Spielfilme

Programmarchiv März 2012

Der Junge mit dem Fahrrad Filmplakat

Der Junge mit dem Fahrrad
22.03.-04.04.2012

Der Junge mit dem Fahrrad (OmU)

Original version with German subtitles

Belgien/F/I 2011, 87 Min. Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Darsteller: Thomas Doret, Cécile De France

Der zwölfjährige Cyril hat nur einen Wunsch: Seinen Vater wiederzufinden, der ihn auf unbestimmte Zeit in einem Kinderheim untergebracht hat. Doch der Vater ist aus seiner Wohnung ausgezogen und meldet sich nicht mehr bei ihm. Bei seiner verzweifelten Suche trifft er auf Samantha, der Besitzerin eines Friseursalons, die sich bereit erklärt, ihn an den Wochenenden bei sich aufzunehmen.

Zunächst ist Cyril allerdings kaum in der Lage, die Liebe zu erkennen, die Samantha ihm entgegenbringt, und ihre Gutmütigkeit muss manche schwere Probe bestehen. Dabei ist es doch gerade diese Liebe, die Cyril am nötigsten hat, um seinen Zorn zu besänftigen.

Ein modernes Kinomärchen, das von Hoffnung und entwaffnender Menschlichkeit erzählt. Das neue, warmherzige Meisterwerk der Brüder Dardenne gewann auf den Filmfestspielen in Cannes den großen Preis der Jury.

Drive Filmplakat

Drive Filmplakat
15.-28.03.2012

Drive (OmU)

Original version with German subtitles

USA 2011, 101 Min. Regie: Nicolas Winding Refn. Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Albert Brooks, Oscar Isaac, Ron Perlman

Ein schweigsamer Stuntman und Autofreak arbeitet des Nachts als freischaffender Fluchtautofahrer für Einbrecher. Sein Leben gerät außer Kontrolle, als die Frau von nebenan sowie ein Investor der Mafia ins Spiel kommen. Verfilmung eines Romans von James Sallis, die einige Ähnlichkeiten mit Walter Hills coolem Filmklassiker Driver von 1978 aufweist.

Winding Refns Hommage ans Genre ist eine außerordentlich stilisierte Ästhetikstudie geworden, die keinerlei Wert auf Realitätsbezüge legt und sich obsessiv in exquisiten Nahaufnahmen, Gesten und Andeutungen auflöst, akzentuiert mit wenigen exzessiven Gewaltausbrüchen. Das positive Gegenstück zu Thomas Arslans hilflos-unansehnlichem Genreskelett Im Schatten.

Der Däne Nicolas Winding Refn ist einer der interessantesten europäischen Filmemacher und debütierte 1996 mit Pusher, dem später noch zwei Fortsetzungen folgten. Für Drive erhielt er in Cannes den Preis für die beste Regie.

Police, adjective Filmplakat

Police, adjective
09.-21.03.2012

Police, adjective (OmU)

Original version with German subtitles

Rumänien 2009, 113 Min. Regie: Corneliu Porumboiu. Darsteller: Dragos Bucur, Vlad Ivanov, Irina Saulescu, Ion Stoica, Marian Ghenea

Der junge Polizeibeamte Cristi erhält von seinem Vorgesetzten den Auftrag, ein paar Jugendliche auf dem Schulhof zu beschatten, die angeblich Haschisch geraucht und verkauft haben sollen. Doch Cristi weigert sich. Sollte er nämlich herausfinden, dass die Jugendlichen tatsächlich das gemacht haben, was ihnen zur Last gelegt wird, würden sie für Jahre ins Gefängnis wandern. Und für Cristi ist das Vergehen für diese Strafe nicht hart genug.

Sein vorgesetzter Offizier verwickelt Cristi daraufhin in langwierige philosophische Diskussionen über Gewissen und Moral und darüber, was ein Polizist tun muss. Irgendwann hat er Cristi derart in die Enge getrieben, dass dessen Widerstand bricht. Zudem bestärkt ihn sein Vorgesetzter auch in dem, was Cristi wirklich ist. Ein Polizist!

