Programmarchiv Juni 2013

Freier Fall

Karriereaussichten bei der Bereitschaftspolizei, Nachwuchs unterwegs, die Doppelhaushälfte von den Eltern vorfinanziert: Marcs Leben ist gut eingerichtet. Doch dann lernt er bei einer Fortbildung den Kollegen Kay kennen. Beim gemeinsamen Lauftraining lernt Marc ein neues Gefühl von Leichtigkeit kennen – und wie es ist, Gefühle für einen Mann zu entwickeln. Hin- und hergerissen zwischen der ihm vertrauten Welt und dem Rausch der neuen Erfahrung gerät ihm sein Leben zusehends außer Kontrolle. Im freien Fall kann Marc es niemandem mehr recht machen. Am wenigsten sich selbst.

Der Film mit dem "schönsten Liebespaar der Berlinale" (Knut Elstermann): in den Hauptrollen als schwule Polizisten sind zu bewundern der großartige Hanno Koffler und der allseits beliebte Max Riemelt, schön schnoddrig wie immer. Und nicht zu vergessen die starke Nebenrolle als in Abseits gestellte Ehefrau: Katharina Schüttler.

Schwule Polizisten: Das klingt gefährlich nach "Relevanzkino" [..] Diese Befürchtungen kann Stephan Lacants Debütfilm "Freier Fall", der auf der Berlinale die Reihe Perspektive Deutsches Kino eröffnete, schnell zerstreuen. [..] Vor allem legt er seinen Fokus nicht auf Coming-out und Ausgrenzung im Polizeikontext, sondern auf die Liebesgeschichte zweier Männer, die nun einmal Polizisten sind. [..] Einen erheblichen Anteil am Gelingen hat das Hauptdarstellerduo, das großartig harmoniert. // Der Tagesspiegel »

Liebesdrama, D 2012, 100 Min.
Regie: Stephan Lacant
Darsteller: Hanno Koffler, Max Riemelt, Katharina Schüttler

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Freier Fall | Hanno Koffler, Max Riemelt | Filmplakat

Paradies: Hoffnung

Melanie ist ein junges Mädchen mit einem entscheidenden Problem: sie ist übergewichtig. Während ihre Mutter in Kenia Urlaub macht (Paradies: Liebe) und ihre Tante Anna Maria in christlicher Mission unterwegs ist (Paradies: Glaube), bereist Melanie die Welt der Kalorientabellen und der Sporterziehung. Zwischen Wiesenwanderungen und nächtlichen Kissenschlachten werden ihre Ferien mit anderen Jugendlichen im Diätcamp zu einer Zeit der Freundschaft. Melanie verliebt sich in den Leiter des Camps, einen 40 Jahre älteren Arzt. Sie kämpft um ihn mit der Bedingungslosigkeit der ersten Liebe und will ihn in aller Unschuld verführen. Der Doktor begehrt Melanie und versucht dennoch, gegen die Unmöglichkeit dieser Liebe anzukämpfen.

Eine jugendliche Liebe im Zeichen körperlicher Disziplinierung – in Paradies: Hoffnung zeigt sich Regisseur Ulrich Seidl von seiner versöhnlichsten und unberechenbarsten Seite. Mit großer Zartheit und ungewohnter Heiterkeit erzählt der dritte Film der Paradies-Trilogie von einer Reifeprüfung, die im Abgrund eine Hoffnung aufzuspüren weiß.

In PARADIES: HOFFNUNG inszeniert Seidl seine Charaktere mit viel mehr Nachsicht und Leichtigkeit, als in den ersten beiden Teilen. Vielleicht auch aus Respekt vor den brilliant besetzten Jungdarstellern, überschreitet er gewisse Grenzen nicht, die man durchaus von ihm gewohnt ist, was allerdings auch sehr gut in das inszenatorische Gesamtkonzept passt, das hier erneut eine gelungene Verwobenheit mit den anderen Teilen erreicht. [..] Doch im Gegensatz zu ihrer Elterngeneration lässt sich Melanie nicht bezwingen, es bleiben ihr die Räume der Subversion, es bleibt Hoffnung. // programmkino.de »

Drama, Ö/F/D 2012, 91 Min.
Regie: Ulrich Seidl
Darsteller: Melanie Lenz, Joseph Lorenz, Michael Thomas

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Paradies: Hoffnung | Ulrich Seidl | Filmplakat

No!
Originalversion mit dt. Untertiteln

Als der internationale Druck zu groß wird, lässt Diktator Pinochet 1988 in Chile eine Volksabstimmung durchführen, die über die Fortführung seiner Präsidentschaft bestimmen soll. "SI" würde ihn für weitere acht Jahre im Amt bestätigen, "NO" hingegen den Weg für freie Wahlen ebnen. Obwohl fast alle Prognosen den Sieg Pinochets voraussagen, engagiert die Opposition den jungen Werbefachmann René Saavedra für eine Kampagne gegen Pinochet.

