Spielfilme

Programmarchiv April 2012

Shame Filmplakat

Michael Fassbender - Shame
19.04.-02.05.2012

Shame (OV)

Original version

GB/USA 2011, 100 Min. Regie: Steve McQueen
Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan

In seinem zweiten Film nach Hunger erzählt der bildende Künstler und Turner-Preisträger Steve McQueen mit kraftvoller Bildsprache von den geheimen Bedürfnissen seiner Protagonisten und davon, wie der Wunsch nach Nähe und die gleichzeitige Furcht davor den Menschen in der modernen, alle Freiheiten versprechenden Welt zerreißt. Besonders stark ist Michael Fassbender in der Rolle des sexsüchtigen Brandon, ein erfolgreicher und smarter Werbefuzzi, der ein exzessives Nachtleben führt. Sein gut kontrollierter Lebensrhythmus droht zusammenzustürzen, als seine exzentrische Schwester Sissy (auch sehr stark: Carey Mulligan) unangekündigt bei ihm einzieht.

Die Zeit: "Es gibt keine sexuellen Beziehungen", hat Jacques Lacan geschrieben und meinte damit, dass der reine Sex den Menschen letztlich auf sich selbst und die eigenen Projektionen und Fantasmen zurückwerfe. Ebendiese Einsamkeit verströmt Brandon. Als er eine Arbeitskollegin kennenlernt und sich mit ihr verabredet, fragt sie ihn, wie lange seine längste Beziehung gedauert habe: "Vier Monate", antwortet Brandon. Als sie von Liebe spricht, lächelt er so hilflos, als habe sie eine seltene Insektenart erwähnt.

Doris Dörrie - Glück Filmplakat

Doris Dörrie - Glück
12.-25.04.2012

Glück

D 2012, 112 Min. Regie: Doris Dörrie
Darsteller: Alba Rohrwacher, Vinzenz Kiefer, Matthias Brandt

Verfilmung einer Kurzgeschichte aus dem erstaunlichen Erzählband Verbrechen von Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach. Noah Leyden (Matthias Brandt) ist Strafverteidiger und Spezialist für die Suche nach Glück und den Moment, wo das Glück uns verlässt. Er erzählt die unfassbare Geschichte von Irina und Kalle, die diesen Moment erleben. Zwei Gestrandete, die zueinander finden und das entdeckte gemeinsame Glück mit allen Mitteln zu verteidigen suchen. Verschwenderisch wurde der Film von Doris Dörrie mit Kitsch ausgestattet und setzt voll auf die Ästhetik der Bilder.

Doris Dörrie: Wie kommt es, dass wir, die wir im Verhältnis zu den meisten anderen Menschen auf dieser Welt sehr viel haben, ständig über unser persönliches Glück reden. Das ist ein Impetus, warum ich diese Geschichte inszenieren wollte über zwei Leute, die sehr wenig Glück haben, gemessen an uns, der Mehrheit... Im allgemeinen Glücksgequatsche geht es darum, dass wir uns anscheinend unglücklich fühlen, sonst würden wir nicht so viel über unser Glück schwafeln. Wir diskutieren nicht unser Glück, sondern wir diskutieren ständig unser Unglück. Dem eine Geschichte gegenüberzustellen von einem Menschen, der wirkliches Unglück erlebt hat und dann sehr beharrlich am eigenen Glück arbeitet wie Irina, das hat mich angesprungen.

J. Edgar Filmplakat

Clint Eastwood - J. Edgar
05.-18.04.2012

J. Edgar (OmU)

Original version with German subtitles

USA 2011, 137 Min. Regie: Clint Eastwood. Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Armie Hammer, Josh Lucas, Judi Dench, Damon Herriman

In seinem 35. Spielfilm beschäftigt sich Ikone Eastwood mit dem Leben des umstrittenen FBI-Gründers J. Edgar Hoover. Fast 50 Jahre lang war Hoover der Chef des Federal Bureau of Investigation. Er überlebte die Regierungen von acht Präsidenten und drei Kriege, er kämpfte gegen reale und eingebildete Bedrohungen, wobei er die Gesetze oft recht eigenwillig auslegte.

Er war ein aufrechter Kämpfer gegen Kommunismus und Bürgerrechtsbewegungen, ein fleißiger Sammler von geheimen Dossiers über Politiker, ein Erpresser, Manipulator und Verwanzer. Und während Homosexualität übel beleumdet war, hielt er seine eigene diesbezügliche Neigung geheim. Alles in allem ein interessanter Charakter.

