Berlinale Goes Kiez

Berlinale Goes Kiez 2018 Tilsiter Lichtspiele

110 Jahre Tilsiter Lichtspiele und Berlinale Goes Kiez. Am 19. Februar 2018 rollt der Rote Teppich der 68. Internationalen Filmfestpiele Berlin in die Richard-Sorge-Straße und bringt Farbe in den grauen Regenwinter. Ein schönes Geschenk zu unserem Jahrestag.

Montag 19. Februar 2018
17:00 Berlinale Talents / Free entrance
How to Talk to Strangers: Q&A Reloaded
18:30 Panorama Dokumente
Al Gami’ya - What Comes Around
21:30 Forum
Wieza. Jasny dzien - Tower. A Bright Day.

How to Talk to Strangers: Q&A Reloaded

The Q&A is what differs a screening from a true cinema experience. Having the cast and crew on stage can help to create the bigger picture and put the film in the context of its making and meaning. However, nothing is more fatiguing than evergreens like “What’s your film about?”. This open exchange at one of Berlin's nicest "Kiez-Kinos" brings together film-lovers with community cinema owners and distributors. In an interactive format they develop new ideas to better involve the audience and celebrate filmmakers at eye level.

Moderation: Anne Lakeberg

Al Gami’ya - What Comes Around

Als „one big family“ bezeichnet Protagonistin Um Ghareeb die sogenannten „al Gami’yas“ in Rod El Farag, einem der ärmsten Stadtteile Kairos. In diesen Zusammenschlüssen mehrerer Bewohner eines Viertels zahlt jeder regelmäßig einen kleinen Geldbetrag in einen Topf. Auf wöchentlich stattfindenden Treffen wird gemeinsam entschieden, wer gerade besonders bedürftig ist oder wer bei notwendigen Anschaffungen finanziell unterstützt wird. Über sechs Jahre begleitete Reem Saleh die Mitglieder einer solchen Gemeinschaft. Sie zeigt deren täglichen Überlebenskampf und lässt sie zu ihrem Umgang mit Tradition, Krankheit und Sterben zu Wort kommen. Während Aussagen wie die des Mädchens Dunia zur Genitalbeschneidung verstören und Fragen offen lassen, sind auf der anderen Seite auch Frauen zu sehen, die das Regime innerhalb der Familien führen. Durch den unaufdringlichen Einsatz von Musik und die stets nahe, teilnehmende Kamera zeichnet Saleh ein intimes Bild von gegenseitiger Unterstützung und Zusammenhalt in einer unwirtlichen, buchstäblich zwischen Bahngleisen angesiedelten Realität.

Regie: Reem Saleh, Ägypten 2018, OmeUT, 79 Min.

Wieza. Jasny dzien - Tower. A Bright Day.

Frühsommer, die Natur leuchtet in sattem Grün. Mulas Tochter Nina wird ihre Erstkommunion feiern und die Verwandten reisen an. Unter ihnen auch Mulas Schwester Kaja, Ninas biologische Mutter, die sechs Jahre verschwunden war. Ihre Rückkehr löst bei Mula Verlustängste aus. Misstrauisch beäugt sie jede Annäherung der beiden. Die Kamera bewegt sich agil, wie ein weiteres Familienmitglied in einem Beziehungsdrama in schicker Landhauskulisse. Doch immer wieder laufen kleine Erschütterungen durch den Film, wie seismische Wellen, die von einem größeren Beben künden. Auf der Tonspur, durch jähe, blitzartige Schnitte und seltsame Vorkommnisse. Vielleicht sind die überraschende Genesung der Großmutter, der stammelnde Priester, der den Gebetstext vergisst, die Geräusche in der Wand Vorboten? Nur sind alle zu beschäftigt, um sie zu erkennen. Als Ereignisse aus der Zukunft beschreibt ein Zwischentitel den Film. Aus einer Zukunft, in der zunächst alles beim Alten ist, aber nicht bleibt. Sprengen die dezenten Genreelemente, die sich in der sommerlichen Idylle bemerkbar machen, einfach nur die Grenze zwischen Beziehungsdrama und Psychothriller, oder hat Kaja vielleicht eine ganz andere Mission?

Regie: Jagoda Szelc, Polen 2017, OmeUT, 106 Min.