Ein scharfsinniger Film über den Bewusstwerdungsprozess eines Polizisten, der in seiner langsamen und doch spannenden Art von Kritikern bereits als "Anti-Thriller" gehandelt wird. Bei den Filmfestspielen in Cannes 2009 gewann der Film in der Sektion Un Certain Regard den Jury-Preis.

Die Unsichtbare Filmplakat

Die Unsichtbare
01.-14.03.2012

Die Unsichtbare

D 2011, 113 Min. Regie: Christian Schwochow. Darsteller: Stine Fischer Christensen, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Dagmar Manzel, Christina Drechsler, Anna-Maria Mühe

Fine (Stine Fischer Christensen) ist 21 und agiert als Schauspielschülerin viel zu zurückhaltend und unsicher. Doch als der bekannte Regisseur Friedmann (Ulrich Noethen) zur Überraschung aller ausgerechnet ihr die Hauptrolle in seiner Inszenierung gibt, ist Fine herausgefordert. Friedmann, der ihre Auseinandersetzung mit der extravertierten und kaputten Frauenfigur Camille wie ein Experiment in Gang gesetzt hat, treibt Fine an ihre Grenzen.

Als Camille gelingt es ihr, sich ihrem Nachbarn Joachim (Ronald Zehrfeld) zu nähern und ihn zu erobern. Zuhause hört sie auf, ihrer Mutter (Dagmar Manzel) im Umgang mit der geistig zurückgebliebenen Schwester Jule (Christina Drechsler) zu helfen und bringt damit das Familiengefüge durcheinander. Von Friedmann immer weiter herausgefordert, droht Fine sich auf der Suche nach ihrem Selbst zu verlieren.

Um Fines Weg der Selbstfindung und Selbstbehauptung geht es im zweiten Spielfilm von Christian Schwochow. Wie schon bei seinem preisgekrönten Debüt Novemberkind schrieb er das Drehbuch gemeinsam mit seiner Mutter Heide Schwochow.

Sommer auf dem Land Filmplakat
23.02.-07.03.2012

Sommer auf dem Land

Polen/D/Finnland 2010, 90 Min. Regie: Radek Wegrzyn. Darsteller: Zbigniew Zamachowski, Agata Buzek, Antoni Pawlicki, Lucyna Malec, Elzbieta Karkoszka

Ein international gefeierter Konzertpianist zieht sich nach dem Tod seiner Frau auf den Bauernhof seiner Mutter zurück. In dem kleinen Dorf an der Ostsee ergibt er sich seinem Schicksal. Doch seine resolute Mutter hat ihr eigenes Rezept, den Verzweifelten mit harter Arbeit aus seiner Lethargie zu befreien. Eines Tages macht er eine alles verändernde Entdeckung. Ausgerechnet eine überraschend musikalische Milchkuh holt ihn zurück ins Leben. Eine Entwicklung, die seine Familie und Freunde fassungslos macht.

Ein tragikomischer, skurriler Film über Liebe, Leben und Loslassen, der erzählt, wie das Leben trotz Schmerz und Trauer immer weiter geht und welche merkwürdigen Abzweigungen dieser Weg haben kann. Dabei knüpft der Film an die Traditionen osteuropäischer Filme an, indem mit großartigem Humor Schwere und Leichtigkeit des Lebens vereint werden.

Berlin Calling Filmplakat
01.-31.03.2012

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

D 2008, 109 Min. Regie/Drehbuch: Hannes Stöhr. Musik: DJ Kalkbrenner. Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch, RP Kahl, Araba Walton

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse.

Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Berlin und Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme seit langer Zeit und der erfolgreichste Film bei uns in den Tilsiter Lichtspielen.

Dokumentarfilme

Dokumentarfilme

Generation Kunduz Filmplakat

Generation Kunduz

Generation Kunduz

Generation Kunduz
23.-28.03.2012

Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen

Dokumentarfilm, D 2011, 80 Min. Regie: Martin Gerner

Kunduz, der Hindukusch, Verteidigungsminister zu Guttenberg und ein Krieg, von dem die deutsche Öffentlichkeit wenig mitbekommt. Jahrelange Schlagzeilen über einen Ort, von dem sich keiner in Deutschland ein konkretes Bild zu machen vermag. Am wenigsten über Leben und Träume der Menschen vor Ort selbst.