Mit Feuereifer, aber auch sehr blauäugig stürzt sich René, der bisher nur Erfahrung mit Werbekampagnen für Erfrischungsgetränke gemacht hat, in die harte Arbeit. Doch er und sein Team sind unter ständiger Überwachung des Regimes und auch aus den eigenen Reihen strömt ihnen Unmut entgegen. Langsam wird René bewusst, mit wem er sich hier angelegt hat.

So hält der Film seine Zuschauer 118 Minuten unter Hochspannung, obwohl der Ausgang der Geschichte bekannt ist. Zum Oscar hat es, im Schatten von Hanekes "Liebe", zwar nicht gereicht. Doch auch so bleibt "¡No!" das Wunder eines unterhaltsamen und gänzlich unheroischen Politfilms, der uns mehr auch über unsere Demokratie erzählt, als wir vielleicht wissen wollen. // Der Tagesspiegel »

Drama, Chile/USA/F 2012, 118 Min.
Regie: Pablo Larraín
Darsteller: Gael Garcia Bernal, Alfredo Castro, Luis Gnecco, Jaime Vadell

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No! | Filmplakat

Take this Waltz
Originalversion mit dt. Untertiteln

Margot ist Ende Zwanzig und glücklich verheiratet. Ihr Leben scheint bereits festgefahren, bis sie eines Tages auf den geheimnisvollen Fremden trifft. Mit ihm verspürt sie die verloren geglaubte Magie, die jeden gemeinsamen Moment zu einer Flucht aus dem Alltag werden lässt. Hin- und hergerissen zwischen ehelicher Zweisamkeit und dem Verlangen nach Abenteuern, begibt sich Margot schließlich auf die Suche nach sich selbst.

Sarah Polleys bittersüße Liebesgeschichte scheint mit dieser Frage einer ganzen Generation aus der Seele zu sprechen. Der Film bewegt sich elegant zwischen Romantik, Drama, Komik und Erotik und verliert nie den Blick für die Realität ihrer Figuren. Hinreißend und erheiternd wirft der Film einen frischen Blick auf das uralte Problem, ob und wie man eine Beziehung auf Dauer aufrechterhalten kann.

"Take This Waltz" macht Toronto zum unverwechselbaren Schauplatz eines lange nachhallenden Films über die Liebe. Das ist etwas gänzlich anderes als ein Liebesfilm, und sei gerade deshalb alten wie jungen Seelen dringend ans Herz gelegt. // Der Spiegel »
Michelle Williams lebt in ihrer Rolle als Margot ihre mädchenhafte, leichtfüßige Seite aus. Weiter entfernt von ihrer Marilyn Monroe kann sie gar nicht sein. Wie sie zeigt, wie ihre Figur mit ihrer Lebensentscheidung ringt, von sich selbst überrumpelt wird, sich tastend nach einer neuen Perspektive umsieht, ist überwältigend. // Die Zeit »

Liebesdrama/Komödie
Kanada 2011, 116 Min.
Regie: Sarah Polley
Darsteller: Michelle Williams, Luke Kirby, Seth Rogen

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Take this Waltz | Filmplakat

Mitternachtskino Juni 2013

Frankenweenie
Originalversion mit dt. Untertiteln

Der junge Victor und sein kleiner Hund Sparky sind die besten Freunde und erleben zusammen viele Abenteuer. Doch dann wird Sparky von einem Auto angefahren. Der traurige Victor kann den Tod seines Freundes nicht hinnehmen und da er in der Schule in Biologie gut aufgepasst hat, erweckt er Sparky mittels Elektrizität wieder zum Leben. Allerdings wird die Freude über die Wiederkehr des geliebten Hündchens getrübt durch das etwas andere Verhalten von Sparky und das Misstrauen der Nachbarn.

Ein entzückender Puppentrickfilm in Schwarz-Weiss mit liebenswerten Figuren, der sowohl für Kinder (ab 12 Jahre) als auch Erwachsene zu empfehlen ist. Von der FBW erhielt der Film das Prädikat "besonders wertvoll". Zusätzlich zum Mitternachtskinio läuft Tim Burtons kleines Meisterwerk auch noch in der deutschen Fassung im Kinderkino.

