förster und seine Jagdhunde sind den Füchsen nicht gewogen... Sehr schöne ungarische Zeichentrickproduktion.

Vuk, der kleine Fuchs Vuk, der kleine Fuchs Vuk, der kleine Fuchs Vuk, der kleine Fuchs Vuk, der kleine Fuchs Vuk, der kleine Fuchs
Zauberer Axel Fellox
Sa 29.10.11

Zaubershow für Kinder

ca. 40 Min.

Unsere monatliche Zaubershow im Kino mit dem Illusionisten Axel Fellox, immer am letzten Samstag im Monat. Im Anschluss läuft der ungarische Zeichentrickfilm Vuk, der kleine Fuchs.

Märchenserie

Die Märchenbraut
Die schöne Arabella und der Zauberer

Die Märchenbraut

Empf. ab 6 Jahre. CSSR 1979-81. – Regie: Václav Vorlícek. Darsteller: Jiří Lábus (Rumburak), Vladimír Menšík (Karl Maier), Vladimír Dlouhý (Peter Maier), Jana Nagyová (Arabella), Dagmar Patrasová (Xenia), Vlastimil Brodský (König), Jiří Sovák (Hofzauberer Vigo), František Filipovský (Teufel Stunk), František Peterka (Fantomas)

Der Schauspieler und bekannte Märchenerzähler Karl Maier findet bei Dreharbeiten ein Glöckchen, dass beim Läuten den Zauberer Rumburak aus dem Märchenreich herbeiruft. Des Nachts nimmt ihn Rumburak mit und lässt ihn aus Versehen den Wolf aus dem Märchen von Rotkäppchen erschiessen. Chaos bricht aus, der König und seine Berater sind außer sich, Rumburak wird verbannt und sinnt auf Rache. Die Prinzessinnen Arabella und Xenia werden in die Menschenwelt geschickt, wo es immer turbulenter zugeht.

Alle Teile der berühmten und besten tschechischen Märchenfilmproduktion, auch bekannt als Die schöne Arabella und der Zauberer. Die wunderschöne und überdrehte, mit immer wieder neuen Überraschungen und Einfällen glänzende und nicht nur für Kinder sehr sehenswerte Serie entstand unter der Regie von Václav Vorlícek, von dem auch der Klassiker Drei Haselnüsse für Aschenbrödel stammt.

1. Teil: 29.09. - 02.10. 16:00 Uhr
Der Wolf ist tot - Rumburaks Rache - Liebe auf den ersten Blick

2. Teil: 06.10. – 09.10. 16:00 Uhr
Der Dackel Herr Maier - Arabella auf der Flucht - Wunschring und Zaubermantel

3. Teil: 13.10. – 16.10. 16:00 Uhr
Märchen für den Müll - Hänsel und Gretel - Verhexte Autos

4. Teil: 20.10. – 23.10. 16:00 Uhr
Rumburaks große Chance - Ein Taxi und fünf Generäle - Im Verlies der Geisterburg - Glöckliches Ende

Die Märchenbraut Die Märchenbraut Die Märchenbraut Die Märchenbraut Die Märchenbraut Die Märchenbraut

Berlin wie es war

Berlin wie es war

28.-30.10.11

Emil und die Detektive (1931)

Emil und die Detektive Filmplakat

D 1931, 75 Min. - Regie: Gerhard Lamprecht. Vorlage: Erich Kästner. Drehbuch: Billie Wilder, Gerhard Lamprecht. Darsteller: Rolf Wenkhaus, Käthe Haack, Fritz Rasp, Rudolf Biebrach, Olga Engl, Hans Albrecht Löhr, Hans Richter

Erste Verfilmung des berühmten Kinderromans von Erich Kästner. Auf der Fahrt nach Berlin wird Emil Tischbein von Herrn Grundeis ausgeraubt. Aber mit der Hilfe von Gustav und seiner Kinderbande kann Emil den freundlichen Mann mit der Melone durch die Großstadt verfolgen und schliesslich stellen. Das Drehbuch schrieb ein junger, noch wenig bekannter Autor namens Billie Wilder - für den Film erhielten er und der Regisseur Gerhard Lamprecht tosenden Applaus in den Kinos und von den Kritikern.