Generation Kunduz geht über diese Klischees hinaus. Es ist der erste und bisher einzige deutsche Kinofilm, der nach dem Luftangriff vom September 2009 eine junge Bevölkerung in Kunduz portraitiert, authentisch und ohne Begleitung durch NATO-Militär. Dies war deshalb möglich, weil mit dem Regisseur und freien ARD-Afghanistan-Korrespondent Martin Gerner ein Autor den Film verantwortet, der Land und Sprache aus vielen Begegnungen mit den Menschen und eigener Arbeit in Afghanistan seit nunmehr fast zehn Jahren kennt. Das die Arbeit auch Gefahren barg, zeigt der Film auf undramatische Art.

Erzählt wird die Geschichte von fünf jungen Männern und Frauen: Mirwais, 10 Jahre und noch ein Kind, redet über Krieg und Frieden fast wie ein Erwachsener. Nazanin, eine Lokalreporterin, kämpft für Gleichberechtigung, obwohl sie die Burka tragen muss. Hasib, ein Student, träumt von freien und fairen Wahlen. Ghulam und Khatera drehen eine Liebesgeschichte mitten im bewaffneten Konflikt. Einblick in die Seelenlage einer jungen Generation, die zwischen Taliban und ausländischem Militär aufwächst und sich nach einem arabischen Frühling am Hindukusch sehnt.

Generation Kunduz ist ein intimes Portrait der überraschend lebendigen Alltagswelt dieser jungen Afghanen. Stereotype geraten ins Wanken. Die Menschen, um die es hier geht, nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

23.03. 20:00 Uhr Filmdiskussion mit Regisseur und Afghanistan-Korrespondent Martin Gerner und Thomas Ruttig, Co-Direktor des Afghan Analysts Network, unabhängiger Autor und langjähriger Mitarbeiter diverser UN-/EU-Missionen in Afghanistan.

25.03. 18:00 Uhr Überraschungsgast: Niamatullah Ibrahimi, gerade in Berlin als 'Crossroad Asia visiting Fellow', steht nach der Vorstellung für Fragen zur Verfügung.

Versicherungsvertreter Filmplakat

Versicherungsvertreter - Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker
08.-21.03.2012

Versicherungsvertreter

Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker

Dokumentarfilm, D 2011, 79 Min. Regie: Klaus Stern

Er wollte mehr als "nur einen Krümel vom Kuchen abhaben": mit 25 hat Mehmet E. Göker mit dem Vertrieb privater Krankenversicherungen am Telefon seine erste Million verdient. Die MEG wächst, der Umsatz steigt. Die selbstherrlichen Jubel-Veranstaltungen der Firma glänzen durch megalomanischen Pomp und groteske Rituale.

Göker ist der alleinige Herrscher in diesem Imperium, das 2009 über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ein hyperaktiver Unternehmer, dem die privaten Krankenversicherer immer absurdere Provisionen zahlen. Göker ist umgeben von hörigen Gefolgsleuten, er schafft es, einen Kult um MEG zu erzeugen, dem sich die Mitarbeiter nur schwer entziehen können. MEG ist nicht nur ein Arbeitgeber, MEG ist ein Lebensstil. Kritiker sehen darin schlicht ein betrügerisches Schneeballsystem.

Ende 2009 ist MEG pleite, die Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute gegen Göker. Aktuell hat Mehmet Göker 21 Millionen EUR private Schulden. Das System hat sich selbst verschlungen. Aber Mehmet E. Göker ist wieder da - an der türkischen Ägäisküste mit über 50 Mitstreitern. Die Göker Consulting Group gehört aber seiner Mutter, er sei nur ein Angestellter - sagt Göker.