Im Original mit den Stimmen von Catherine O‘Hara, Charlie Tahan, Martin Short, Martin Landau, Winona Ryder, Robert Capron und Tom Kenny.

Tim Burtons Puppen-Stop-Motion-Trickfilm "Frankenweenie" variiert seinen 1984 entstandenen Kurzfilm als amüsante Horrorhommage mit makabrem Humor, liebevoller Charakterisierung der Figuren und handwerklichem Charme. Sehenswert.
tip Berlin

FSK: 12, empf. ab 12 Jahre
Prädikat besonders wertvoll
Animation, USA 2012, 87 Min.
Regie: Tim Burton

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Frankenweenie | Filmplakat

Dokumentarfilme Juni 2013

Leviathan

"Die Menschheit ist vom Meer besessen. [..] Es verhandelt die Grenze zwischen Leben und Tod, Oben und Unten, Luft und Wasser. [..] Es ist unendlich schön – wenn auch beunruhigend tief."

In den Gewässern, in denen schon Melvilles Pequod Moby Dick jagte, fängt Leviathan den Zusammenprall von Mensch, Natur und Maschine ein. Ein Jahr verbrachten Castaing-Taylor und Paravel filmend mit Hochseefischern aus New England auf dem Meer. Mit einem Dutzend Kameras gedreht – die herumgeschleudert und angebunden sowie von Fischer zu Filmemacher gereicht wurden – entsteht das kosmische Porträt eines der ältesten Unterfangen des Menschen.

Wenn die Kamera sich mühelos zwischen den Elementen Wasser und Luft bewegt, im Inneren eines Fischnetzes befestigt wird oder mithilfe eines Stocks im Möwenschwarm fliegt, entzieht sie sich nicht nur dem direkten Zugriff der Regisseure, man bekommt streckenweise wirklich den Eindruck, etwas Neues zu sehen. // critic.de »
LEVIATHAN ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer Neuentdeckung des Mediums. Ein bisschen müssten sich so auch die Zuschauer der Brüder Lumière gefühlt haben, als sie die ersten Projektionen bewegter Bilder sahen. Und noch etwas wird klar: Diese Art von Kunst lebt von großer Projektion in einem stillen Raum - dem Kino. // kino-zeit.de »

Filmessay/Doku
USA/F/GB 2012, 87 Min.
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produktion: Lucien Castaing-Taylor, Véréna Paravel

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Leviathan | Filmplakat

MansFeld

Siegel Prädikat besonders wertvoll

Tom, Sebastian und Paul sind Kinder aus sehr unterschiedlichen Familien. Sie leben in einem kleinen Dorf im Mansfelder Land, einer Gegend, die vom Niedergang des Bergbaus gezeichnet ist. Eine riesige, schwarze Halde thront noch wie ein Gebirge über dem Dorf und erinnert an die vergangene Zeit. Ein archaischer Brauch ist jedoch über die Jahrhunderte geblieben, und die drei Jungen spielen eine entscheidende Rolle darin.

MansFeld taucht tief in die Kindheit der Jungen ein. Ein Film über den Wandel der Generationen und die Fortdauer von Tradition, der uns zurück in die eigene Kindheit führt. Und so sitzen wir wieder in der Schulbank, streunen durch den Wald und haben Angst im Dunkeln.

Dem Dokumentarfilmer Mario Schneider gelingt es, den Kindern wirklich nahezukommen, ihre Ängste und Sorgen genauso zu zeigen wie auch ihre kindliche Freude am Leben. Große Themen wie Glaube oder die Liebe zu den Eltern werden ganz subtil gestreift, ohne dass alles auserzählt wird. Ein beeindruckendes und authentisches Stimmungsbild einer Region in Deutschland. Und ein berührender Blick auf Kinder, die langsam in die Welt der Erwachsenen hineinfinden. // Film- und Medienbewertung (FBW) »

Doku, D 2013, 101 Min.
Regie: Mario Schneider
Prädikat besonders wertvoll

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MansFeld | Filmplakat

The End of Time

Zehn Jahre nach Gambling, Gods and LSD, seiner monumentalen Reflexion über den transzendentalen Impuls, kehrt Peter Mettler zurück mit einem Film von seltener und tiefgründiger Schönheit. Einem gleichsam poetischen wie bildgewaltigen Filmessay über die Wahrnehmungen und Vorstellungen von Zeit. Mettlers filmische Reflexionen über den Ursprung, den Zustand und die Wirkung allen Daseins machen die in dividuelle Empfindung der Gegenwart und den Einfluss eines jeden auf die Zukunft erfahrbar. Dabei entfaltet der Film eine beispiellose Sogwirkung, die einen geradezu bewusstseinserweiternden Effekt erzielt.