Kinematograph, 3.12.1931: Das Manuskript schrieb Billy Wilder. Ein junger Autor, über dessen Qualitäten viel gestritten wurde und der sich bisher, immer tastend nach neuen und originellen Formen, vielleicht hier und da noch etwas unsicher bewegte. Er verzeichnet jetzt einen Treffer ins Schwarze. Zeigt eine geradezu überragende Begabung für bestimmte Stoffe und rückt mit einem Schlag mit diesem Werk in die Reihe der ganz Großen. Er schafft seinem Film ein geradezu faszinierendes Tempo, führt seine Handlung mit logischer Konsequenz auf der Linie des Sensationsdramas von Anfang an bis zu dem Augenblick, wo sich der gewöhnliche Dieb zum Bankräuber entpuppt. Er hat in seinen jugendlichen Darstellern eine Begeisterung für den Stoff entzündet, die unerhört ist.

Emil und die Detektive Emil und die Detektive Emil und die Detektive
14.-16.10.11

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?

Kuhle Wampe Filmkurier

D 1932, 74 Min. - Regie: Slátan Dudow. Drehbuch: Bertolt Brecht, Ernst Ottwalt, Slátan Dudow. Musik: Hanns Eisler. Darsteller: Hertha Thiele, Ernst Busch, Adolf Fischer, Martha Wolter, Erwin Geschonneck

Großer Berlin- und Arbeiterfilmklassiker, bei dem Bertold Brecht am Drehbuch mitwirkte, Hanns Eisler die Musik schrieb und Ernst Busch eine Hauptrolle spielte. Berlin, Ende der 20er Jahre. In einer von der Wirtschaftskrise hart betroffenen Arbeiterfamilie erfährt der arbeitslose Sohn, der sich vergeblich um eine Stelle bemüht hat, vom ebenfalls arbeitslosen Vater, dass die Unterstützung gekürzt wird. Aus Verzweiflung stürzt er sich aus dem Fenster. Die Familie kann die Miete nicht mehr aufbringen. Ihnen wird die Wohnung gekündigt, was die Tochter Annie, die einzige, die noch Arbeit hat, trotz aller Bemühungen nicht abwenden kann. Annies Freund Fritz besorgt der Familie eine Unterkunft in der Kolonie "Kuhle Wampe".

Reclams Filmführer: "Kuhle Wampe" war der einzige eindeutig kommunistische Film der Weimarer Republik. Er wurde unter großen Schwierigkeiten unabhängig produziert. Rund ein Viertel der Szenen musste in zwei Tagen abgedreht werden. Nach seinem Erscheinen wurde der Film von der Zensur verboten, weil er angeblich den Reichspräsidenten, die Justiz und die Religion beleidige. Nach heftigen Protesten von Künstlern und Kritikern u. a. und einigen Schnitten wurde das Verbot aufgehoben. Brecht machte später dem Zensor das ironische Kompliment, er sei einer der wenigen gewesen, die den Film wirklich verstanden hätten. Er habe z. B. ganz klar gesehen, dass der Selbstmord des jungen Arbeitslosen nicht individuell, sondern 'typisch' gemeint sei.

Kuhle Wampe Kuhle Wampe Kuhle Wampe
21.-23.10.11

Berlin - Die Sinfonie der Großstadt

Berlin - Die Sinfonie der Grosstadt Plakat

D 1927, 66 Min. - Regie: Walther Ruttmann. Drehbuch: Karl Freund, Walther Ruttmann. Kamera: Karl Freund

Eine klassische Bildreportage über 24 Stunden im Leben der Metropole Berlin des Jahres 1927 - ganz mit den Augen der Kamera gesehen. Ein unglaublich eindringlicher und informativer Stummfilm von großem dokumentarischem Wert. Der Film erzählt von Arbeitern, Angestellten und Schulkindern, Kommerzienräten, Mannequins und Bettlern. Von Autos, Straßenbahnen und D-Zügen, Liebe, Hochzeit und Tod, Schlachthof, Wannsee und Zoo. Vom Rhythmus der Großstadt mit all ihren Kontrasten.

Walther Ruttmann: Tag für Tag fuhr ich mit meinem Aufnahmewagen durch die Stadt um bald im Westen den verwöhnten Kurfürstendammbewohner zu überlisten, bald im Scheunenviertel ärmstes Berlin einzufangen. Täglich wurden die Aufnahmen entwickelt und ganz ganz langsam, nur für mich sichtbar begann sich der erste Akt zu formen. Nach jedem Schnittversuch sah ich was mir noch fehlte, dort ein Bild für ein zartes Crescendo; hier ein Andante, ein blecherner Klang oder ein Flötenton und danach bestimmte ich immer von neuem, was aufzunehmen und was für Motive zu suchen waren – ich formte mein Manuskript dauernd neu während der Arbeit.