Kinderkino

Kinderkino

Tom Sawyer Filmplakat
01.03.-01.04.2012

Tom Sawyer

FSK: 6, empf. ab 10 Jahre, D 2011, 109 Min. Regie: Hermine Huntgeburth
Darsteller:
Louis Hofmann, Leon Seidel, Heike Makatsch, Benno Fürmann, Joachim Król, Peter Lohmeyer, Hinnerk Schönemann

Tom Sawyer (Louis Hofmann) hat den Kopf voller Streiche und treibt sich, wenn er nicht gerade ein neues Abenteuer ausheckt, am liebsten mit seinem besten Kumpel Huck Finn (Leon Seidel) herum - sehr zum Leidwesen seiner Tante Polly (Heike Makatsch), mit der Tom und sein Halbbruder Sid (Andreas Warmbrunn) im Städtchen St. Petersburg am Mississippi leben. Mark Twains Klassiker - neu verfilmt. Herausgekommen ist ein spannender Abenteuerfilm, wie er im Buche steht: Alle einprägsamen Episoden aus dem berühmten Jugendroman finden sich auch im Film wieder.

Als Unku Edes Freundin war Filmplakat
01.03.-01.04.2012

Als Unku Edes Freundin war

FSK: 6, empf. ab 8 Jahre, DDR 1981, 72 Min. Regie: Helmut Dziuba
Darsteller:
Axel Linder, Jacqueline Ody, Michael Falkenhagen, Nina Staritz

Berlin, Ende der 20er Jahre: Das Geld ist knapp in dem Arbeiterviertel, in dem Ede lebt. Und den Schaustellern, die eines Tages mit ihren Pferdewagen hier ankommen, begegnet man mit tiefem Mißtrauen. „Die Zigeuner“ haben einen schlechten Ruf - doch als Ede das Sintimädchen Unku kennenlernt, erfährt er, unter welchen Verleumdungen Sinti zu leiden haben. Er steht fest zu seiner neuen Freundin, obwohl sein Vater ihm den Umgang verbietet. Und Unku hilft ihm, sein Vorhaben, Zeitungsjunge zu werden, in Angriff zu nehmen. Anrührende Verfilmung des Jugendromans Ede und Unku (1931) von Grete Weiskopf alias Alex Wedding.

24.03.12 15:15 Uhr

Zaubershow für Kinder

Axel Fellox

Unsere monatliche Zaubershow im Kino mit dem Illusionisten Axel Fellox, immer am letzten Samstag im Monat. Im Anschluss läuft ein Kinderfilm.

 

Mitternachtskino

Mitternachtskino im März

The Reflecting Skin Poster

29.03./01.-04.04.12 23:45 Uhr

The Reflecting Skin (OV)

Original version

GB 1990, 95 Min. Regie/Buch: Philip Ridley. Darsteller: Jeremy Cooper, Viggo Mortensen, Lindsay Duncan, Sheila Moore

Idaho, 50er Jahre. In den endlosen goldenen Weizenfeldern spielt sich die Tragödie des 9jährigen Seth ab, der glaubt, dass die Nachbarin eine Vampirin sei. Die Witwe Dolphin Blue verlor nach kurzer Ehe ihren Mann, der sich aufhing. Seths Mutter erwartet sehnsüchtig die Rückkehr von seinem Bruder aus dem Koreakrieg und sein schwacher Vater wird mit seiner homosexuellen Neigung konfrontiert. Währendessen passieren Kindermorde und ein schwarzer geheimnisvoller Cadillac fährt durch die ebenso idyllische wie unwirkliche Gegend. Schwer beeindruckendes surrealistisches Filmgemälde über die Fantasien eines Jungen mit wunderschönen wenngleich grausamen Bildern und einer fantastischen Filmmusik.

Baxter Poster

22./25.-28.03.12 23:30 Uhr

Baxter (OV+eUT)

Original version with English subtitles

F 1989, 82 Min. Regie: Jérôme Boivin. Darsteller: Lise Delamare, Catherine Ferran, Baxter: Maxime Leroux

Ein misanthropischer, die menschliche Kultur verachtender Bullterrier bringt seine senile Besitzerin um, damit er beim jungen Paar von nebenan wohnen darf. Als die jungen Leute jedoch ein Kind bekommen, sucht sich der eifersüchtige Hund einen neuen Spielgefährten und findet ihn auf dem Schrottplatz, wo ein pubertierender Junge den Führerbunker nachbaut und schwer romantisierend von den letzten Tagen von Adolf Hitler und Eva Braun, ihrer Hochzeit und dem gemeinsamem Selbstmord schwärmt. Ein sehr eigentümlicher Film.