Peter Mettler erforscht unsere Wahrnehmung von Zeit. Er wagt es, den Film der Zukunft zu träumen, während er uns in die Wunder des Alltags eintaucht. Mit The End of Time ist Peter Mettler ein persönlicher, rigoroser und visionärer Film gelungen, der so fesselnd und überwältigend ist wie sein Thema.

THE END OF TIME ist ein Kunstwerk, das die Schwelle in ein Gebiet komplexer Theorien niedrig legt und überschreitet. Grundsympathisch in seinem Erfahrungshunger und seiner unbefangenen Neugier. Geradezu beglückend in seinem Verzicht auf abschließende Erkenntnis. Auf die Frage nach der Zeit antwortet Mettlers Mutter am Ende pragmatisch: Carpe diem! Eben. Sehenswert. // tip Berlin »

Filmessay/Doku
Kanada/Schweiz 2012, 109 Min.
Regie: Peter Mettler

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The End of Time | Filmplakat

Kinderfilme Juni 2013

Frankenweenie

Siegel Prädikat besonders wertvoll

Der junge Victor und sein kleiner Hund Sparky sind die besten Freunde und erleben zusammen viele Abenteuer. Doch dann wird Sparky von einem Auto angefahren. Der traurige Victor kann den Tod seines Freundes nicht hinnehmen und da er in der Schule in Biologie gut aufgepasst hat, erweckt er Sparky mittels Elektrizität wieder zum Leben. Allerdings wird die Freude über die Wiederkehr des geliebten Hündchens getrübt durch das etwas andere Verhalten von Sparky und das Misstrauen der Nachbarn.

Ein entzückender Puppentrickfilm in Schwarz-Weiss mit liebenswerten Figuren, der sowohl für Kinder (ab 12 Jahre) als auch Erwachsene zu empfehlen ist. Von der FBW erhielt der Film das Prädikat "besonders wertvoll". Zusätzlich zum Kinderkino läuft Tim Burtons kleines Meisterwerk auch noch in der OmU-Fassung im Mitternachtskino.

Tim Burtons Puppen-Stop-Motion-Trickfilm "Frankenweenie" variiert seinen 1984 entstandenen Kurzfilm als amüsante Horrorhommage mit makabrem Humor, liebevoller Charakterisierung der Figuren und handwerklichem Charme. Sehenswert. // tip Berlin »

FSK: 12, empf. ab 12 Jahre
Prädikat besonders wertvoll
Animation, USA 2012, 87 Min.
Regie: Tim Burton
Stimmen: Melanie Manstein, Farina Brock, Benedikt Gutjan

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Frankenweenie | Filmplakat

Die Nordsee - Unser Meer

Siegel Prädikat besonders wertvoll

Die Nordsee, das größte Meer vor unserer Haustür, hat viele Gesichter: weite Wattlandschaften, hohe Dünen, flache Halligen und schroffe Küsten. Ihre Strände locken zu jeder Jahreszeit nicht nur Urlauber sondern auch zahllose Robben an. Und unter der kühlen Meeresoberfläche verbirgt sich eine abwechslungsreiche und faszinierende Unterwasserwelt: der majestätische Riesenhai vor der Kreideküste von Dover, kampflustige Kegelrobben am Strand von Helgoland, mächtige Tintenfische an der holländischen Oosterschelde, der gruselige Grönlandhai in den Fjorden Norwegens...

An über 2.000 Drehtagen unter und über Wasser sammelten Expertenteams selten Gefilmtes und bündelten dies zu einem spektakulären Film. Der Film erhielt von der FBW das Prädikat "besonders wertvoll".

Die Nordsee ist langweilig: nur Watt, Robben und Möwenschiss? Von wegen. Diese Dokumentation ist so imposant vielfältig, dass man sofort selbst hinfahren möchte. [..] Hoffentlich haben Sie noch nicht Ihren Sommerurlaub gebucht. Denn wenn Sie diesen Film gesehen haben, dann werden Sie wohl an die Nordsee wollen. // Die Zeit »

FSK: 0, empf. ab 10 Jahre
Prädikat besonders wertvoll
Doku, D 2013, 94 Min.
Regie: Diverse
Sprecher: Axel Prahl

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Die Nordsee - Unser Meer | Filmplakat