Berlin - Die Sinfonie der Großstadt Berlin - Die Sinfonie der Großstadt Berlin - Die Sinfonie der Großstadt
07.-10.10.11

Menschen am Sonntag

Menschen am Sonntag Plakat

D 1930, 74 Min. - Regie: Curt Siodmak, Robert Siodmak, Edgar Ulmer, Fred Zinnemann. Drehbuch: Billie Wilder, Curt Siodmak, Robert Siodmak. Darsteller: Erwin Splettstößer, Brigitte Borchert, Wolfgang von Waltershausen, Christl Ehlers

Billie Wilder, hier noch mit "ie", schrieb das Drehbuch zum berühmten Klassiker der "Neuen Sachlichkeit". Der semidokumentarische Spielfilm schildert sehr authentisch das Leben junger Menschen in Berlin Ende der 1920er Jahre. Seine authentische Ästhetik mit Aufnahmen an Originalschauplätzen und spontan improvisierenden Laiendarstellern beeinflußte künstlerische Strömungen wie den poetischen Realismus in Frankreich und den italienischen Neorealismus. Alle Mitglieder des Autorenkollektivs emigrierten später direkt oder auf Umwegen in die USA.

Tagesspiegel: Ebenso inszeniert die Montage die Stadt als unendliche Bewegung. Aber anders als in Walter Ruttmanns "Berlin - Die Symphonie der Großstadt" (1927), zwingt "Menschen am Sonntag" die Bewegung nicht in abstrakte Muster, deutet die Stadt nicht als gigantische Maschine. Vielmehr kontrastiert er die Bewegungsströme mit den individuellen Körpern, die uns eine phantastisch bewegliche Kamera mit nie erlahmender Neugier zeigt. Das Körperhaft-Physische gewinnt hier eine Drastik, wie sie im Weimarer Kino selten ist. Bislang unbekannt war jene Sequenz, die ein krudes Ritual junger Männer zeigt: "Schinkenklopfen" im sonntäglichen Park, Schläge auf den prallen Hintern, Spiele der Gewalt und der Lust. Die Dreiecksgeschichte und die Liebesspiele draußen am Wannsee nehmen sich vor diesem Hintergrund gänzlich anders aus.

Menschen am Sonntag Menschen am Sonntag Menschen am Sonntag
30.09.-02.10.11

Berlin - Alexanderplatz

Berlin - Alexanderplatz Plakat

D 1931, 90 Min. - Regie: Piel Jutzi. Vorlage: Alfred Döblin. Darsteller: Heinrich George, Maria Bard, Margarete Schlegel

Erste Verfilmung von Alfred Döblins Roman vom Berliner Zement- und Transportarbeiter Franz Biberkopf, der, aus dem Gefängnis entlassen, ein ehrliches Leben führen will, Straßenverkäufer wird und an den Bandenchef Reinhold und damit wieder auf die schiefe Bahn gerät. Inszenatorisch und schauspielerisch großartig, ein Klassiker, den man gesehen haben muss. Besonders hervorzuheben ist Hauptdarsteller Heinrich George in seiner wahrscheinlich bestgespielten Rolle. Die umwerfend geschriebenen und gesprochenen Berliner Dialoge allein sind einen mehrmaligen Kinobesuch wert!

Lichtbild-Bühne, 9.10.1931: Besitzt der Film nicht immer die Dichte, faszinierende Echtheit des Romans – viele hinter den Worten eines Buches schwingenden Dinge lassen sich eben schwer mit den so anderen Mitteln filmischer Ausdrucksform andeuten – so ist es den Bearbeitern doch restlos gelungen, die Idee als solche herauszuarbeiten, die Idee des Romans, deren Träger Bieberkopf ist, der über die zufälligen Gegebenheiten seiner Existenz zu einer symbolischen Figur Berlins, dieser unverstandensten aller Städte, hinauswächst. [...] Heinrich Georges Kraft, Wucht, Fülle im wörtlichen wie im übertragenen Sinne packte offensichtlich das Parkett. Undenkbar die Rolle, die die ungeheure Vitalität dieses Mannes nicht irgendwie meisterte.

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