Il Conformista Poster

Rod Steiger in The Pawnbroker

15./18.-21.03.12 23:45 Uhr

The Pawnbroker (OV)

Original version

USA 1964, 116 Min. Regie: Sidney Lumet, Musik: Quincy Jones, Darsteller: Rod Steiger, Geraldine Fitzgerald, Brock Peters

Ein jüdischer Pfandleiher und Holocaustüberlebender, einsam in New York lebend, verbittert und voller Verachtung gegenüber den Menschen in Harlem, wird von seinen Lagererinnerungen heimgesucht, die er mit seinen alltäglichen Erfahrungen gleichsetzt. Menschlichkeit und Hoffnung sind für ihn leere Begriffe geworden. Doch als er eine ebenfalls einsame Frau, die ihm helfen will, kennenlernt, beginnt er langsam, seine Einstellung zu den Menschen zu ändern, auch wenn ihm das weitere Enttäuschungen nicht erspart. Großartige und oscarnominierte Performance von Rod Steiger in einer brillanten Inszenierung von Sidney Lumet, der mit diesem Film auch dadurch Filmgeschichte schrieb, als das es sich um einen der ersten Filme handelte, die raus auf die Straße gingen und damit sehr authentisch wirkten.

Il Conformista Poster
08./11.-14.03.12 23:55 Uhr

The Conformist (OV+eUT)

Original version with English subtitles

I/F/D 1970, 111 Min. Regie/Buch: Bernardo Bertolucci. Darsteller: Jean-Louis Trintignant, Stefania Sandrelli

Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Alberto Moravia erzählt in einem stark fragmentarischen und nicht-linearen Stil die Geschichte eines überangepassten Mannes, der Karriere im faschistischen Italien macht und zum Spion und Verräter wird. Der Film wurde mit seiner visuellen Erzählweise und der Verknüpfung von Politik und Sexualität zum ersten großen Welterfolg für Bertolucci und ist neben dem „Letzten Tango“ sein bester Film. Als sehr einflußreich erwies sich das Lichtkonzept des Filmes, dass nachfolgende Generationen von Kameraleuten stark beeinflußte.

Little Murders Filmplakat

Little Murders
01./04.-07.03.12 23:55 Uhr

Little Murders (OV)

Original version

USA 1971, 110 Min. Regie: Alan Arkin. Darsteller: Elliott Gould, Marcia Rodd, Donald Sutherland, Alan Arkin

Regiedebüt des Schauspielers Alan Arkin, das Drehbuch schrieb Jules Feiffer nach seinem eigenen Theaterstück. Sehr schwarze und absurde Komödie über einen wider Willen sehr erfolgreichen Fotografen, dessen ausgeprägte Misanthropie nur durch die Liebe einer Frau gebrochen wird, wobei in dem Augenblick, wo er endlich Lebensfreude empfindet... nun ja, das kann hier nicht verraten werden, aber es ist... absurd. Donald Sutherland glänzt in einer Szene als liberaler Prediger, der eine ungewöhnliche Hochzeitspredigt hält.

Eine der spannendsten Szenen des Filmes ist ein kleiner Monolog, den der Fotograf seiner neu gewonnenen Freundin hält; darüber dass einmal sein Briefverkehr vom Staat überwacht wurde und er in dem Moment, wo er das mitbekam, seinen anonymen Überwacher fortan in den Briefen direkt anredete und ihn unbekannterweise analysierte, danach bemitleidete und danach... jedenfalls eine sehr erschütternde und ergreifende kleine Erzählung!

Veranstaltungen

Veranstaltungen

Tinker Tailor Soldier Spy Poster

Axel Dörner mit dem Otomo Yoshihide Quartet im Weikersheimer Club W71

30.03.12 22:00 Uhr

FILM IN SOUNDS #25

Axel Dörner live

FILM IN SOUNDS ist unsere monatliche experimentelle Film- und Musikreihe, mit wechselnden Musikern, die live vor der Leinwand neue Soundtracks nicht nur zu alten Filmen arrangieren. In der 25. Ausgabe ist der Musiker und Komponist Axel Dörner zu Gast. Er ist bekannt für seine Arbeiten als Jazz-Trompeter, aber beschäftigt sich auch mit elektronischer Musik. Heute wird er unter dem Titel verfiel eigene filmische Arbeiten vorstellen und dazu am Electronics-Set spielen.

