Die guten Feinde

Die guten Feinde Dokumentarfilm

+++ So 30.07. Filmgespräch mit Regisseur Christian Weisenborn +++

Mein Vater, die Rote Kapelle und ich. Eine bewegende und sehr persönliche Aufarbeitung und Rehabilitation der nach 1945 in Ost und West gleichermaßen falsch verstandenen Widerstandsgruppe Rote Kapelle, die diesen Namen der Gestapo verdankte. Der Filmemacher Christian Weisenborn ist der Sohn des Schriftstellers und Dramatikers Günther Weisenborn, der zusammen mit seiner Freundin als einziger dem Zugriff der Gestapo und der späteren grausamen Hinrichtung aller Mitglieder dieser Gruppe entkam.

Ab 27. Juli 2017 im Programm der Tilsiter Lichtspiele

Dokumentarfilm, DE 2016, 90 Min.
Regie und Buch: Christian Weisenborn

Deutsche Fassung
German language only

Günther Weisenborn, Schriftsteller und Mitglied der Widerstandsgruppe Rote Kapelle, entkommt der Hinrichtung durch die Nazis nur knapp. 59 seiner Mitstreiter werden hingegen 1942 hingerichtet, unter ihnen seine Freunde Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Bis zu seinem Tod 1969 versucht Weisenborn zusammen mit Adolf Grimme, die zu Tode verurteilten Freunde zu rehabilitieren und den verantwortlichen Nazi-Richter Manfred Roeder zur Rechenschaft zu ziehen – vergeblich. Denn in der BRD gelten die Mitglieder der Gruppe als KGB-Agenten und Vaterlandsverräter. Selbst Stern und Spiegel gehen den Naziseilschaften, die bis in den BND reichen, auf den Leim. Und in der DDR wird die Geschichte der Widerstandskämpfer für kommunistische Propaganda missbraucht. Erst 2009 werden die Urteile gegen die Rote Kapelle offiziell aufgehoben.

Der Filmemacher Christian Weisenborn erzählt in DIE GUTEN FEINDE das dramatische Leben seines Vaters, der für die 68er-Generation zum Vorbild werden sollte: die Geschichte eines jungen Intellektuellen, der Ende der 20er Jahren aus der rheinischen Provinz nach Berlin kommt, um hier Schriftsteller zu werden, und das Leben in der Bohème in vollen Zügen genießt, bis die Machtergreifung der Nazis alle Illusionen zerstört. Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Fotos, privat gedrehtes Filmmaterial und neu geführte Interviews mit Hinterbliebenen der Roten Kapelle geben intime Einblicke in die Ängste und Träume Weisenborns, seiner Frau Joy und ihrer mutigen Freunde – und erzählen von den abenteuerlichen Widerstandsaktionen der Gruppe, der es vor allem darum ging, über Hitlers Gräueltaten aufzuklären und eine Gegenöffentlichkeit gegen die Propaganda der Nazis zu schaffen.

DIE GUTEN FEINDE ist das vielschichtige Porträt einer Gruppe von Freunden, die das Leben liebten und sich in den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte entschieden haben, ihrem Gewissen zu folgen und mutig gegen das Unrecht der Nazis aufzubegehren.

Der Film zeichnet sich zuvorderst durch seine ganz eigenwillige Gestaltung von zutiefst ambivalenten Stimmungen aus, die jenseits moralischer Attacken auf das Publikum von jener extremen historischen Zeit und ihren nachhaltigen Auswirkungen zeugen. Der Sohn und Regisseur wagt es, vom Leben seiner Eltern eingebettet mit erstaunlicher Leichtigkeit und doch auch berührender Intensität in diesen molochhaften Kontext einzutauchen, so dass die exaltierte Lebensfreude jener Tage schonungslos mit dem ganz großen Grauen konfrontiert wird. Es ist dem Filmemacher gelungen, so einige Nachkommen der damaligen Protagonisten vor der Kamera sprechen zu lassen, was in Kombination mit Archiv-Bildern zu einer lebendigen, aktuellen neuen Perspektive gerät. Darüber hinaus beschwört der Dokumentarfilm die markante Musik und Poesie dieser Epoche abseits der deutschen Bürgerlichkeit, die bereits Beziehungsformen feiert, die teilweise heute noch als avantgardistisch gelten... Dass ihre Leidenschaften sowie auch ihre Sorgen, Ängste und Kämpfe gleichermaßen Raum finden, lässt DIE GUTEN FEINDE in seiner ganz hervorragenden Dramaturgie zu einem großartigen Dokumentarfilm werden, der bedeutende neue Erkenntnisse markiert, ungewöhnliche historische Lektionen anbietet und nachhaltig berührt.
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Webseite zum Film: diegutenfeinde.de