Als literarische Ergänzung zum Film ist James Ellroy's American Tabloid (Ein amerikanischer Thriller) sehr zu empfehlen, sein interessantester Roman, in dem Big & Show Business, Mafia, Gewerkschaften, CIA, JFK, FBI & JEH, Drogen- und Waffenhandel, Kuba und Schweinebucht zu einer fantastisch schmutzigen Collage verwoben werden.

Tinker Tailor Soldier Spy Poster

Tinker Tailor Soldier Spy
29.03.-11.04.2012

Dame, König, As, Spion (OmU)

Original version with German subtitles

GB/F/D 2011, 127 Min. Regie: Tomas Alfredson. Darsteller: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, Mark Strong, John Hurt

Der pensionierte Top-Spion George Smiley (Gary Oldman) wird 1973 überraschend wieder aktiviert: An der Spitze des britischen Secret Service - treffenderweise "The Circus" genannt - gibt es einen Maulwurf, einen Spion im Dienste des sowjetischen KGB. Smiley soll ihn entlarven.

Doch er bekommt keinen Zugang zu geheimen Unterlagen und darf niemandem erzählen, weshalb er zurückgekehrt ist. Fünf Geheimdienstler geraten in sein Visier. Aber wer ist der wahre Verräter? Smiley bleiben nur sein Instinkt, sein Verstand und seine alten Freunde, um den Verräter zu finden.

George Smiley, die zentrale Figur im Spionage-Universum von John le Carré, ist zurück auf der Leinwand. Scharfsinnig und wortkarg ermittelt er in einem brillanten Thriller, der seinesgleichen sucht.

Auch sehr zu empfehlen ist die sechsteilige Originalverfilmung der BBC von 1979, mit einem brillanten Alec Guinness in der Hauptrolle. Der Vorspann mit den Matrjoschkas ist schönste Fernsehkunst.

Berlin Calling Filmplakat
April 2012

Berlin Calling (engl.UT)

German version with English subtitles

D 2008, 109 Min. Regie/Drehbuch: Hannes Stöhr. Musik: DJ Kalkbrenner. Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel, Corinna Harfouch, RP Kahl

Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse.

Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Berlin und Friedrichshainer Hippness. Einer der besten deutschen Filme seit langer Zeit und der erfolgreichste Film bei uns in den Tilsiter Lichtspielen.

Dokumentarfilme

Dokumentarfilme

Work Hard Play Hard Filmplakat
12.-15.04.2012

Work Hard - Play Hard

Dokumentarfilm, D 2011, 90 Min. Regie: Carmen Losmann

Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Carmen Losmann hat einen zutiefst beunruhigenden und mehrfach preisgekrönten Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm.

Der Film folgt den Spuren einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. Einen Chef brauchen die modernen Mitarbeiter nicht mehr, den hat man ihnen schon längst ins Gehirn programmiert. Selbst moderne Büroarchitektur hat nur ein Ziel, den Mitarbeiter und seine Leistung zu optimieren.

Out of the Darkness

Out of the Darkness

Out of the Darkness
01.-11.04.2012

Out of the Darkness (OmU)

Original version with German subtitles

Dokumentarfilm, D 2011, 74 Min. Regie: Stefano Levi

Mit einer kompletten Krankenhaus-Ausrüstung auf dem Rücken seiner einheimischen Helfer wandern der nepalesische Chirurg Dr. Sanduk Ruit und sein amerikanischer Kollege Dr. Geoff Tabin durch das Hochland des Himalayas. Sie haben eine moderne Operationstechnik entwickelt, mit der sie schnell und kostengünstig hunderte von an Grauem Star erkrankte Menschen in abgelegenen Regionen heilen können. Die Operation ist nicht nur ein Segen für die Betroffenen selbst, sondern hat großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Gemeinschaften in den Bergen des Himalaya.

Mit atemberaubenden Bildern in der Kulisse des Himalayas gefilmt, begleitet Out of the Darkness - Der Weg ins Licht ein einzigartiges, medizinisches Projekt, welches den Bewohnern der Region den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnet. Mit großem Engagement und ohne jegliche Filmförderung oder Fernsehbeteiligung ist ein eindrucksvoller und berührenden Film im Hochland des Himalayas entstanden, der trotz der Fremdheit der anderen Kultur den Menschen sehr nahe kommt. Er dokumentiert den Kampf der engagierten Ärzte gegen die Blindheit, um auf die Problematik der vermeidbaren Erblindung in den Entwicklungsländern aufmerksam zu machen.