verfiel

Die Filme sind charakterisiert durch Klang, welcher unhörbar ist und nur visuell wahrgenommen kann. Es wechseln sich visuell und akustisch wahrnehmbare Klänge ab. Oder man könnte auch sagen, Bilder werden durch Klänge erzeugt. Akustisch und visuell wahrnehmbare Bilder werden in ein bestimmtes Verhältnis gesetzt, welches durch genau festgelegte zeitliche Parameter bestimmt wird. So wird Klang zu bewegten Bildern und bewegte Bilder zum Klang. In beiden spielt die Ordnung der Zeit eine wichtige Rolle. Kino als geordnete Klänge in einer musikalischen Komposition.

Little Murders

Egon Günther auf Hanns Eislers Sofa in der Villa Aurora in L.A., 09.11.2011, Foto: Thomas Günther

Egon Günther Das Kleid Filmplakat

Egon Günther Die Schlüssel Filmplakat
08.03.12 Filmabend Egon Günther
Egon Günther zum 85. Geburtstag

ein Abend für Egon...

Mit Egon Günther und Jaecki Schwarz

Thomas Günther zeigt die beiden Spielfilme Das Kleid (1961) und Die Schlüssel (1973) sowie die Aufzeichnung eines Filmgespräches mit Egon Günther zu Die Schlüssel vom 23.11.2011 in Wroclaw/Breslau. Anschliessend findet ein Publikumsgespräch mit Egon Günther und Jaecki Schwarz statt.

Das Kleid

DDR 1961, 88 Min. Regie: Konrad Petzold. Drehbuch: Egon Günther. Darsteller: Wolf Kaiser (Kaiser Max), Horst Drinda, Eva-Maria Hagen, Gerd E. Schäfer, Werner Lierck, Günther Simon

Märchensatire nach Andersens Des Kaisers neue Kleider. Zwei Tuchwebergesellen gelangen durch einen Trick in eine paradiesische Stadt, die sich durch eine Mauer nach außen schützt... Als am Ende der Kaiser nackt vor dem Volk steht, interessieren ihn nur Zahlen: "Wie viel Prozent der Bevölkerung haben gelacht?" - "Achtzig Prozent." - "Dann lassen wir sie ausweisen."

Diese verspielte und freche Verfilmung wurde der schönste Film von Konrad Petzold. Zum Verhängnis wurde dem Film seine Entstehungszeit: Ausgerechnet zwei Tage nach Mauerbau fand die Abnahme der anzüglichen Parabel statt. Da waren auch die Zensoren besonders vorsichtig und verboten sicherheitshalber das heitere Werk.

Die Schlüssel

DDR 1973, 97 Min. Regie: Egon Günther. Musik: Czeslaw Niemen, Karl-Ernst Sasse. Darsteller: Jutta Hoffmann (Ric), Jaecki Schwarz (Klaus), Magda Zawadzka, Leon Niemczyk, Jerzy Jogalla, Wolfgang Greese

Der Film wurde nach seiner Fertigstellung fast zwei Jahre auf Eis gelegt, denn seine unangepaßte, originelle Machart war den Funktionären ein Dorn im Auge. Der Film erhielt zudem „Auslandsverbot“ und wurde nie im DDR-Fernsehen gezeigt. Heute gilt er als eine der aufregendsten und künstlerisch dichtesten DEFA-Produktionen der gesamten 70er Jahre.

Egon Günther: Schlüssel war wahrscheinlich das Waghalsigste, das wir je gemacht haben. Ein offenes Drehbuch, mit Platz für Improvisationen, also für Schweinereien, wie die Zensurbonzen unterstellt hätten... Und als ich dem DEFA-Direktor sagte, ich würde am liebsten ganz ohne Drehbuch drehen, meinte er, ich sei komplett wahnsinnig. Irgendwann ließ sich dann der Kameramann entnervt krankschreiben... es war die Feigheit vor dem Freund! Aber sie ließen mich gewähren, was mir bis heute ein Rätsel ist.

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