Kinderkino

Kinderkino im April

Das Herz des Piraten Filmplakat

Das Herz des Piraten
April 2012

Das Herz des Piraten

FSK ab 6, empf. ab 8 Jahre; DDR 1988, 83 Min. Regie: Jürgen Brauer
Darsteller: Franziska Alberg, Johanna Schall, Gojko Mitic, Hermann Beyer

Auf dem flachen Land an der Ostsee sieht jeder alles ganz genau. Da fallen zwei so bunte Vögel wie die zehnjährige Jessi und ihre alleinstehende Mutter Elise besonders auf. Was die Dorfbewohner nun wirklich nicht fassen können, ist, dass Jessi mit einem Stein spricht. Selbst die steinalte Oma Söder mit ihren abergläubischen Koboldgeschichten hat davon noch nie gehört.

Jessi hingegen hat endlich etwas, nein jemanden, gefunden, dem sie sich anvertrauen kann: Denn der Stein ist nicht gewöhnlich, sondern erwärmt sich und leuchtet in Jessis Hand – er ist das versteinerte, sprechende Herz eines vor Jahrhunderten gestorbenen Piraten. Genau wie Jessi ist es auch auf der Suche nach dem Vater. Als eines Tages der lang ersehnte Vater von Jessi wie ein Prinz auf einem Schimmel tatsächlich auftaucht, scheinen Jessis Wünsche endlich erfüllt.

Die kindliche Suche nach den eigenen Wurzeln, die Zeit des Um- und Aufbruchs, wird poetisch und mit Sensibilität in phantastischen Bildern dargestellt. Nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Benno Pludra.

The Liverpool Goalie Filmplakat

The Liverpool Goalie
April 2012

The Liverpool Goalie – oder: wie man die Schulzeit überlebt

FSK ab 6, empf. ab 10 Jahre; Norwegen 2010, 87 Min. Regie: Arild Andresen
Darsteller: Ask van der Hagen, Susanne Boucher, Mathis Asker

In der Schule ist dreizehnjährige Jo Idstad ein Außenseiter, sein Leben eine einzige Problemzone: Seit dem Unfalltod seines Vaters nervt ihn seine übervorsichtige Mutter mit ihrer ständigen Angst, ihm könne was zustoßen, Mitschüler Tom Erik zwingt ihn täglich, seine Hausaufgaben zu machen und auch im Fußballtor ist der Sonderling eine absolute Katastrophe. Freude empfindet Jo eigentlich nur bei der Jagd auf die begehrteste und seltenste aller Fußballsammelkarten: die vom Torwart des FC Liverpool!

Doch dann taucht eines Tages die hübsche, fußballbegeisterte und obendrein noch schlaue Mari in seiner Klasse auf und auf einmal ist alles andere unwichtig. Aber wie soll er – der ewige Loser, der allen Problemen konsequent aus dem Weg geht – ihr Herz gewinnen? Eine neue Strategie muss her! Und so setzt Jo alles daran, die eine Sammelkarte zu bekommen, die ihn zum Siegertypen macht – die von The Liverpool Goalie!

Der norwegische Film mit dem schrägen Humor bekam viele Preise auf internationalen Filmfestivals.

Veranstaltungen

Zazie Filmplakat
20.04. 22:15 Uhr

FILM IN SOUNDS #26

Zazie

F/I 1960, 90 Min. Regie: Louis Malle
Darsteller: Catherine Demongeot, Philippe Noiret

FILM IN SOUNDS ist unsere monatliche experimentelle Film- und Musikreihe, mit wechselnden Musikern, die live vor der Leinwand neue Soundtracks nicht nur zu alten Filmen arrangieren.

In der 26. Ausgabe zeigen wir Louis Malles Klassiker Zazie (in der Metro). Mit kindlicher Begeisterung schildert der Film die skurrilen Abenteuer der kleinen Zazie, die in 36 Stunden Paris entdeckt.

Es spielen live:

Ingvo Clauder: Keyboards
Konrad Nitsch: Schlagzeug
Christian Magnusson: Trompete

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